Energie

Interesse aus China
ABB denkt über Verkauf von Stromnetzsparte nach

ABB denkt über den Verkauf seiner marktführenden, aber unrentablen Stromnetzsparte nach. Interessenten gibt es einige – darunter auch ein chinesischer Staatskonzern. Der verfügt auf jeden Fall über reichlich Mittel.

ZürichAuf der Suche nach einem möglichen Käufer für die Stromnetz-Sparte könnte ABB -Konzernchef Ulrich Spiesshofer in Asien fündig werden. Sollte der Schweizer Elektrokonzern das Geschäft tatsächlich ins Schaufenster stellen, dürfte die chinesische State Grid Corp of China Analysten zufolge zu den heißesten Kaufanwärtern zählen.

Der staatliche chinesische Stromnetz-Gigant hat eine prall gefüllte Kriegskasse. „Sie denken in großen Dimensionen“, sagte Barclays-Experte James Stettler. Mit einem solchen Zukauf würden die Chinesen einen weiteren Schritt auf dem Weg hin zu einem globalen Anbieter von Elektrizitäts-Infrastruktur machen.

ABB stellte die neu formierte Division, die Versorger mit Transformatoren und anderen Produkten für die Strom-Übertragung und -Verteilung beliefert, Mitte der Woche auf den Prüfstand. Zu den Optionen gehören eine Abspaltung oder ein Verkauf des Geschäfts, deren Wert die UBS auf rund vier Milliarden Dollar veranschlagt. Mit dem Großaktionär Cevian im Nacken sieht sich Spiesshofer unter Druck, die Profitabilität des Unternehmens auf das Niveau von Konkurrenten wie der amerikanischen GE zu heben.

Mit der Abtrennung der Division mit einem Umsatz von fast 13 Milliarden Dollar könnte er einen großen Schritt in diese Richtung machen. Obwohl ABB in dem Geschäft zu den Weltmarktführern gehört, erreicht die Division mit 4,7 Prozent nur gerade ein Drittel der der Marge der profitabelsten Geschäfte im Konzern. Damit gehöre die Stromnetz-Sparte weniger zum Kerngeschäft als andere Divisionen, erklärte Credit-Suisse-Analyst Andrey Kukhinin.

Mehrere Analysten halten State Grid Corp of China für einen möglichen Käufer. Der Quasi-Monopolist befindet sich auf einem aggressiven Expansionskurs und will bis 2020 im Ausland für 50 Milliarden Dollar zukaufen. Rund die Hälfte hat State Grid mit Beteiligungen an Versorgern in Portugal, Italien, Brasilien, Australien und asiatischen Ländern bereits ausgegeben. Die Gesellschaft, die 1,1 Milliarden Chinesen mit Strom versorgt, will das Geschäft breiter aufstellen und würde mit einer Akquisition der ABB-Division einen Fuß in das europäische Energieausrüstungsgeschäft bekommen. „Die chinesische Regierung hat Märkte definiert, die sie dominieren wollen“, erklärte Stettler.

Angesichts ihrer vergleichsweise tiefen Rendite-Erwartungen dürften die Chinesen dabei die Nase gegenüber anderen möglichen Bietern wie europäischen Branchenvertretern oder Finanzinvestoren vorne haben. Neben State Grid stammen auch weitere mögliche Bieter aus Asien. Dazu zählen Mitsubishi Heavy Industries oder Hitachi, mit der ABB bereits zusammenarbeitet.

Eine Toshiba-Sprecherin erklärte, das Unternehmen sei weiterhin an einem Ausbau des globalen Stromübertragungsgeschäfts interessiert und fasse auch Zukäufe ins Auge. Zu ABB wollte sie sich aber nicht äußern. Hyundai Heavy Industries nahm sich schon mal aus dem Rennen für die ABB-Sparte.

Die Gesamte Branche befindet sich derzeit im Umbruch. General Electric erhielt diese Woche grünes Licht für die Übernahme der Energiesparte von Alstom. GE, Toshiba und Siemens gehören im Stromnetz-Geschäft zu den wichtigsten Wettbewerbern von ABB.

ABB wollte sich nicht äußern, von State Grid war vorerst keine Stellungnahme verfügbar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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