Energie

Kohlefaser-Spezialist
SGL Carbon kappt erneut die Jahresprognose

Eigentlich beliefert das Wiesbadener Unternehmen SGL Carbon mit der Windkraftbranche einen Zukunftsmarkt. Doch die Nachfrage ist flau, zudem hängt SGL ein Boeing-Deal nach. Die düsteren Aussichten drücken die Stimmung.
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FrankfurtWeil das Kerngeschäft mit Grafitelektroden und Spezialgrafiten nach wie vor nicht anspringen will, streicht der Kohlefaser-Spezialist SGL Carbon erneut seine Jahresprognose zusammen. Die Anleger reagierten auf die trüben Aussichten am Freitag mit massiven Aktienverkäufen: Die SGL-Papiere stürzten im MDax zeitweise um knapp neun Prozent ab und markierten damit den tiefsten Stand seit Februar 2011.

Nicht nur, dass sich das schwache Geschäftsumfeld im April und Mai fortgesetzt habe, erklärte der Wiesbadener Konzern. Wegen der Abwertung des Yen habe sich zudem der Wettbewerb im Asiengeschäft in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Konzernchef Robert Koehler muss das Jahr nun komplett abhaken. In den Geschäftsfeldern Graphitelektroden und Graphitspezialitäten werde die erhoffte Geschäftserholung „weder im zweiten Quartal noch im zweiten Halbjahr 2013 erfolgen“, räumte er ein.

SGL will daher Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Ertragsschwäche zu überwinden. Es würden Restrukturierungen in sämtlichen Sparten des Konzerns geprüft, sagte ein Sprecher. Auch ein Personalabbau könne nicht ausgeschlossen werden. Bei Analysten kam die erneute Prognosesenkung nicht gut an: Die Senkung der Prognose sei erheblich, kommentierte Thorsten Strauß von der NordLB. „Die erhoffte Geschäftsbelebung ist offenbar noch in weiter Ferne.“

Der Zulieferer für die Stahl- und Automobilindustrie, an dem BMW und VW nennenswert beteiligt sind, erwartet 2012 jetzt einen Einbruch des operativen Gewinns, genannt Ebitda, von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. SGL hatte seine Prognose bereits im April deutlich heruntergeschraubt und zuletzt ein Minus von 20 bis 25 Prozent erwartet. Zuvor war Konzernchef Koehler noch von einem Ebitda-Rückgang um bis zu 15 Prozent ausgegangen. 2012 standen hier vor Wertberichtigungen 240 Millionen Euro zu Buche.

Das Ziel eines positiven Cash Flows in diesem Jahr werde nicht mehr geschafft, erklärte Koehler. Für das zweite Quartal erwartet der SGL-Chef nun einen operativen Gewinn leicht unter den 34 Millionen Euro des Auftaktquartals 2013. Im Vergleich zu den 55,6 Millionen Euro des zweiten Quartals im vergangenen Jahr ist das allerdings ein herbes Minus.

SGL stellt Grafitelektroden für Stahlhochöfen und Kathoden für die Aluminiumschmelze sowie Spezialgrafit-Produkte her. Darüber hinaus ist SGL im Geschäft mit Carbonfaser-Verbundwerkstoffen für die Autobranche, die Luftfahrtindustrie und Windenergie-Unternehmen aktiv. Zuletzt hatten dem Konzern hohe Abschreibungen auf Geschäfte mit dem Flugzeugbauer Boeing und die flaue Nachfrage nach Windrädern zu schaffen gemacht. SGL baut unter anderem Rotorblätter aus Carbonfasern. Auch im bisherigen Jahresverlauf verlief das Geschäft - den Automobilbereich ausgenommen - eher schwach. SGL stellte in seiner Carbonfasersparte CFC für das zweite Quartal weitere Wertberichtigungen von bis zu 150 Millionen Euro in Aussicht. Schon 2012 musste SGL 54,2 Millionen Euro im Faser-Geschäft abschreiben. Seinen Bericht zum zweiten Quartal will das Management am 8. August veröffentlichen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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