Energie

Juwi-Gründer vor Gericht
Showdown in Meiningen

Windkraftpionier auf der Anklagebank: Der Korruptionsprozess gegen Matthias Willenbacher steht vor dem Abschluss. An diesem Mittwoch soll das Urteil fallen. Am Ende könnte ein skurriles Ergebnis stehen.

Sechs Mal fuhr Matthias Willenbacher schon auf dem grauen Kopfsteinpflaster vor. Sagte an der Glastür seinen Namen. Legte seine Sachen in die Plastikwanne an der Sicherheitsschleuse und ließ sie durchleuchten. Dann stieg er die Treppenstufen zum ersten Stock empor und ging an den hellen Holzbänken vorbei in den Gerichtssaal. An diesem Mittwoch wird er all das wohl zum letzten Mal tun. Zumindest hier am Landgericht Meiningen, tief im Süden von Thüringen.

Der Korruptionsprozess gegen Willenbacher, den Mitgründer und Ex-Vorstand von Deutschlands zweitgrößtem Windparkbauer Juwi, steht vor dem Abschluss. Wie ein Sprecher des Gerichts dem Handelsblatt bestätigte, seien an diesem Mittwoch sowohl die Plädoyers, also die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, wie auch das Urteil zu erwarten. Prozessbeobachter rechnen mit keiner harten Strafe. Willenbacher, so stellt es sich dar, darf sogar auf einen Freispruch hoffen. Der Richter hatte an den vergangenen Verhandlungstagen mehrfach durchblicken lassen, dass er kein schweres Vergehen erkennt.

Das sieht die Staatsanwaltschaft Erfurt anders. Sie hat Willenbacher angeklagt, weil er einen Amtsträger in Eisenach bevorteilt haben soll. Im Kern geht es um einen Beratervertrag aus dem Jahr 2010, den Willenbacher als damaliger Vorstand der Juwi AG mit dem früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert (CDU) abgeschlossen hat. Köckerts Auftrag: „Betreuung verschiedener, relevanter politischer Entscheidungsträger“. Das Problem: Gegenstand der Vereinbarung sollen auch mögliche Amtshandlungen von Köckert in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister der Stadt Eisenach gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft sah darin eine unerlaubte Vorteilsgewährung von Willenbacher an Köckert - und klagte beide im Sommer 2013 an. Während der Ex-Innenminister bereits im Frühjahr 2015 vom Bundesgerichtshof für schuldig befunden wurde, hält sich der Unternehmer für unschuldig. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass Köckert in Eisenach Amtsträger war. Für die Strafverfolger ging es nun darum, dem Angeklagten das Gegenteil zu beweisen.

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