Energie

Juwi-Gründer
Auch Fred Jung tritt ab

Vor einer Woche war Fred Jung noch die gefeierte Integrationsfigur bei Juwi. Nun ist klar: Der Gründer des Windparkbauers wechselt vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Der neue Eigentümer, MVV Energie, besetzt den Chefposten mit einem eigenen Mann.

DüsseldorfEr lud die Belegschaft zum Gottesdienst in die Kantine, ließ einen Andachtsraum auf dem Firmengelände errichten und nutze auch sonst jede Gelegenheit, um Ungläubige davon zu überzeugen, welch Wunder man in einer Freikirche erfahren kann. Fred Jung zählt zweifelsfrei zu einem seltenen Typus von Manager. Nur zähneknirschend soll es der als streng religiöse geltende Jung hingenommen haben, dass ausgerechnet sein Kompagnon Matthias Willenbacher binnen weniger Jahre mehrere Freundinnen hatte.

Jung und Willenbacher hatten mit Juwi 1996 den später führenden Wind- und Solarparkbauer Deutschlands gegründet. Der Firmenname setzt sich aus den beiden Anfangsbuchstaben der Nachnahmen des ungleichen Duos zusammen. Jahrelang waren Jung und Willenbacher die Stars der Ökobranche. Jetzt haben beide in ihrem Unternehmen praktisch nichts mehr zu sagen. 

Nachdem Willenbacher bereits im April aus dem Juwi-Vorstand ausschied, geht zum kommenden Sommer auch Fred Jung. Dabei galt der 45-Jährige bis vor einer Woche noch als wichtige Integrationsfigur. Wohl auch deshalb bleibt er Juwi pro forma noch erhalten. Er wechselt in den Aufsichtsrat, wie das Kontrollgremium des Windparkbauers in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat.

Sein Nachfolger kommt schon in wenigen Wochen: Michael Class, 48, arbeitet derzeit noch bei Juwis Mutterkonzern MVV. Mitte Januar wechselt er in den Vorstand des Wörrstädter Unternehmens.

„Nach drei Jahren des Umbruchs ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, diesen Schritt zu gehen“, erklärte Jung in einer Pressemitteilung. Nachsatz: „Als Christ bespreche ich wesentliche Entscheidungen mit meinem Gott. So ist bereits Anfang 2013 der Entschluss gefallen, mich nach rund 20 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen.“

Ganz so freiwillig dürfte Jung die Entscheidung aber nicht getroffen haben. Denn seit Ende 2014 bestimmt der Stadtwerkekonzern MVV Energie, wo es bei dem Projektentwickler von Wind- und Solarparks langgeht. Für rund hundert Millionen Euro erwarb der Mannheimer Energieversorger die Mehrheit an Juwi und rettete die Firma vor der Pleite. Im August mussten die Mannheimer noch einmal 70 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung nachschießen, weil die Geschäfte weiter miserabel liefen.

Von Januar bis Ende September häufte Juwi 2015 einen Verlust von fast 32 Millionen Euro an. Und auch davor führten Jung und Willenbacher ihr Unternehmen von einem katastrophalen Quartal zum nächsten. Allein 2014 stand am Ende ein Minus von 112 Millionen Euro in den Büchern. Bezahlen ließen sich die Juwi-Chefs allerdings fürstlich. Gut 3,3 Millionen Euro strich die dreiköpfige Juwi-Spitze 2014 ein. Jung und Willenbacher sollen ein jährliches Fixum von je einer Million Euro bezogen haben. MVV-Vorstandschef Georg Müller kam zuletzt auf gut 800.000 Euro.

Diese Zeiten sind vorbei. Der Stadtwerkekonzern MVV Energie will mit Juwi den Neuanfang wagen und bereits Ende des Jahres wieder schwarze Zahlen schreiben. Die beiden Unternehmens-Gründer spielen bei diesem Vorhaben keine Rolle mehr.

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