Energie

Kohlefaser-Spezialist

SGL Carbon kappt erneut die Jahresprognose

Eigentlich beliefert das Wiesbadener Unternehmen SGL Carbon mit der Windkraftbranche einen Zukunftsmarkt. Doch die Nachfrage ist flau, zudem hängt SGL ein Boeing-Deal nach. Die düsteren Aussichten drücken die Stimmung.
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Wer von der Energiewende profitiert
Roesler warnt vor steigenden Strompreisen
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Laut einer aktuellen Studie des BDI wird das deutsche Umsatzpotenzial im Weltmarkt für Energietechnologie weiter steigen. Demnach wird der Umsatz von rund 42 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf rund 60 Milliarden Euro im Jahr 2020 wachsen – ein Plus von nahezu 40 Prozent.

Regierung will Stromengpass per Gesetz verhindern
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Kabelindustrie

Einer der wichtigsten Profiteure der Energiewende ist die Kabelindustrie. Denn der Strom kann nicht wie vor dem Atomausstieg dort produziert werden, wo er gebraucht wird. Vielmehr ist nun entscheidend, an welchem Standort die Bedingungen am besten sind. Um den Strom etwa aus Windkraftanlagen auf dem Meer zu transportieren, müssen die Stromnetze ausgebaut werden.

Dem Plan der Regierung zufolge müssen bis 2022 rund 1.700 Kilometer lange Starkstromleitungen neu errichtet werden. Laut Analyse der Deutschen Energieagentur Dena fehlen bis zum Jahr 2020 allein in Deutschland sogar 3600 Kilometer Hochspannungsleitungen; ihr Bau würde der Berechnung zufolge fast zehn Milliarden Euro kosten.

Herbst-Pk Bundesverband deutscher Banken (BDB)
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Banken

Um die Energiewende und die Klimaziele der Bundesregierung bewältigen zu können, müssen in Deutschland in den nächsten Jahren mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr investiert werden, hat das Forschungsinstitut der Deutschen Bank ausgerechnet. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, konventionellen Kraftwerke, Übertragungsnetze, Stromspeicher und alternativen Antrieb erfordert Milliarden-Kredite. Die Banken freut es. So finanzierte etwa die Deutsche Bank laut eigenen Angaben im Jahr 2011 Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien und "sauberen Technologien" im Wert von mehr als 2,1 Milliarden Euro.

Solaranlage auf Skihalle
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Chemieunternehmen

Auch viele Chemieunternehmen profitieren von der Energiewende. So stellt etwa das Münchner Unternehmen Wacker Silizium für den Bau von Solarmodulen her und ist unter den Marktführern weltweit. Aber auch kleinere Hersteller wie die bayrische RW Silicium profitieren vom Ausbau der Solarenergie.

Haus- und Wohnungsbau in Köln
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Baubranche

Wie das Handelsblatt Mitte des Jahres berichtete, rechnet auch die Baubranche bei einer konsequenten Umsetzung der Energiewende mit einem jährlichen Nachfrageimpuls von bis zu acht Prozent. Sieben Prozent entfallen dabei auf die energetische Sanierung im Gebäudebereich, ein Prozent auf zusätzliche Investitionen im Zusammenhang mit dem Umbau der Energieversorgung wie der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Übertragungsnetze und der Bau fossiler Kraftwerke.

Stadtwerke erhöhen Strompreise
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Stadtwerke

Die Energiewende kommt vor allem von unten. Viele Mini-Kraftwerke statt weniger großer Atommeiler – das ist die Richtung für die kommenden Jahre. Die kleinen Stadtwerke nutzen nun diesen Trend: Allein im vergangenen Jahr steigerten sie ihren Marktanteil von unter 10 auf fast 13 Prozent.

Bis 2020 wollen die sie einen Anteil von 20 Prozent haben. Rund 4400 Megawatt neue Stromerzeugungskapazität sind derzeit im Bau oder in Genehmigungsverfahren.

FrankfurtWeil das Kerngeschäft mit Grafitelektroden und Spezialgrafiten nach wie vor nicht anspringen will, streicht der Kohlefaser-Spezialist SGL Carbon erneut seine Jahresprognose zusammen. Die Anleger reagierten auf die trüben Aussichten am Freitag mit massiven Aktienverkäufen: Die SGL-Papiere stürzten im MDax zeitweise um knapp neun Prozent ab und markierten damit den tiefsten Stand seit Februar 2011.

Nicht nur, dass sich das schwache Geschäftsumfeld im April und Mai fortgesetzt habe, erklärte der Wiesbadener Konzern. Wegen der Abwertung des Yen habe sich zudem der Wettbewerb im Asiengeschäft in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Konzernchef Robert Koehler muss das Jahr nun komplett abhaken. In den Geschäftsfeldern Graphitelektroden und Graphitspezialitäten werde die erhoffte Geschäftserholung „weder im zweiten Quartal noch im zweiten Halbjahr 2013 erfolgen“, räumte er ein.

SGL will daher Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Ertragsschwäche zu überwinden. Es würden Restrukturierungen in sämtlichen Sparten des Konzerns geprüft, sagte ein Sprecher. Auch ein Personalabbau könne nicht ausgeschlossen werden. Bei Analysten kam die erneute Prognosesenkung nicht gut an: Die Senkung der Prognose sei erheblich, kommentierte Thorsten Strauß von der NordLB. „Die erhoffte Geschäftsbelebung ist offenbar noch in weiter Ferne.“

So gleißend wie diese Graphitelektroden sind die Zukunftsaussichten des Herstellers SGL Carbon eher nicht. Quelle: obs

So gleißend wie diese Graphitelektroden sind die Zukunftsaussichten des Herstellers SGL Carbon eher nicht.

(Foto: obs)

Der Zulieferer für die Stahl- und Automobilindustrie, an dem BMW und VW nennenswert beteiligt sind, erwartet 2012 jetzt einen Einbruch des operativen Gewinns, genannt Ebitda, von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. SGL hatte seine Prognose bereits im April deutlich heruntergeschraubt und zuletzt ein Minus von 20 bis 25 Prozent erwartet. Zuvor war Konzernchef Koehler noch von einem Ebitda-Rückgang um bis zu 15 Prozent ausgegangen. 2012 standen hier vor Wertberichtigungen 240 Millionen Euro zu Buche.

Das Ziel eines positiven Cash Flows in diesem Jahr werde nicht mehr geschafft, erklärte Koehler. Für das zweite Quartal erwartet der SGL-Chef nun einen operativen Gewinn leicht unter den 34 Millionen Euro des Auftaktquartals 2013. Im Vergleich zu den 55,6 Millionen Euro des zweiten Quartals im vergangenen Jahr ist das allerdings ein herbes Minus.

SGL stellt Grafitelektroden für Stahlhochöfen und Kathoden für die Aluminiumschmelze sowie Spezialgrafit-Produkte her. Darüber hinaus ist SGL im Geschäft mit Carbonfaser-Verbundwerkstoffen für die Autobranche, die Luftfahrtindustrie und Windenergie-Unternehmen aktiv. Zuletzt hatten dem Konzern hohe Abschreibungen auf Geschäfte mit dem Flugzeugbauer Boeing und die flaue Nachfrage nach Windrädern zu schaffen gemacht. SGL baut unter anderem Rotorblätter aus Carbonfasern. Auch im bisherigen Jahresverlauf verlief das Geschäft - den Automobilbereich ausgenommen - eher schwach. SGL stellte in seiner Carbonfasersparte CFC für das zweite Quartal weitere Wertberichtigungen von bis zu 150 Millionen Euro in Aussicht. Schon 2012 musste SGL 54,2 Millionen Euro im Faser-Geschäft abschreiben. Seinen Bericht zum zweiten Quartal will das Management am 8. August veröffentlichen.

  • rtr
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