Energie

IEA-Weltenergieausblick
Ohne Gas geht’s nicht

Will die Welt ihre Klimaziele erreichen, muss sie ihren Energiemix umstellen. Der jüngste Ausblick der Internationalen Energieagentur macht aber klar: Öl und Gas werden auch künftig den Markt dominieren.
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FrankfurtGas ist auch in Zukunft unverzichtbar. So kurz ließe sich die Botschaft der Internationalen Energieagentur (IEA) ihres jüngsten Weltenergieausblicks zusammenfassen. Die Welt will ihre Energiebilanz umstellen, um zumindest ansatzweise die in Paris beschlossenen Klimaziele zu erreichen und die Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad zu begrenzen. Der Energiemix werde zunehmend von Erneuerbaren geprägt. Das allein reicht aber nicht: „Um Kohle zu ersetzen, brauchen wir Gas“, sagt Fatih Birol, der Präsident der IEA im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Ginge es nach Umwelt- und Klimaschützern, müsste die Welt so schnell wie möglich auf Erneuerbare umstellen. Denn dass es schwierig wird, die Erderwärmung zu begrenzen, zeigen auch die jüngsten Berechnungen des „Global Carbon Projects“, denen zufolge der CO2-Ausstoß nach drei Jahren der Stagnation wieder um zwei Prozent angestiegen ist. So folgt der erhofften Trendwende die Ernüchterung.

Für all jene, die eine drastische Umstellung forcieren wollen, hält die IEA-Analyse eine gute und eine schlechte Nachricht parat. Die Gute: Keine andere Energieform wächst so schnell wie erneuerbare Energien, was den fallenden Kosten zu verdanken ist. Bei Solar seien sie seit 2010 um 70 Prozent, bei Wind um 25 Prozent gefallen, schreibt die IEA. Für viele Länder stellten Erneuerbare heute die günstigste Energieform dar. Bis 2040 werden zwei Drittel aller Investitionen in neue Kraftwerke mit grünen Technologien fließen, blickt die IEA voraus.

Die schlechte Nachricht: Selbst im Szenario „Sustainable Development“ können die Erneuerbaren die Dominanz der fossilen Brennstoffe nicht brechen, obwohl die Nachfrage nach Öl in diesem Fall sogar noch vor 2020 ihren Höhepunkt überschreiten würde. In dem Szenario skizzieren die Experten eine Welt, in der die Staaten ihre Klimaziele übererfüllen und schneller vorantreiben als gedacht. Erneuerbare wären mit 29 Prozent ein gewichtiger Faktor am Energiemarkt. Trotzdem würde der Anteil von Öl, Gas und Kohle im Jahr 2040 selbst dann noch 61 Prozent betragen.

Im Basis-Szenario, „New Policies“ genannt und von den aktuellen Energieplänen der Regierungen ausgehend, machen Erneuerbare auch in 23 Jahren nur noch rund 17 Prozent vom globalen Energiemix aus – fossile Brennstoffe hingegen 75 Prozent. „Es ist zu früh, um den Nachruf auf das Ölzeitalter zu verfassen“, sagt IEA-Chef Birol.

Dennoch werde der Energiemix insgesamt sauberer – und hier kommt Gas ins Spiel: Der Rohstoff profitiert von seinem Ruf als „reinster“ fossiler Brennstoff. Die Kohlendioxidausstöße seien um 40 Prozent niedriger als bei der Kohleverbrennung und immerhin noch ein Fünftel geringer als bei Öl, schreiben die Pariser Energieexperten in ihrem Bericht. Da der Brennstoff sowohl bei der Strom- und Wärmeerzeugung als auch in der Industrie Verwendung findet, werde sein Verbrauch stetig steigen. Künftig könnten 45 Prozent mehr Gas verbraucht werden als heute. Der Anteil des Rohstoffes am globalen Energiemix betrage dann rund 25 Prozent.

Dass Gas künftig gefragter wird, hat längst auch in der Ölbranche die Runde gemacht. Patrick Pouyanné etwa, der Chef des französischen Konzerns Total, will verstärkt auf Gas setzen. Die Franzosen haben sich in diesem Jahr in einem Vertrag mit der National Iranian Oil Company (NIOC) an der weiteren Erschließung des größten Gasfeldes der Welt South Pars beteiligt. Auch anderen Ölmultis wie Total-Konkurrenten Shell oder BP setzen auf den Rohstoff, der vor Jahren noch als Abfallprodukt bei der Ölförderung abgefackelt wurde.

Kommentare zu " IEA-Weltenergieausblick: Ohne Gas geht’s nicht"

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  • G. Nampf - 14.11.2017, 11:22 Uhr

    Dass Elektrofahrzeuge so sauber oder so dreckig sind, wie die Kraftwerke, von denen Sie den Ladestrom beziehen, ist trivial. Das weiß jeder.

    Es wäre schon interessant, auf Basis welcher Randbedingungen die Zahlen von Birol ermittelt wurden. So einfach 1% CO2-Reduktion bei einem E-Mobil-Anteil von 14% weltweit zu verbreiten, ist arg dünn.

  • @ G. Nampf14.11.2017, 13:32 Uhr

    noch besser, die unsinnige Abschaltung der AKW's rückgängig machen und diese wie ursprünglich beplant laufen lassen.

  • @Heinz Keizer 14.11.2017, 12:30 Uhr

    "Wenn wir schon die AKW's abschalten, dann sollten wir die Braunkohlekraftwerke aufrüsten, damit sie umweltfreundlicher werden."


    Nein. um Braunkohle zu gewinnen, müssen ganze LAndstriche üngepflügt werden. Da wächst dan über JAhrzehnte nichts mehr. Und Braunkohle ist der schmutzigste Energieträger gleich nach den AKW.

    "Wieviel CO2 haben die ganzen Teilnehmer am Gipfel in Bonn eigentlich produziert?"

    Mit der heißen Luft, die Politiker tagein tagaus produzieren, wäre die Energiewende ein Klacks - wenn man sie denn nutzen könnte.

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