Energie

Hauptversammlung des Energiekonzerns Eon-Chef Teyssen verspricht Innogy faire Integration – Aktionäre begrüßen den Deal

Beim Aktionärstreffen richtet der Eon-Chef versöhnliche Töne an die Mitarbeiter von Innogy. Die Abwicklung des Deals soll ein Ex-RWE-Manager stemmen.
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Eon-Chef Johannes Teyssen verspricht Innogy faire Integration  Quelle: dpa
Eon-Hauptversammlung

Eon-Chef Johannes Teyssen verspricht bei dem Aktionärstreffen eine „faire Integration“ von Innogy.

(Foto: dpa)

EssenEine Hauptversammlung dient naturgemäß der Aussprache des Vorstands mit den Anteilseignern. Eon-Chef Johannes Teyssen wandte sich am Mittwochmorgen in der Essener Grugahalle aber auch ausführlich an die Mitarbeiter. Die eigenen – und vor allem die des Konkurrenten Innogy, den Eon übernehmen will.

„Ich werde für eine faire und ausgewogene Integration sorgen. Keiner von Innogy wird schlechter behandelt als ein Eon-Mitarbeiter“, versprach Teyssen: „Sie können mich beim Wort nehmen.“

Der Eon-Chef hatte sich Mitte März mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz auf ein spektakuläres Tauschgeschäft geeinigt. Eon übernimmt dabei die 76,8 Prozent, die RWE noch an der Tochter hält und hat den anderen Aktionären eine Offerte unterbreitet.

Im Gegenzug erhält RWE unter anderem eine Beteiligung von 16,7 Prozent an Eon und die Aktivitäten, die Innogy und Eon bei den erneuerbaren Energien haben.

Eon wird sich damit auf die Sparten Vertrieb und Netze konzentrieren und hier zu einem der führenden Versorger Europas aufsteigen, der rund 50 Millionen Kunden bedient. Innogy verliert dagegen schon wieder die Selbstständigkeit und wird zerschlagen.

Entsprechend groß ist die Unruhe beim Newcomer. Die Belegschaft von Innogy fürchtet, bei der Übernahme benachteiligt zu werden. Rund 5000 Stellen will Eon von den dann 70.000 abbauen.

Personalanpassungen habe Eon aber in der Vergangenheit „immer sozialvertraglich gestaltet“, betonte Teyssen – und versprach: „Alle anfänglichen Lasten und alle langfristigen Chancen gehen natürlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Eon und Innogy gleichermaßen an. Keine Seite soll alleine Lasten tragen, alle sollen gemeinsam gewinnen.“

Am Donnerstag vergangener Woche waren die Chefs von Eon, RWE und Innogy, Teyssen, Schmitz und Uwe Tigges, auf Initiative der Gewerkschaften mit Verdi-Chef Frank Bsirske, IGBCE-Vorstand Ralf Sikorski und den Konzernbetriebsräten zusammen gekommen, um über den Schutz der Mitarbeiter zu reden. Am kommenden Freitag ist ein weiteres Treffen geplant. Dabei soll schon ein Grundsatzpapier verabschiedet werden.

Die Integration wird zur Herkulesaufgabe. Schließlich wird Innogy fast die Hälfte der neuen Mitarbeiter stellen – und jahrzehntelang waren Eon und RWE, aus dem Innogy hervorgegangen ist, erbitterte Rivalen.

Um die Aufgabe bewältigen zu können und den Deal abzuwickeln, baut Eon den Vorstand um. Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum soll sich ab Juni als Chief Operating Officer Integration hauptsächlich um das Großprojekt kümmern. Der 51-Jährige war selbst von 2008 bis 2013 für RWE tätig und hatte sich sogar Hoffnungen gemacht, die Leitung des Konkurrenten zu übernehmen.

Mit seiner früheren Vorstandstätigkeit für die damalige RWE AG (vor der Abspaltung der innogy SE) sei Birnbaum ideal geeignet, die große Integrationsaufgabe zu führen, da er sowohl die Geschäfte als auch die Menschen aus eigenem Erleben kenne, erklärte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Zudem kenne Birnbaum alle Geschäftsbereiche beider Energieunternehmen.

Derzeit ist Birnbaum für die Sparten Netz und erneuerbare Energien zuständig. Die erneuerbaren Energien, die Eon abgeben wird, wird Birnbaum weiter betreuen. Die Verantwortung für das Netzgeschäft übernimmt aber der neue Vorstand, Thomas König, der bislang in diesem Bereich für das Deutschland-Geschäft zuständig war.

„Ich bin sicher, dass dieser erweiterte Vorstand mit CEO Johannes Teyssen eine der größten Integrationen der deutschen Wirtschaftsgeschichte zum Erfolg führen wird“, sagte Aufsichtsratschef Kley.

Die Aktionäre reagierten grundsätzlich positiv auf die Übernahmepläne. „Der Deal begeistert fast alle – bis auf Innogy und deren Aktionäre“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Ich sehe Eon als Hauptprofiteur, wenn nicht gar als Sieger.“

„Das war ein Paukenschlag“, sagte Joachim Krekel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Dass sich die Energiekonzerne selbstbestimmt neu aufstellen, begrüßen wir.“ Zuletzt seien sie ja vor allem von der Politik getrieben worden.

Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment, begrüßte es, dass Eon sich auf Vertrieb und Netze konzentriert – und damit überwiegend reguliertes und risikoarmes Geschäft betreibt: „Herr Teyssen, wir wünschen uns, dass die Eon-Aktie von einem Hochrisikopapier wieder zu einem grundsoliden Witwen- und Waisenpapier wird“, sagte Deser.

Die Eon-Aktie hatte nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, als die Energiewende in Deutschland beschleunigt wurde, massiv an Wert verloren, sich 2017 aber wieder etwas erholt.

Eon hatte nach drei Jahren mit Verlust wieder die Gewinnzone erreicht. Der erste radikale Strategieschwenk, die Abspaltung der Kohle- und Gaskraftwerke in die neue Uniper SE, hatte zuvor die Bilanz schwer belastet.

„Nach Jahren strategischen Volten und radikalen Veränderungen am Geschäftsmodell, die letztlich dem Abbau von Risiken dienten und daher zu begrüßen sind, wollen wir jetzt die Früchte ernten und eine kontinuierliche Wertsteigerung ohne negative Überraschungen sehen“, sagte Deser.

Winfried Mathes von Deka Investment bezeichnete Teyssen wegen des ständigen Wechsels im Geschäftsmodell schon als „Chamäleon der deutschen Energiewirtschaft“.

Er sieht in der Integration des Innogy-Geschäfts „eine Herkulesaufgabe“: „Hier erwarten wir einen fairen Umgang mit der Belegschaft und keinen Kampf auf Biegen und Brechen.“

Mathes erinnerte daran, dass schon der Verkauf der restlichen Beteiligung von knapp 47 Prozent an den finnischen Energiekonzern Uniper bei der ehemaligen Tochter auf massive Kritik gestoßen war: „Leider war das Schmierentheater in der Öffentlichkeit um den Uniper-Verkauf an den Wikinger Fortum nicht gerade ‚gentlemanlike‘.“

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