Energie

IEA-Weltenergieausblick
Ohne Gas geht’s nicht

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Warum Elektroautos das Klima nicht retten

Mit der zunehmenden Bedeutung wird auch der Gashandel professioneller. Schwankt sein Preis heute noch mit dem Ölpreis, könnten sich am Gasmarkt künftig ähnliche Benchmarks etablieren, wie es sie mit Brent (Nordseeöl) und WTI (nordamerikanisches Leichtöl) schon seit Jahren am Ölmarkt gibt. Überdurchschnittlich dürfte davon das Geschäft mit sogenanntem LNG profitieren – „Liquified Natural Gas“. Der Begriff steht für Erdgas, das auf minus 160 Grad heruntergekühlt und dadurch verflüssigt wird. In diesem Aggregatzustand lässt sich das Gas dann ähnlich wie Öl in riesigen Tankern über die Meere transportieren.

Der Nachteil dieser Form: Sowohl für die Verflüssigung als auch für die erneute Umwandlung in Gas werden aufwendige Prozessanlagen gebraucht. Dennoch glaubt die IEA, dass der Handel mit LNG rapide steigen wird. Im Jahr 2040 werde LNG schon fast zwei Drittel des Gashandels ausmachen. Vor allem in Asien werde die Nachfrage am stärksten steigen.

Kommt es so, dürften die Amerikaner jubeln. Kein anderes Land wird in den kommenden Jahren seine Gasproduktion stärker steigern, schätzt die IEA. „Die USA werden 2025 schon 30 Prozent mehr Gas fördern als Russland“, erläutert Birol. Neben den Australiern zählen die USA zu den Ländern, die derzeit am stärksten auf LNG setzen. Möglich hat es in den USA die Schiefergas-Revolution gemacht und die ist noch längst nicht vorüber, glaubt die IEA. Auch Analysten, wie etwa die der Société Générale, rechnen damit, dass eine der wichtigsten Benchmarks „Henry Hub“ sein wird – und der steht für Gas aus den USA.

Das Land ist noch lange nicht an der Grenze seiner Möglichkeiten, ist IEA-Chef Birol sicher: „Die USA sind heute schon der wichtigste Öl- und Gasproduzent der Welt und werden das in den kommenden Jahren auch unangefochten bleiben.“ Bis 2025 werde 80 Prozent allen zusätzlichen geförderten Öls aus den USA kommen, erklärt der Türke, der auch schon für die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gearbeitet hat.

Seinem ehemaligen Arbeitgeber bietet er passable Aussichten: Zwar ist die IEA wesentlich weniger optimistisch, was das Nachfragewachstum angeht, als die Opec – während die Förderer damit rechnen, dass die Ölnachfrage bis 2040 von aktuell 97 auf 111 Millionen Barrel Öl pro Tag klettert, rechnet die IEA nur mit einem Anstieg auf 105 Millionen Barrel pro Tag. Allerdings vermuten die IEA-Experten, dass künftig mehr Öl von der Opec gefragt wird als heute, sofern der Schieferöl-Boom in den USA nicht erneut die Märkte überrascht.

Peak Oil Demand, also einen Höhepunkt der Nachfrage, vermag IEA-Chef Birol übrigens nicht abzusehen. In dem Zusammenhang werde immer wieder das Elektroauto angeführt, erläutert der 59-Jährige. Die IEA glaubt auch, dass sich deren Verbreitung ausweitet. Tatsächlich haben die Pariser ihre Elektroauto-Prognose im Vergleich zum Vorjahr sogar nahezu verdoppelt.

2040, so schätzen die Energieexperten aktuell, könnten 280 Millionen E-Autos auf den Straßen der Welt unterwegs sein. Von den dann zwei Milliarden Autos stellen sie trotzdem nur 14 Prozent. „Insgesamt werden sie den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen gerade einmal um ein Prozent reduzieren können“, unterstreicht Birol. In anderen Worten: Das Weltklima werden sie nicht retten.

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  • G. Nampf - 14.11.2017, 11:22 Uhr

    Dass Elektrofahrzeuge so sauber oder so dreckig sind, wie die Kraftwerke, von denen Sie den Ladestrom beziehen, ist trivial. Das weiß jeder.

    Es wäre schon interessant, auf Basis welcher Randbedingungen die Zahlen von Birol ermittelt wurden. So einfach 1% CO2-Reduktion bei einem E-Mobil-Anteil von 14% weltweit zu verbreiten, ist arg dünn.

  • @ G. Nampf14.11.2017, 13:32 Uhr

    noch besser, die unsinnige Abschaltung der AKW's rückgängig machen und diese wie ursprünglich beplant laufen lassen.

  • @Heinz Keizer 14.11.2017, 12:30 Uhr

    "Wenn wir schon die AKW's abschalten, dann sollten wir die Braunkohlekraftwerke aufrüsten, damit sie umweltfreundlicher werden."


    Nein. um Braunkohle zu gewinnen, müssen ganze LAndstriche üngepflügt werden. Da wächst dan über JAhrzehnte nichts mehr. Und Braunkohle ist der schmutzigste Energieträger gleich nach den AKW.

    "Wieviel CO2 haben die ganzen Teilnehmer am Gipfel in Bonn eigentlich produziert?"

    Mit der heißen Luft, die Politiker tagein tagaus produzieren, wäre die Energiewende ein Klacks - wenn man sie denn nutzen könnte.

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