Energie

Jülicher Entsorgungsgesellschaft
Mitarbeiter soll Unterlagen für Atomanlagen frisiert haben

In kerntechnischen Anlagen darf man nur nach einer Sicherheitsprüfung arbeiten. In Jülich soll ein Mitarbeiter solche Unterlagen über mehrere Jahre manipuliert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.  
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DüsseldorfDie Arbeit in kerntechnischen Anlagen ist sensibel. Sie unterliegt strengen Sicherheitsauflagen. Per Gesetz dürften Mitarbeiter nur Zugang haben, wenn sie zuvor eine Zuverlässigkeitsüberprüfung durch die Sicherheitsbehörden bestanden haben. In mehreren Fällen war das aber offenbar ohne die Prüfung möglich. Entsprechende Unterlagen wurden sogar bewusst manipuliert. Das räumte die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) am Vormittag in einer Presserklärung ein.

„Bei einer JEN-internen Überprüfung von Unterlagen zur Zuverlässigkeitsüberprüfung wurden Manipulationen entdeckt“, heißt es in der Stellungnahme: „In der Konsequenz galten Personen demnach formal als zuverlässigkeitsüberprüft, obwohl eine Überprüfung seitens der Sicherheitsbehörden nicht stattgefunden hat.“ Das Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen als zuständige atomrechtliche Aufsichtsbehörde ist informiert. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt.

Die JEN wurde 2015 am Standort der Kernforschungsanlage in Jülich als Kompetenzzentrum für die Stilllegung und den Abbau nuklearer Altlasten und deren Entsorgung gegründet. Die rund 340 Mitarbeiter des JEN sollen sich zwar vor allem um „die Beseitigung der nuklearen Altlasten aus der öffentlich betriebenen kerntechnischen Forschung und Entwicklung in Jülich“ kümmern. Das Kompetenzzentrum steht aber auch für Dritte zur Verfügung. Personen, die in Jülich überprüft werden, können bundesweit Zugang zu Atomkraftwerken und Zwischenlagern erhalten. Die JEN wird vom Bundesbildungsministerium und vom Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalens finanziert.

„Nukleare Einrichtungen gelten sicherheitstechnisch als besonders sensible Bereiche“, räumte die JEN zu Beginn ihrer Presseerklärung selbst ein. Erste Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die Manipulationen innerhalb der JEN vorgenommen wurden. Der für Zuverlässigkeitsüberprüfungen verantwortliche Mitarbeiter sei daraufhin vom Dienst freigestellt worden. Gegen ihn wurde eine Anzeige erstattet.

Derzeit wird untersucht, wie umfangreich die Manipulationen sind. „Bislang konnten in 13 Fällen Manipulationen an Unterlagen festgestellt werden“ hieß es. „Sicherheitsrelevante Auswirkungen“ seien bislang aber nicht erkennbar. Ein „terroristischer Hintergrund“ könne „nach derzeitigem Erkenntnisstand ausgeschlossen werden“.

Wegen des Vorfalls wird derzeit niemand in eine kerntechnische Anlage – ein Atomkraft oder ein Lager für nukleare Abfälle – gelassen, dessen Sicherheitsüberprüfung aus Jülich stammt. Üblicherweise muss sich jeder Mitarbeiter in Atomanlagen alle fünf Jahre einer solchen Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Dabei werden unter anderem ei den Landeskriminalämtern und Verfassungsschutzbehörden  Auskünfte eingeholt.

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