Energie

Jahresauftakt
Nachfrage nach Solaranlagen sinkt

Vielen Solarfirmen geht es schon jetzt schlecht. Nun bricht auch noch in der Heimat die Nachfrage nach Anlagen ein. Grund sind nicht zuletzt die drastischen Förderkürzungen in Deutschland. Nun führt der Weg ins Ausland.
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DüsseldorfDie vom Preisverfall an den Rand des Ruins getriebenen Solarfirmen wie Solarworld und Centrosolar müssen nun auch noch einen Nachfrageinbruch auf dem Heimatmarkt verkraften. In den ersten drei Monaten wurden nur noch Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt nach 200 MW im Vorjahr, wie die Bundesnetzagentur am Dienstag mitteilte.

Vor Jahresfrist hatten anstehende Förderkürzungen noch einen Nachfrageboom ausgelöst und im Gesamtjahr zu einem Rekordzubau von 7,9 Gigawatt (GW) geführt. Drastische Förderkürzungen bremsen nun den Zubau in Deutschland - dem bislang größten Solarmarkt weltweit.

Solarworld-Chef Frank Asbeck stellt sich denn auch auf ein weiteres schwieriges Jahr für die Solarindustrie ein. Um Umsatz und Absatz dennoch zu steigern, plane er daher die Auslandsexpansion voranzutreiben, kündigte er am Dienstag an. Allerdings muss Asbeck zunächst zur Rettung der Firma die Gläubiger zur Kasse bitten. Sie sollen auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen.

Dazu soll eine außerordentliche Hauptversammlung einen Kapitalschnitt um 95 Prozent beschließen. Die anschließend neu ausgegebenen Aktien gehen an die Gläubiger. Die Altaktionäre verlieren den größten Teil ihrer Solarworld-Anteile.

Trotz des Rückgangs zum Jahresbeginn wird die Solarstrom-Vergütung aber zusätzlich gekappt, da die Menge der Neuinstallationen im Zeitraum Juli 2012 bis März 2013 mit 3900 MW stärker als im Erneuerbaren Energiengesetz (EEG) vorgesehen stieg. Von Mai bis Juli 2013 wird daher die Vergütung monatlich um zusätzliche 0,8 Prozentpunkte sinken und damit um insgesamt 1,8 Prozent. Besitzer kleiner Dachanlagen bekommen damit noch rund 15 Cent pro Kilowattstunde (KW) für ihren Solarstrom. Haushaltskunden zahlen inzwischen mehr als 25 Cent.

Nach monatelangen Diskussionen hatte sich die Politik im vergangenen Jahr auf zum Teil drastische Subventionskürzungen geeinigt. Ziel ist es, den rasanten Zubau und damit die Kosten für die Stromverbraucher zu begrenzen, die über eine Umlage an den Kosten beteiligt werden. Die Novelle des EEG sieht unter anderem vor, die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen monatlich automatisch um ein Prozent zu senken. Sie wird aber zusätzlich reduziert, wenn sich der Zubau oberhalb des Korridors von 2,5 bis 3,5 Gigawatt (GW) pro Jahr bewegt.

2012 waren in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 7,9 GW installiert worden. Die Industrie kann von diesem Rekord indes nicht profitieren, da der Preisverfall die Firmen in die roten Zahlen und häufig auch in die Pleite treibt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Jahresauftakt: Nachfrage nach Solaranlagen sinkt"

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  • Ich verstehe den ersten Satz nicht: "In den ersten drei Monaten wurden nur noch Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt nach 200 MW im Vorjahr..." Wo ist da der Nachfrageinbruch, wenn die installierte Leistung angeblich vier Mal so hoch ist wieim Vorjahr? tarik.tell@email.de

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