Energie

Kampf gegen Energiewende
Energieversorger droht mit Stromausfall

Es ist eine Drohgebärde der besonderen Art: Alle eigenen Kraftwerke will der nordrhein-westfälische Anbieter Enervie abschalten. Binnen 24 Stunden drohe dann ein Blackout in Südwestfalen, so der Vorstandschef.
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HagenAufstand in der Provinz: Wegen des drastischen Einbruchs der Strompreise hat der westfälische Energieversorger Enervie nur wenige Tage nach der Bundestagswahl seinen kompletten konventionellen Kraftwerkspark zur Stilllegung angemeldet. Es ist ein Schritt mit einigem Drohpotenzial. „Wenn wir unsere Kraftwerke nicht betreiben, gehen wir davon aus, dass Südwestfalen innerhalb von 24 Stunden einen Blackout erlebt“, sagte Enervie-Vorstand Ivo Grünhagen am Freitag.

Enervie ist keiner der großen Spieler auf dem Markt. Das Unternehmen, das zwölf kommunalen Gesellschaftern und RWE gehört, versorgt insgesamt 400 000 Kunden in Hagen und im Märkischen Kreis mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser. Die in Frage stehenden Kohle- und Gas-Kraftwerke haben eine Kapazität von gerade einmal 1300 Megawatt. Das entspricht der Leistung eines großen Kernkraftwerks.

Doch Enervie hat einen besonderen Trumpf in der Hand. Das Unternehmen betreibt ein sogenanntes „Inselnetz“, das nur mit einer Kupplungsstelle an die großen Überlandnetze angeschlossen ist. Deren Kapazität sei nicht groß genug, um einen Totalausfall der Enervie-Kraftwerke in der Region auszugleichen, sagt Grünhagen.

Trotzdem muss wohl niemand in Hagen und Umgebung damit rechnen, im Dunkeln zu sitzen. Denn die Anmeldung der Stilllegung bei der Bundesnetzagentur bedeutet nicht, dass sie auch wirklich vom Netz gehen. Die Bundesnetzagentur kann Stilllegungen untersagen, wenn die Kraftwerke systemrelevant sind. Die Betreiber bekommen dann aber eine Entschädigung dafür, dass sie die Anlagen betriebsbereit halten. Und genau darauf legt es Enervie wohl auch an.

Enervie-Chef Grünhagen macht daraus auch gar keinen Hehl. „Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich 30 Millionen Euro Verlust in der Erzeugung machen“, sagt Grünhagen. Das hochmoderne Gaskraftwerk des Unternehmens habe wegen des großen Angebots erneuerbarer Energien gerade vier Monate am Stück stillgestanden. Das könne sich das Unternehmen auf Dauer nicht leisten. Er betont, Enervie habe die Bundesnetzagentur schon im Vorfeld über den geplanten Schritt unterrichtet und hoffe bis Ende des Jahres mit der Aufsichtsbehörde eine Lösung zu finden.

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  • @DreiMilliardenElektronen Im Prinzip richtig. Ein Smart Meter hat das Potenzial, den Markt dynamischer zu machen. Angebot&Nachfrage werden dann viel schneller reagieren koennen als in der bisherigen Situation, wo jeder einen Jahresvertrag hat mit konstanten Preisen, und nach 1 oder 2 Jahren vielleicht einmal wechselt.
    Die wichtige Frage dabei ist nur, ob uns die Politiker dieses bischen Marktwirtschaft goennen, oder ob sie uns weiterhin zwingen, Oekostrom zu kaufen. Meine erste Handlung nach Installation des Smart Meter wuerde naemlich sein, nur noch 100% Atomstrom aus Frankreich zu beziehen!

  • Ich glaube Sie haben herings Hinweis falsch aufgefasst. Wie es kommt, dass Sie sich freuen, konnte man sich schon ungefähr denken. Die Frage lautete deshalb: Was haben Sie davon? Die Energiewende ist beschlossene Sache und dass sie kommen wird, ist unumkehrbar. Es wäre nützlich, wenn ihre weitere Ausgestaltung und Umsetzung nach einem kohärenten Plan erfolgte. Mit "Kohärenz" meine ich, man muss den Gesamtzusammenhang beachten. Die Rohstoffpreise sind Weltmarktpreise, doch ihr Zustandekommen hat mit dem freien Spiel der Kräfte wenig zu tun. Dazu muss man nur an die OPEC, an Goldman Sachs oder Präsident Putin erinnern. Die Aussicht, dass Deutschlands Stromerzeugung in absehbarer Zukunft aus 30% erneuerbaren Energien betrieben werden könnte, ist eine schöne Aussicht - wegen der größeren Unabhängigkeit von diesen Herrschaften. Wünschenswert wäre allerdings auch, dass auf diesen Weltmärkten starke deutsche Energiekonzerne auftreten. Denn Herr EON oder Frau RWE können mit Herrn Putin über Mengen und Preise für Gaslieferungen mit ganz anderem Gewicht verhandeln, als ich das könnte, der kleine Endverbraucher. Die Preise, die ich zahle, sind staatlich genehmigt und im Grunde genommen festgelegt, nachdem sie mit Rücksicht auf die Produktionskosten und Gewinnmargen für Neuinvestitionen berechnet und angemeldet wurden. Mein Einfluss auf den Markt und die Preisgestaltung ist minimal. Der Haushalt, den ich bewohne, hat in den letzten 10 Jahren seinen Energieverbrauch um 25% gesenkt, die Kosten aber sind um, ich glaube, mehr als 30% gestiegen. Mein Nachbar ist ein alter Stadtwerker, schon einige Zeit arbeitslos. Ihm ist der Strom abgestellt worden. Was er nötigt hatte, hat er sich bei mir geklaut. Keine erfundene Geschichte, sondern so spielt das Leben. Man muss von den Einzelheiten aufs Ganze blicken und bei der Planung berücksichtigen, wenn es mit der Energiewende was werden soll. Auch eine grüne Kanzlerin müsste das im Blick haben.

  • Ja, wird Zeit, dass man Strom nur noch im Jetzt kaufen kann und nicht in der Zukunft! Smart-Grid mit Börsenfunktion muss her!

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