Energie

Kohlekraft in Tschechien
Das Ende der Dreckschleudern

Der Energieriese CEZ, der für das Braunkohlegeschäft von Vattenfall bietet, inszeniert sich als moderner Kraftwerksbetreiber. Doch die Atomkraft bleib ein Problem. Eine Reise durch das tschechische Kohlerevier.

LedviceDie Luft ist glasklar. Die Sonne scheint. Das eisige Winterwetter ist für die Präsentation des modernsten Kohlekraftwerkes Tschechiens im nordböhmischen Ledvice wie bestellt. Denn der Betreiber CEZ, Europas achtgrößter Energiekonzern, will zeigen: Wir können auch modern und umweltfreundlich Strom aus Braunkohle produzieren.

Pavel Cyrani, der sportliche CEZ-Vorstand für Unternehmensentwicklung, deutet auf der 135 Meter hohen Aussichtsplattform des Kraftwerks in Ledvice an diesem klaren Wintertag mit dem Finger in die Ferne. Dort sind die waldreichen Hänge des Erzgebirges leicht zu erkennen. Die gewaltigen Windräder künden von der nahen Grenze zu Deutschland, der Heimat der Energiewende. „Unser Kraftwerk in Ledvice ist das höchste industrielle Gebäude der Tschechischen Republik“, stellt der Manager stolz fest, der über gute Deutschkenntnisse verfügt. Es ist das Schaufenster der Tschechen.

Die Gründe für die Imageoffensive des börsennotierten Unternehmens liegen auf der Hand. CEZ will vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall dessen Braunkohleaktivitäten in Ostdeutschland mit derzeit noch 8000 Mitarbeitern erwerben. Es geht um Kraftwerke an vier Standorten sowie vier noch aktive Braunkohletagebaue. Zum Paket gehören noch zehn Wasserkraftwerke, um das Interesse der Bieter zu steigern. Der Verkaufsprozess befindet sich auf der Zielgeraden. Bis Ende des Monats läuft die Prüfung der Bücher. Verbindliche Angebote sollen Vattenfall bis 16. März vorliegen. Bis Mitte des Jahres soll eine Verkaufsentscheidung fallen.

Der Energieriese CEZ mit einer Marktkapitalisierung von knapp acht Milliarden Euro, der sich mehrheitlich in den Händen des tschechischen Staates befindet, legt sich mächtig ins Zeug, um in Deutschland, Europas größtem Energiemarkt, zum Zug zu kommen. Als harter Wettbewerber für CEZ gilt der ebenfalls in Prag beheimatete Energieriese EPH. Dessen Vorstandschef Daniel Kretinsky hatte bereits vor einem knappen Jahr seinen Hut in den Ring geworfen.

Die Luft in dem ansonsten tristen Kohlerevier ist an diesem Tag deshalb so großartig, weil Ledvice, eine gute Autostunde nördlich von Prag, noch gar nicht in Betrieb ist. Es soll erst in diesen Tagen hochgefahren werden. Aber auch danach soll die Luft in Nordböhmen einigermaßen sauber sein. Das verspricht zumindest CEZ.

„Ledvice verwendet wie das nahe deutsche Kraftwerk Boxberg die gleiche Technologie mit den besten Emissionsparametern und dem höchsten Wirkungsgrad“, beteuert Cyrani und lächelt zufrieden. Das Braunkohlekraftwerk Boxberg befindet sich im Besitz von Vattenfall. „Ledvice ist ein Zwilling von Boxberg.“ Der Wirkungsgrad der Kohleverbrennung wird nach Unternehmensangaben einen Wert von 42,5 Prozent erreichen.

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