Energie

Kommentar zum Alcoa-Umbau

Angst vorm hässlichen Entlein

Alles Unangenehme zuerst: Klaus Kleinfeld schließt ein Aluminiumwerk in den USA – und bereitet Alcoa für die Aufspaltung nach dem Sommer vor. Das lässt nichts Gutes hoffen für die Zahlen, die er am Montag präsentiert.
This April 7, 2014 photo shows the Alcoa logo in the lobby of the company's headquarters in Pittsburgh. A federal indictment unsealed Monday, May 19, 2014 says Alcoa and three other major manufacturing firms that are based or do much of their work in western Pennsylvania were hacked by five Chinese army officials who allegedly stole trade secrets and other proprietary or sensitive information. (AP Photo/Gene J. Puskar) Quelle: ap
This April 7, 2014 photo shows the Alcoa logo in the lobby of the company's headquarters in Pittsburgh. A federal indictment unsealed Monday, May 19,

This April 7, 2014 photo shows the Alcoa logo in the lobby of the company's headquarters in Pittsburgh. A federal indictment unsealed Monday, May 19, 2014 says Alcoa and three other major manufacturing firms that are based or do much of their work in western Pennsylvania were hacked by five Chinese army officials who allegedly stole trade secrets and other proprietary or sensitive information. (AP Photo/Gene J. Puskar)

(Foto: ap)

Auch wenn gerade erst Weihnachten war – bei Alcoa hat der Frühling angefangen. Es wird geschrubbt und geputzt, beim Aluminiumkonzern wird Klarschiff gemacht. Denn in der zweiten Jahreshälfte will Vorstandschef Klaus Kleinfeld das Unternehmen aufspalten: In einen reinen Aluminiumhersteller und in einen Spezialisten für High Tech-Materialien.

Die jetzt angekündigte Schließung von zwei Werken in den US-Bundesstaaten Indiana und Texas passt gut ins Bild. Wenn Alcoa sich in der zweiten Jahreshälfte aufteilt, droht der hässliche Entlein-Effekt. Schon ein flüchtiger Blick auf die beiden neuen Firmen zeigt, wer der schöne Schwan ist: Der tolle Spezialist für Materiallösungen, der beispielsweise intelligenten Schrauben für Flugzeuge oder superharten Leichtkarosserien für Pickups anbietet. In dem Geschäft winken schöne Wachstumsraten und hohe Gewinnmargen, die sich relativ frei von Konjunkturschwankungen erzielen lassen – weil die Kunden die Produkte händeringend brauchen. Kein Wunder, dass Kleinfeld künftig das bislang noch nicht benannte Geschäftsfeld leiten wird.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Ganz anderes liegen die Dinge beim restlichen Alcoa. Der reinrassige Aluminiumhersteller ist ganz und gar den Weltmarktpreisen ausgeliefert. Kleinfeld weiß: Nach der Aufspaltung muss Alcoa Aluminium mit möglichst niedrigen Kosten produzieren, um die Schwingungen an den Rohstoffmärkten aushalten zu können – und um Anleger zu überzeugen. Die erste Reaktion der Börse auf die Schließungen war positiv, der Kurs schnellte nach oben, um aber mit den schwachen Märkten wieder nachzulassen.

Langfristig sollte die Nachfrage nach Aluminium steigen. Ob in der Autoindustrie oder im Flugzeugbau, das leichte und vielseitige Metall findet neue Einsatzgebiete. Aber derzeit braucht die Welt weniger von dem Metall. Nicht nur kämpft Chinas Wirtschaft mit Problemen, auch wird dort zu viel Aluminium hergestellt. Neu sind die Überkapazitäten nicht, der Aluminiumpreis schwächelt schon seit einiger Zeit. In den vergangenen zwölf Monaten schloss Alcoa in Brasilien bereits ein Werk und schränkte die Produktion in einem anderen ein. Jetzt kommt Amerika dran. Trotz niedriger Energiepreise ist die Produktion dort zu teuer.

Diese Rohstoffpreise sind im freien Fall
Platz 20: Stahl
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Kein anderer Rohstoff hat von Januar 2015 bis November 2015 so stark nachgegeben wie Stahl. Die Verluste belaufen sich auf fast 40 Prozent. Verantwortlich für den Preisverfall ist die absackende Nachfrage aus China. Zudem etabliert sich das Reich der Mitte immer mehr als Stahlanbieter, denn -nachfrager. Der Preis für eine Tonne des Rohstoffs nähert sich daher dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Eine Stabilisierung der Preise ist dennoch nicht in Sicht. Die Stahlhersteller rechnen auch im kommenden Jahr mit fallenden Preisen.

Preisentwicklung (seit Jahresanfang 2015 bis Ende November 2015): - 38,5 Prozent

Platz 19: Erdgas
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Der bisher milde Winter sorgt für einen Nachfragerückgang beim Erdgas. Industriegase-Unternehmen wie Linde leiden darunter.

Preisentwicklung: - 33,4 Prozent

Platz 18: Platin
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Die hohen Fördermengen südafrikanischer Minen drücken den Platinpreis. Im Jahr 2015 hat sich das Edelmetall zeitweise um über 30 Prozent verbilligt. Rohstoffexperten erwarten jedoch im kommenden Jahr eine Preiserholung. Denn die Nachfrage nach Platin aus dem Automobil- und Industriesektor wird 2016 aller Voraussicht nach steigen.

Preisentwicklung: - 32,4 Prozent

Platz 17: Palladium
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Nach dem VW-Abgasskandal erlebte Palladium eine kurzfristige Hausse. Denn Palladium ist einer der Bestandteile, die die Autohersteller in ihre Dieselkatalysatoren verbauen. Die Kurserholung hielt allerdings nicht lange an. Denn wie Platin leidet auch Palladium unter einem Überangebot. Doch im Gegensatz zu Platin rechnen Analysten im Jahr 2016 nicht mit einer Erholung der Palladiumpreise, da die Nachfrage in China wahrscheinlich zurückgehen wird.

Preisentwicklung: - 31,7 Prozent

Platz 16: Eisenerz
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Der Nachfragerückgang bei Stahl wirkt sich unmittelbar auf die Eisenerzpreise aus. Denn Eisenerz ist ein elementarer Bestandteil bei der Stahlproduktion. Der Preis rutschte daher mit 39,28 Dollar pro Tonne auf den tiefsten Stand aller Zeiten. „Die Stabilisierung der chinesischen Stahlpreise sind der Schlüssel für einen Stimmungsumschwung am Eisenerz-Markt“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. „Um dies zu erreichen, muss die Branche aber ihren Ausstoß verringern.“ Doch genau das tut sich nicht. Dahinter steckt ein Verdrängungswettbewerb. Das Kalkül: Die größeren Rohstoffunternehmen wollen kleine Rivalen entweder aus dem Markt drängen oder einverleiben.

Preisentwicklung: - 29,8 Prozent

Platz 15: Kaffee
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Die Baisse an den Rohstoffmärkten macht auch vor Kaffee nicht halt. Doch die Zeichen stehen gut, dass sich der Preis künftig erholen könnte. Denn aufgrund des Wetterphänomens El Niño wird die Produktion in Kolumbien zurückgehen. Die weltweite Nachfrage hingegen geht kaum zurück und dürfte in den Wintermonaten 2015/16 noch steigen, da der Kaffeekonsum in der kalten Jahreszeit in der Regel zunimmt.

Preisentwicklung: - 28,7 Prozent

Platz 14: Kupfer
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China fragt nicht nur weniger Stahl nach. Auch Kupfer ist bei chinesischen Unternehmen nicht mehr so begehrt. Das liegt vor allem am Wachstumsrückgang im Reich der Mitte. Selbst chinesische Kupferunternehmen drosseln bereits ihre Kupferproduktion, weil sie im eigenen Land immer weniger Abnehmer finden. 200.000 Tonnen wollen die Konzerne im Jahr 2016 weniger produzieren. Aus diesem Grund ist 2016 allenfalls mit einer Stabilisierung des Preises zu rechnen.

Preisentwicklung: - 27,6 Prozent

Am kommenden Montag verkündet Alcoa seine Quartalszahlen. Angesichts des vorgezogenen Frühlingputzes sollten Anleger nicht auf zu viele gute Nachrichten hoffen. Die Werkschließungen kosten einiges an Geld. Auch sonst ist der Zeitpunkt für Kleinfeld günstig, unangenehme Neuigkeiten zu veröffentlichen. Erst langfristig wird sich zeigen, wie sehr Kleinfelds Strategie dem Traditionskonzern wirklich hilft.

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