Kommentar zu Klöckner & Co: Wettlauf mit der Zeit

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Kommentar zu Klöckner & Co
Wettlauf mit der Zeit

Der Stahlhändler Klöckner und Co schreibt einen Rekordverlust. Konzernchef Gisbert Rühl ist dabei, das Unternehmen ins digitale Zeitalter zu überführen. Doch er sollte sich beeilen. Ein Kommentar.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass sich die Zeiten des lagerhaltenden Stahlhandels dem Ende zuneigen, findet er sich in den gerade vorlegten Zahlen von Europas größtem unabhängigen Stahlhändler Klöckner & Co: Der Duisburger Traditionskonzern verkündete am Dienstag einen Rekordverlust von fast 350 Millionen Euro. Schuld daran sind vor allem die hohen Abschreibungen auf US-Tochterunternehmen, deren Wert Konzernchef Gisbert Rühl wegen der stark gesunkenen Stahlpreise deutlich nach unten korrigieren musste.

Nicht umsonst versucht Rühl seit geraumer Zeit, digitale Plattformen aufzubauen, um die Ware schneller umzuschlagen. Denn bislang wurden die Stahlprodukte so lange im Lager vorgehalten, bis sie irgendwann einen Käufer fanden. Fielen die Preise in der Zwischenzeit kräftig wie in den letzten Monaten, waren Abschreibungen auf den Wert der Bestände fällig.

Die Strategie Rühls ist richtig, denn ihm bleibt fast keine Alternative. Die Frage ist nur, ob er es rechtzeitig schafft, den mehr als 100 Jahre alten Konzern rechtzeitig ins digitale Zeitalter zu überführen. Denn die Kundschaft muss sich erst noch an die neuen Möglichkeiten gewöhnen – Stahlkunden gelten als eher traditionelle Einkäufer, die immer noch gern über Telefon und Faxgerät bestellen.

Gleichzeitig versuchen aber auch die Stahlkonzerne selbst, ihre Produkte über digitale Vertriebswege direkt an die Endkunden zu bringen. So baut die Thyssen-Krupp-Handelstochter Materials Services in mehreren Ländern digitale Plattformen auf, über die auch kleine Gewerbetreibende oder Handwerker Bleche oder Stahlprofile direkt vom Hersteller kaufen können.

Die Digitalisierung hat den Stahlhandel inzwischen voll erfasst. Für Klöckner-Chef Rühl ist es ein Wettlauf mit der Zeit. Für ihn geht es jetzt darum, möglichst schnell signifikante Umsätze aus den neuen digitalen Vertriebswegen zu erzielen, um die Gefahr weiterer Abschreibungen zu verringern. Viel Zeit hat er dabei nicht, weitere Rekordverlust kann sich Klöckner einfach nicht leisten.

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