Energie

Irsching
Eon und Partner wollen hochmodernes Gaskraftwerk stilllegen

Das Gaskraftwerk nahe Ingolstadt ist eines der modernsten in Europa. Dennoch ist die wirtschaftliche Situation laut dem Energiekonzern Eon kritisch. Die Bundesnetzagentur könnte eine Stilllegung jedoch untersagen.
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Düsseldorf/BerlinDas erst vor wenigen Jahren für über eine Milliarde Euro hochgezogene Gaskraftwerk im bayerischen Irsching steht wegen der fehlenden Wirtschaftlichkeit vor dem Aus. „Wir diskutieren derzeit intensiv eine Stilllegung“, erklärte der Darmstädter Versorger HSE, der an einem Block beteiligt ist. Eine Entscheidung werde bis Ende März getroffen. Auch der Energieriese Eon, der die Blöcke alleine und mit Partnern betreibt, stellt den Weiterbetrieb infrage. Die Bundesnetzagentur könnte eine Stilllegung untersagen, wenn sie die Versorgungssicherheit in Süddeutschland gefährdet sieht.

Die beiden Blöcke in der Nähe von Ingolstadt mit einer Leistung von 1400 Megawatt sind zum Symbol für Fehlentwicklungen in der Zeit der Energiewende geworden. Eigentlich sollten moderne Gaskraftwerke ein Stütze des Systems werden, da sie weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen als Kohlekraftwerke. Der Betrieb der Gaskraftwerke lohnt sich aber kaum noch, da wegen des Ausbaus des Ökostroms und der Überkapazitäten die Strom-Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen sind. Da Gas als Brennstoff teurer ist als Kohle, fahren viele Versorger ihre Anlagen zurück, während Kohlekraftwerke gut ausgelastet sind.

Die Blöcke 4 und 5 in Irsching laufen noch bis Ende März 2016 mit einer Sonderregelung, durch die ihr Betrieb von den Stromkunden subventioniert wird. Danach bekommen die Eigentümer je Block pro Jahr insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag. "Wir wollen die Anlage gerne wirtschaftlich weiterbetreiben", erklärte die Darmstädter HSE. Aus Kreisen der Gesellschafter von Block 5, zu denen neben E.ON und der HSE auch die Frankfurter Mainova und die Nürnberger N-Ergie gehören, verlautete, dass es bereits Gespräche mit der Netzagentur und der bayerischen Landesregierung gebe.

Mit ihrer Ankündigung dürften die Irsching-Betreiber nun den Druck erhöhen wollen. Dass sie die Anlage für immer und ewig abschalten wollen, ist angesichts ihres geringen Alters und der hohen Investitionskosten zweifelhaft. Sie könnten aber auch einer vorübergehende Stilllegung beantragen. Bundesweit machen sich viele Versorger für einen so genannten Kapazitätsmarkt stark, wonach die Stromkunden die Bereitstellung von Energie rund um die Uhr aus konventionellen Kraftwerken bezuschussen würden. Auch dies könnte Irsching helfen. Die Bundesregierung zeigt dafür aber bislang wenig Gegenliebe.

„Wir haben die Meldungen zur Kenntnis genommen, wonach das Gaskraftwerk Irsching (Blocke 4 und 5) stillgelegt werden soll“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Bisher sei dies jedoch weder beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet (IPO-TTH.AS) noch bei der Bundesnetzagentur angemeldet worden. Dies müsste mindestens ein Jahr vor der geplanten Stilllegung geschehen. „Der Vorgang zeigt aber die Bedeutung des Netzausbaus“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Gegen den Bau großer Trassen, die den Windstrom aus Norddeutschland nach Süddeutschland bringen soll, sperrt sich die bayerische Landesregierung.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zum Handeln auf. „Es ist geradezu ein Treppenwitz, dass wegen der noch nicht getroffenen Entscheidungen, unter welchen Bedingungen konventionelle Kraftwerke weiterbetrieben werden sollen, jetzt das modernste Gaskraftwerk Europas stillgelegt werden soll, damit alte Kohlekraftwerke weiterlaufen können“ sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio. „Das ist ein Treppenwitz.“ Er fordere Gabriel auf, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen, wie es mit den konventionellen Kraftwerken in Deutschland weitergeht.

In Süddeutschland stehen diverse Kernkraftwerke, die im Zuge des Atomausstiegs bis 2022 abgeschaltet werden. Schon jetzt ist die Versorgungslage südlich des Mains zu bestimmten Zeiten angespannt. Auch deswegen hatte die Bundesnetzagentur dem Karlsruher Versorger EnBW die geplante Stilllegung mehrerer Kraftwerke untersagt. Bei Behörde stapeln sich rund 50 Anträge auf die Stilllegung von Anlagen in ganz Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Irsching: Eon und Partner wollen hochmodernes Gaskraftwerk stilllegen"

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  • @Max Mustermann
    So ein grüner ideologischer Schwachsinn (Lüge) was Sie da verbreiten!
    Es liegt an der Energiewende bzw. an diesen marktfeindlichen, asozialen und perfiden politischen EEG (Zwangs-AbgabenSubventionsgesetz), dass die Gaskraftwerke nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können und nicht an einen EON; RWE oder ENBW Konzern. Diesen Konzernen kann man nur eines vorwerfen, dass diese sich nicht massiv gegen dieses markt-Wettbewerbsfeindliche und Volkswertvernichtende EEG=Energiewende gestellt haben und mit der ideologischen grünen Energiewendepolitik segeln. Danke!

  • Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energiewende), dann der Betrug/Selbstbetrug (EEG), danach folgt der Mangel (Energieeinsparzwang) und zum Schluss die Armut (Zerstörung der Volkswirtschaft).

  • Die Stillegung muss von der BNetzA genehmigt werden und diese Genehmigung wird generell für kein Kraftwerk in Süddeutschland erteilt weil sonst dort das Netz zusammenbricht. Leider hat es Fr. Dr. Merkl noch nicht geschafft per Gesetz zu regeln dass in dort die Sonne und der Wind mind. 25h täglich ihren Beitrag leisten.gestz

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