Energie

Hauptversammlung
Eon-Aktionäre sind scharf auf Papier

Wertpapiere statt Geld: Eon-Chef Johannes Teyssen bietet den Anlegern an, sich die Dividende in Aktien auszahlen zu lassen. Bei der Hauptversammlung sind die Aktionäre angetan – allerdings nicht von der aktuellen Bilanz.
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EssenIm Vergleich zu seinem Vorgänger auf der Bühne der Essener Gruga-Halle war der Vormittag für Eon-Chef Johannes Teyssen heute geradezu entspannt. Nur ein paar Tage zuvor hatte RWE-Chef Peter Terium genau an dieser Stelle seinen Aktionären einen Verlust in Höhe von fast drei Milliarden Euro verkündet. Eon steht im Vergleich zu dem Essener Konkurrenten besser da und schrieb netto 2,1 Milliarden Euro Gewinn. Doch der operative Überschuss sackte im vergangenen Jahr um 14 Prozent ab, und weiterhin drücken hohe Schulden – obwohl „das Tafelsilber verkauft wurde“ – betonte Alexander Elsmann, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). 

„Eon steht zwar im Vergleich zu anderen Versorgern gar nicht schlecht da, aber bei weitem nicht gut“, kritisiert Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Wertpapierschützer DSW. „Befriedigend ist das für uns noch nicht, im besten Fall ausreichend.“

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Anteil an der Stromerzeugung, in Prozent

Weil die Ergebnisse im Bereich Stromerzeugung wegbrechen, spart Eon an allen Ecken und Enden. 2013 nahm der Konzern rund sieben Milliarden Euro durch den Verkauf von Tochterfirmen ein, zahlreiche Mitarbeiter wurden bereits entlassen. Selbst ein berühmtes Gemälde aus dem Kunstbestand der Firma sollte für einen Millionenbetrag unter den Hammer kommen.

Um einen weiteren Kapitalabfluss durch die Ausschüttung der ohnehin stark gekürzten Dividende zu verhindern, hat der Konzern seinen Anteilseignern vorschlagen, sich einen Teil ihrer Dividende, die von 1,10 Euro im Jahr 2012 auf 60 Cent im vergangenen Jahr gesunken ist, in Aktien auszahlen zu lassen.

Die Papiere werden nicht zusätzlich ausgegeben, sondern aus dem Bestand der eigenen Aktien der Gesellschaft genommen, erklärte Teyssen. „Das Angebot richtet sich an alle Aktionäre unserer Gesellschaft“, betonte er. Die Aktien würden zum Marktpreis ausgegeben, mit einem Abschlag von drei Prozent. Das Angebot beginnt am 2. Mai und endet am 15. Mai. Auf der Homepage des Düsseldorfer Energieversorgers kann man sich ausrechnen lassen, wie viele Aktien man im Tausch erhält.

Anlegerschützer begrüßten die Wahlmöglichkeit der Aktionäre auf der Hauptversammlung. „Wir finden es gut, dass der Aktionär beim Thema Dividende eine Wahlmöglichkeit hat“, sagt Thomas Hechtfischer von der DSW. Man habe das schon bei der Telekom begrüßt. Auch die SdK befürwortete die Papier-gegen-Geld-Aktion. 

„Die Kosten für diese Wahlmöglichkeit hängen von der Annahmequote ab“, sagte Teyssen auf Nachfrage. Man rechne mit einer Annahmequote von unter 25 Prozent, dann würden Kosten von rund 1,7 Millionen Euro entstehen. Zum Vergleich: Allein die Organisation der Hauptversammlung hat den Konzern zwei Millionen Euro gekostet. 

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  • Man kann oder muss sogar Theyssen ein hervorragendes Krisenmanagement zu Gute halten. Die Herausforderungen des politischen Zickzackkurses der Merkel-Administration machen es nicht einfacher ... dafür steht EON im Vergleich noch relativ gut dar ...

  • TEYSSEN zündet ein paar Blendraketen und schon sind die Aktionäre befriedigt, tja man könnte fast meinen sanftmütig.

    Dabei gehört TEYSSEN zu den größten Kapitalvernichtern im EON-Konzern. Er hat es nicht gelernt über seinen provinzialen Tellerrand hinauszublicken. Internationale Märkte, insbesondere wie sie funktionieren, überfordern ihn auf ganzer Linie. Dies spiegelt sich insbesondere auch darin wider, dass er anstatt zu handeln auf der deutschen Energiewende herumhackt und diese für sein Versagen hinhalten muss. TEYSSEN kann man mangelnde Flexibilität ebenso wie unzureichenden kaufmännischen Sachverstand vorwerfen. In Brasilien wurde er quasi über den Tisch gezogen und hat sich blenden lassen. Das Fiasko in der Türkei versteht er noch nicht einmal, anders ist seine Verwunderung nicht erklärbar.

    TEYSSEN ist eine klassische Fehlbesetzung an der Spitze des EON-Konzerns.

  • TEPCO hat bislang noch nichteinmal eine seriöse Kostenfolgeplanung vorgelegt: vermutlich sollen die Kosten von EON-Kunden mitgetragen werden.
    Darüber redet EON aber garnicht.
    Eon gefällt sich indes lieber darin, den Grünen Ökofaschismus zu unterstellen.

    Eon hatte sich als wettbewerbsfähiges Unternehmen indes längst vor den Grünen verabschiedet.

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