Energie

Klimawandel
Big Oil im grünen Mantel

Zehn große Ölkonzerne stellen sich öffentlich hinter das Zwei-Grad-Ziel zur Begrenzung des Klimawandels. Doch die Gruppe steht im Verdacht, vor allem „Greenwashing“ zu betreiben. Dafür gibt es klare Hinweise.
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ParisDie Klimakonferenz in Paris rückt näher. Das spüren auch die großen erdölproduzierenden Unternehmen der Welt. Der öffentliche Druck auf Konzerne, die viele Klimagifte erzeugen, nimmt zu. Zehn von ihnen haben sich am Freitag in Paris getroffen, um zu unterstreichen, dass auch Ihnen der Klimawandel nicht gleichgültig sei. „Das könnte ein historischer Moment sein“, sagte BP-Chef Bob Dudley, der mit sieben weiteren CEOs vor die Presse trat. „Wir unterstützen die Schaffung eines klaren politischen Rahmenabkommens, das mit der Erreichung des 2-Grad-Ziels für den Klimawandel kompatibel ist.“ erläuterte der BP-Mann.

Die zehn Unternehmen verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich für ein Rahmenabkommen aussprechen. Das würde es ihnen „erleichtern, auf der Grundlage klarer Informationen unsere Entscheidungen über Investitionen zu treffen und unseren Beitrag dazu zu leisten, den Klimawandel zu begrenzen.“ Die Konzerne sagen darüber hinaus zu, sie würden bei Forschung und Entwicklung, bei der Speichertechnik für Kohlendioxid und bei der Förderung eines Energiemixes mit mehr Gas zusammenarbeiten.

Zu der „Oil and Gas Climate Initiative“, die Ende 2014 gegründet wurde, zählen die britische BG Group, BP, die italienische Eni, Pemex aus Mexiko, die indische Reliance Industries, Repsol aus Spanien, Saudi Aramco, Royal Dutch Shell, Statoil und die französische Total. Zusammen stehen sie für rund ein Fünftel der weltweiten Förderung von Öl und Gas. Prominente Abwesende sind alle US-Konzerne wie Exxon Mobil, Conoco Phillips und Chevron, die Russen, Brasilianer und Chinesen. Sie sind noch nicht dazu bereit, ihre Unterschrift unter das mittlerweile weltweit anerkannte 2-Grad-Ziel zu setzen.

Doch auch die Zehnergruppe steht im Verdacht, vor allem „Greenwashing“ zu betreiben, sich also ein grünes Mäntelchen umzuhängen. So fehlt etwa eine klare Aussage zum „Carbon Pricing“, also der Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen, um diese zu reduzieren.

Als einziger aus der Gruppe sprach der Norweger Eldar Sætre von Statoil Klartext: „Es gibt Gegensätze in unserer Gruppe, Carbon Pricing ist wohl das schwierigste Dilemma.“ Die Haltungen stimmten nicht überein, aber immerhin sei die gemeinsame Erklärung auch „nicht inkonsistent“ mit dem Ansatz der Bepreisung.

Tatsächlich sind die Interessen und Strategien sehr heterogen. Alle zehn sind dafür, vor allem den Einsatz von Kohle zu verringern. Doch nur ganz wenige haben sich verpflichtet, aus der Förderung und Verbrennung von Kohle auszusteigen. „Wir können gemeinsam ein Ziel unterstützen, aber da wir in einem harten internationalen Wettbewerb stehen, können Sie von uns keine gemeinsame Strategie erwarten“, meinte Dudley. Gerade bei Kohle bekommen die großen Energieunternehmen mittlerweile spürbaren Druck, der nicht nur von der öffentlichen Meinung ausgeht, sondern auch von den Finanzinstitutionen.

Am Donnerstag erklärte die große französische Investmentbank Natixis, sie werde in Zukunft keine Kohleprojekte mehr finanzieren. Ähnliche Zusagen gab es in den vergangenen Tagen und Wochen von verschiedenen großen Banken. Hinzu kommen die Versicherungsunternehmen, die wie etwa Axa bereits vor Monaten erklärt haben, sie würden sich von ihren Aktien von Kohleunternehmen trennen, die im eigenen Portfolio halten.

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Klare Verpflichtungen fehlen

Kommentare zu " Klimawandel: Big Oil im grünen Mantel"

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  • Sie sollten mal 14 Tage Urlaub in der größeren Houston Gegend verbringen dann würden Sie in Zukunft nicht mehr so schreiben. Viel Spaß bei Mineralölgestank ohne Ende!

  • "Was spräche dagegen den Ökolobbyismus zu thematisieren?"

    Nichts spräche dagegen, gar nichts.

    Je lebhafter die Diskussion und je intensiver der Austausch der Argumente (und insbesondere der Fakten, auf die diese gestützt werden, nebst transparenter Angabe von deren Quellen versteht sich (die Quellen der angeblichen oder tatsächlichen Fakten), desto besser.

    Hauptsache, die Öffentlichkeit wird in die Lage versetzt, solche Diskussionen zu verfolgen.

  • Solche Kommentare grenzen schon an Öko-Populismus! Da werden Erdölunternehmen indirekt beschuldigt die Umwelt mit CO2 und anderen sogenannten Umweltgiften zu vergiften. Nicht Shell, Eni usw, usw produzieren das CO2 und ander "Umwelgifte", sondern Verbraucher, Menschen, unter Anderen auch die Öko-Kritiker die eine warme Wohnung wollen und und zu ihren Kritiksitzungen bequem im Auto fahren oder im Flugzeug fliegen.

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