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Insolventer Photovoltaikkonzern Solarworld-Gläubiger hoffen auf Trump

Die Veräußerung der Vermögenswerte des Pleitekonzerns Solarworld geht mit dem Verkauf von Solarparc voran. Die größte Einnahmequelle für die Gläubiger soll aber die US-Tochter werden – sofern Präsident Trump mithilft.
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Die US-Tochter des Photovoltaikkonzerns ist nicht insolvent. Quelle: dpa
Solarworld

Die US-Tochter des Photovoltaikkonzerns ist nicht insolvent.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist ein kleiner Etappenerfolg für die leidgeplagten Gläubiger der Solarworld AG. Am Dienstag teilte Insolvenzverwalter Horst Piepenburg den Geschädigten des einst größten Photovoltaikkonzerns Europas bei einer Gläubigerversammlung im Bonner Amtsgericht mit, dass die Veräußerung der Vermögenswerte weiter vorankommt. Konkret konnte Piepenburg nach Informationen des Handelsblatts aus Gläubigerkreisen wesentliche Teile der Solarparc GmbH verkaufen. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Solarworld AG gilt als kleine Ertragsperle.

Anders als der Gesamtkonzern, der Solarmodule produzierte und verkaufte, hat sich Solarparc auf den Bau und Betrieb von großen Wind- und Photovoltaikparks spezialisiert. Insgesamt betreut die Gesellschaft laut eigenen Angaben ein Portfolio von rund 222 Megawatt.

Als Käufer der Solarparc GmbH treten nach Informationen des Handelsblatts aus Gläubigerkreisen die KSS Holding GmbH beziehungsweise die KSS Betreiber GmbH & Co. KG auf. Hinter diesen Gesellschaften verbergen sich laut Handelsregister Peter Schreier, Steffen Schmidt und Philipp Koecke. Bei den Personen handelt es sich um die beiden amtierenden Geschäftsführer der Solarparc GmbH sowie um den ehemaligen Finanzvorstand der Solarworld AG.

Das Trio zahlt für die Solarparc GmbH nach Informationen des Handelsblatts rund zwölf Millionen Euro. Ein mickriger Betrag angesichts der angemeldeten Forderungen der Gläubiger im Umfang von fast 600 Millionen Euro zur Bedienung aus der Insolvenzmasse. Die Geschädigten Anleger, Kunden und Ex-Geschäftspartner von Solarworld hoffen daher auf eine andere Einnahmequelle: Solarworld Americas.

Die US-Tochter von Solarworld ist nicht insolvent und zählt mit ihrer Produktionsstätte in Hillsboro im Bundesstaat Oregon zu einem der größten Hersteller von Solarmodulen in den USA. Wie viel Solarworld Americas tatsächlich wert ist, hängt aber von Donald Trump ab. Denn der US-Präsident muss entscheiden, ob er auf Solarmodule, die außerhalb der USA produziert werden, Importzölle verhängt. Tut er dies, würden die von Solarworld hergestellten Paneele „Made in USA“ mit einem Schlag viel wettbewerbsfähiger.

Zum Hintergrund: Der insolvente amerikanische Photovoltaik-Hersteller Suniva und Solarworld Americas haben bei der Internationalen Handelskommission der USA vor einigen Monaten die Einführung von Mindestimportpreisen von 78 Dollarcent pro Watt für Solarmodule beantragt. Diese Mindestpreise sollen die amerikanischen Modulhersteller vor der übermächtigen Konkurrenz aus China schützen, die so der Vorwurf, den Weltmarkt mit Modulen zu Dumpingpreisen fluten.

Die US-Handelskommission empfahl dem Präsidenten kürzlich die Einführung von Importzöllen auf Solarmodule in der Höhe von bis zu 35 Prozent. Donald Trump hat nun bis voraussichtlich zum 26. Januar Zeit, um über den Vorschlag der Handelskommission zu befinden.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Gläubigerkreisen wurden im Zuge des Verkaufsprozesses von Solarworld Americas bisher 15 potenzielle Investoren angesprochen. Dem Vernehmen nach wollen die Interessenten aber zunächst die Entscheidung des US-Präsidenten zu den Importzöllen abwarten, bevor sie konkrete Angebote auf den Tisch legen.

Ein Bericht von Politico nährt die Hoffnungen der geschädigten Solarworld-Anleger. Laut der amerikanischen Zeitung kursiert im Weißen Haus aktuell ein vierseitiges Positionspapier, wonach sich Trump für strenge Zölle auf ausländische Solarmodule aussprechen soll. Politico schlussfolgert daraus, dass sich die US-Administration auf einen Handelskrieg mit China im Photovoltaiksektor vorbereitet.

Kommt es dazu, dürften die Preise für Solarmodule in den USA drastisch in die Höhe schnellen. Das wäre zwar schlecht für die US-Verbraucher, aber dafür ein Segen für die Solarworld-Gläubiger. Sie setzen jetzt all ihre Hoffnungen auf Trump, der sich wiederholt für Schutzmaßnahmen für die amerikanische Industrie ausgesprochen hat.

Gleichwohl würden vom Verkauf der Solaworld Americas nur jene Gläubiger wirklich profitieren, die Sicherheiten vorweisen können. Als Solarworld 2013 schon einmal kurz vor der Pleite stand, haben etwa die Anleihegläubiger auf 60 Prozent ihres Kapitals verzichtetet, um dem Konzern das Überleben zu sichern. Im Gegenzug wurden ihnen Sicherungsrechte gewährt. Der Großteil der Gläubiger, die wie die Aktionäre keinerlei Sicherungsrechte besitzen, muss hingegen damit rechnen, dass mehr als 90 Prozent des eingesetzten Kapitals für immer verloren ist.

Die Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden.

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