Energie

Johannes Teyssen
Eon-Chef fordert Reform der Energiewende

Johannes Teyssen glaubt, dass die Energiewende der Umwelt mehr schadet als nutzt. Unter anderem fordert er, dass sich der Ökostrom ebenso im freien Markt behaupten müsse wie andere Energiequellen.
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DüsseldorfE.ON -Chef Johannes Teyssen hat der Politik bei der Umsetzung der Energiewende ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und umgehende Reformen angemahnt. "Wir stehen vor einer Struktur, in der die Hauptziele der Energie-Politik verfehlt werden", sagte Teyssen am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der IHK und des Industrie-Clubs Düsseldorf. Die Energiewende habe zu steigenden Preisen, weniger Versorgungssicherheit und zu einem wachsenden Ausstoß des Klimagases CO2 geführt. Die Energiewende führe dazu, dass die erneuerbaren Energien Strom aus modernen Gaskraftwerken verdrängten und die Kohle Energie aus Atomkraftwerken.

Nach der Bundestagswahl im September werde es "ziemlich heftige Debatten" über die künftige Energiepolitik geben - denn "so wie bisher können wir nicht weiterfahren", sagte Teyssen. Die Versorgungssicherheit sei durch die Energiewende gesunken. Die Netzbetreiber müssten anders als in der Vergangenheit mehrfach täglich eingreifen, um die Versorgung zu sichern. Der E.ON-Chef beklagte eine "Über-Förderung" der erneuerbaren Energien. Der Ökostrom müsse "raus aus der Kuschelecke und rein in den Markt".

RWE, Eon und EnBW im Wettbewerbsvergleich

Wo die Energie herkommt

Anteil an der Stromerzeugung, in Prozent

Teyssen verwies auch auf die Bedeutung der Energiepreise im internationalen Wettbewerb. Die USA drückten durch die Produktion von Gas aus Schiefergestein - das in Deutschland umstrittene Fracking - ihre Energiekosten und kurbelten ihr Wachstum an. Erdgas, auch ein Grundstoff für die chemische Industrie, sei in Deutschland etwa drei Mal teurer als in den USA. Fracking dürfe nicht "vorsorglich verteufelt" werden. E.ON selbst wolle die Technik aber nicht anwenden. Mit einer Rückkehr zur Atomkraft rechnet Teyssen nicht. Doch übte er erneut Kritik an den Beschlüssen zum beschleunigten Atomausstieg. Auch habe die Bundesregierung sich bei den Ausstiegsbeschlüssen zu wenig mit den europäischen Partnern abgesprochen.

Zwei Jahre nach dem beschleunigten Atomausstieg hadert E.ON weiterhin mit der Energiewende. Die Verdrängung der konventionellen Kraftwerke durch den vorrangig eingespeisten Ökostrom und die gefallenen Strom-Großhandelpreise drücken auf die Gewinne. Der E.ON-Chef will angesichts der Schwächen im Heimatmarkt das Wachstum in der Ferne vorantreiben. Brasilien, Russland und die Türkei seien für E.ON Wachstumsmärkte, sagte Teyssen. Allein in der Türkei habe der Konzern bereits neun Millionen Kunden. Insgesamt stehe E.ON aber weiter ein "ziemlich schwerer Ritt über ziemlich schweren Untergrund" bevor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @David_Chang
    "Die plötzliche Energiewende sollte der Anfang von Umstrukturierungen sein die eh längst fällig waren"

    Wer entweder von Projektplanungen oder Energieerzeugung im Detail keine Ahnung hat, sollte doch einfach mal still sein. Wenn man überlegt in welchem Ausmaß gefeiert wird, daß ALLE erneuerbaren Energien zusammen nun an der Leistungserzeugung der AKWs vorbeigezogen sind, ohne zu refklektieren, daß von 22% 6-8% von jeher durch Wasserenergie erzeugt wurden, zudem die bereits entstandenen Flurschäden durch die 'umweltfreundlichen Energien', die Kalkkulationen bei Solarenergie auf 20 Jahre berechnet sind, diese meist schon nach ca. 10 Jahren reparaturbedürftig sind, daß jeglichen Studie von Fraunhofer zu diesem Thema in der Prämisse außer Acht lassen, daß es zu Stromausfällen kommen kann.

    Also wir wollen also CO2 mindern, AKWs abschalten, Wasserenergie können wir nicht erhöhen:

    Das bedeutet - wir müssten die aktuell 14% Energie aus Sonnen, Wind und Bioenergie ca. ver-6-fachen, also 6 mal soviele Windkraftwerke, 6 mal soviele Biokraftwerke, 6 mal soviele Sonnenkraftwerke, ok - rechnen wir mit höherer Effektivität mit nur dem 5-fachen ..

    Zusätzlich rechnen wir bei 100% erneuerbaren Energien mit Energiespeichern und schnell anfahrenden Gaskraftwerken mit denselben Investitionskosten ..
    Rechnen wir hier nur mit einem Faktor 3, da nicht komplett die Sonne weg ist (außer vielleicht im Winter - nur ca. 6 Stunden bei niedrigerer Ausbeute am Tage) und auch nicht gleichzeitig der Wind weg .. nachts im Winter ..

    Wir reden also im vergleich zu heute mit Investitionskosten, die Verhältnis von ca. 7-9:1 zu den heutigen Kosten der erneuerbaren Energien ..

    Tut mir leid - das kann einfach nicht funktionieren:
    der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist der, daß es eben in der Praxis einen gibt.

    So schön wie erneuerbare Energien sind, die werden auch kommen, aber bitte liebe Leute, nehmt diesen bescheuerten Druck raus .. und lasst uns die Sache ordentlich machen.

  • Je stärker der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wird, desto überflüssiger werden konvetionelle Kraftwerke. Deshalb wollte E.ON sogar in Bayern völlig moderne Gaskraftwerke zumachen, die nun subventioniert werden müssen, weil sie für die Abdeckung von Spitzenlasten und bei Windflaute absolut notwendig sind und deshalb eine sinnvolle Integration erneuerbarer Energie überhaupt ermöglichen. An Stelle von Herrn Teyssen würde ich sogar vor das Europäische Gericht gehen und gegen Deutschland klagen. E.ON hat nun mal konvetionelle Kraftwerke und wenn die Drecks-EU so den freien Stromhandel und Wettbewerb propagiert, dann muss sie auch sicherstellen, dass E.ON diskriminierungsfrei Strom zu seinem Kunden liefern kann. Wenn der Kunde, egal ob im In- oder Ausland den Strom aus konvetionellen Energie haben will, muss E.ON die Möglichkeit haben, ihm diesen Strom zu liefern und nicht EEG Vorrang lassen. Nebeneffekt: völlig überdimensionierte Netze, die EEG-Strom abtransportieren und den Strom aus konvetionellen Kraftwerken auch noch durchleiten. Weil nun zu einem bestimmten Zeitpunkt keiner den EEG-Strom abnehmen kann, gibt es die Rache des "Merit-Orders", der den Preis auf 0 EUR kaputtmacht. Oder der Strom wird noch ins Ausland gegen Prämie verschenkt. Die Quittung: steigende EEG-Umlage als Beweis vekokster Politik von Merkl & Co. In den 20er Jahren gab es in Deutschland auch eine Art "Energiewende", nämlich der Übergang zu Großversorgung, die damals vor allem der Industrie erhebliche Vorteile brachte. Aber die Politiker der Weimarer Zeit hatten zumindest in Sachen Energie nicht dumm gequatscht und tausende sinnlose Gesetze erlassen und auf Teufel kommt raus reguliert, sondern sie hatten den Umbau in eigene Hände genommen. Ergebnis: staatliche Großwerke wie PreußenElektra, Bayernwerk, Elektrowerke ect.

  • Freilich da sei ein Argument zusammenhanglos in den Raum gestellt. Das Problem ist bisher immer noch die starke Fluktuation in der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen. Dies dürfte sich jedoch bald ändern denn die Dezentralisierung ist bereits im vollen Gange. Ebenso wie die Telekom müssen auch nun klassische Energieversorger umdecken und sich hin zu einem Technologie Dienstleitungsunternehmen entwickeln. Außerdem gibt es enormes Potential in der Optimierung der Energieeffizienz in der Industrie. Die plötzliche Energiewende sollte der Anfang von Umstrukturierungen sein die eh längst fällig waren. Grüße aus München

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