Energie

Hinkley Point
Briten genehmigen ersten AKW-Bau in der EU seit Fukushima

Die britische Regierung hat grünes Licht für den neuen Atomreaktor Hinkley Point gegeben. Damit kann das über 20 Milliarden Euro schwere Projekt von EDF umgesetzt werden. Allerdings hat London die Auflagen verschärft.
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London, ParisGroßbritannien hat grünes Licht für den ersten Atomkraftwerks-Bau in der Europäischen Union (EU) seit der Katastrophe im japanischen Fukushima vor fünf Jahren gegeben. Nach einem Rückzieher im Juli genehmigte die Regierung am Donnerstag das umgerechnet gut 21 Milliarden Euro teure Projekt Hinkley Point C. Bauen soll es der französische Versorger EDF zusammen mit dem chinesischem Staatskonzern CGNP. Das schon lange geplante Vorhaben war zunächst auch bei der neuen britischen Premierministerin Theresa May auf Kritik gestoßen – aber nicht wegen möglicher Sicherheitsbedenken bei der Atomkraft, sondern wegen der Beteiligung der Chinesen. Nun sollen aber ausländische Investitionen in strategische Infrastruktur besonders scharf kontrolliert werden. EDF sieht derweil Europas Atomwirtschaft mit Hinkley vor einem Comeback.

Der Bau zweier neuer Reaktoren auf der Anlage im Südwesten Großbritanniens war eigentlich schon 2015 vom damaligen Premierminister David Cameron abgesegnet worden. Gegner kritisierten jedoch unter anderem den Einfluss, den das kommunistische China damit auf die Nukleartechnik der europäischen Atommacht bekommen würde. Camerons Nachfolgerin May hatte schon als Innenministerin unter Cameron Zweifel bekundet. Unmittelbar nach ihrer Amtsübernahme im Zuge des Brexit-Votums stoppte sie das Projekt kurz vor Vertragsunterzeichnung, was die Beziehungen zu Frankreich und China belastete und Zweifel an ihrer Haltung gegenüber geplanten Milliardeninvestitionen aus der Volksrepublik schürte.

Nun sicherte May dem französischen Präsidenten Francois Hollande ihre Unterstützung für das Projekt per Telefon persönlich zu, wie ein Hollande-Berater sagte. Ihren Meinungswandel begründete einer ihrer Sprecher damit, dass Großbritannien nun weitgehende Rechte zur Kontrolle von Hinkley Point C ausgehandelt habe. So könne die Regierung einen Verkauf der EDF-Kontrollmehrheit verhindern. Zudem werde sie sich in allen künftigen Atomprojekten einen „Sonderanteil“ sichern, um Besitzerwechsel stoppen zu können. Die Zusage für das umstrittene Projekt geht also mit einer Justierung der Investitionspolitik einher, die Industrieminister Greg Clark als großen Gewinn für die nationalen Interessen des Landes pries.

Der beiden neuen Meiler sollen 2019 in Bau gehen und rund sieben Prozent der britischen Stromversorgung übernehmen. Bis 2025 will Großbritannien seine Kohlekraftwerke stilllegen und muss den Wegfall der dort produzierten Energie kompensieren.

Der chinesische Atomkonzern begrüßte die Entscheidung und erklärte, die neuen Eigentumsregeln stellten kein Problem für die eigenen Expansionspläne dar. Die Investition von acht Milliarden Dollar in Hinkley Point soll für die Chinesen nämlich nur der Start für einen breiteren Einstieg in den britischen Atommarkt sein. So will das Unternehmen mit EDF weitere Meiler bauen und bei einem Projekt auch die Führung übernehmen.

EDF-Chef Jean Bernard Levy betonte, sein Konzern wolle seine Kontrollmehrheit bei Hinkley Point behalten. Derzeit liege der Anteil bei 66 Prozent, er werde in jedem Fall über 50 Prozent bleiben. Er würdigte die Entscheidung der Briten als Wendepunkt für die Atomindustrie in Europa. Hier hatten Sicherheitsbedenken nach der Fukushima-Katastrophe im März 2011 die Nuklearenergie in den Hintergrund gedrängt. In Deutschland mussten Größen wie RWE und Eon massive Einbußen hinnehmen, nachdem die Bundesregierung angesichts von Fukushima den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hatte.

In der Pariser Regierung sorgte die Entscheidung der Briten für Begeisterung: Wirtschaftsminister Michel Sapin sprach von einem Meilenstein der energiepolitischen Zusammenarbeit mit Großbritannien. Es handele sich um eine gute Nachricht für die französische Atomindustrie, die damit ihre Technologie weltweit präsentieren könne. Aber selbst in Frankreich ist das EDF-Projekt nicht unumstritten: Es gibt Zweifel, ob der finanziell schon durch die Übernahme des AKW-Bauers Areva belastete Staatskonzern die Milliardeninvestition überhaupt stemmen kann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hallo Herr Behrends...Kernkraftwerke sind grosse, massive Bauten die nirgends in der Welt "klammheimlich" errichtet werden können. Der Bau neuer Kernkraftwerke wurde in GB in den vergangenen 10 Jahren intensiv diskutiert. Die Reaktorunfälle in Fukushima wo bei 3x grösster anzunehmender Unfall niemand zu Schaden kam, hat viele Politiker in GB zugunsten derselben überzeugt. In GB sieht man einerseits die Versorgungssicherheit den Klimaschwindel und andererseits die mittlerweile enormen Kosten neuer Kernkraftwerke.

    Ein fiktives, kommunikatives Problem wie der "Atommüll" lässt sich mit realer Technik natürlich nicht lösen.

    Wenn man sich die Fakten abseits der Phantasieberichte Deutschsprachiger Medien betrachtet ist dies die Energieform mit den geringsten Risiken und den geringsten Mengen an Sondermüll.

    Problematisch ist meines Erachtens eher, dass man die Kosten neuer Kernkraftwerke durch sinnlose Auflagen, Dokumentationspflichten, Zertifizierungsverfahren, Prüfverfahren so in die Höhe getrieben hat, dass ein solches verglichen mit einem Kohlekraftwerk nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

  • Klammheimlich werden wieder AKW aufgebaut.

    Eine gaaaannnnzzz tolle, todsichere Energieform mit großen Zukunftsbelastungen (Atommüll) ...

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