Energie

Kraftwerksbranche in Aufruhr
In der Strombranche ist nichts mehr unmöglich

Ein Jahrhundertprojekt wie einen Tagebau vorzeitig aufgeben? Der Energieriese RWE dementiert solche Gerüchte. Doch der Druck auf die Branche ist enorm: Für viele große Kraftwerke fehlt eine Zukunftsperspektive.
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DüsseldorfEs gibt in der Energiebranche keine heiligen Kühe mehr. Zwar dementierte RWE-Chef Peter Terium heute einen Zeitungsbericht, wonach der gigantische Braunkohletagebau Garzweiler nicht bereits 2017 oder 2018 außer Betrieb gestellt werden könnte – eigentlich ist der Betrieb bis 2040 geplant. Doch der Aufschwung der erneuerbaren Energien rüttelt an der Rentabilität von Kraftwerken, die eigentlich auf unabsehbare Zeit als lukrativ galten.

„Zurzeit besteht ein Überangebot an unflexibler Leistung durch Atom- und Braunkohlekraftwerke“, heißt es in einem am Dienstag in Berlin vorgelegten Eckpunktepapier des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), der die Regierung seit 1972 berät. Die Folge seien niedrige Börsenstrompreise, ein hoher Stromüberschuss-Export ins Ausland sowie Rentabilitätsprobleme von Gaskraftwerken. Dabei seien letztere flexibler und aus Klimaschutzgründen eigentlich die beste Ergänzung zur schwankenden Ökostromproduktion.

„Es ist kein Geheimnis, dass die Braunkohle unter Druck steht“, so ein Sprecher des Umweltschutzverbands BUND in Nordrhein-Westfalen zu Handelsblatt Online. „Ein geordneter Ausstieg aus der Braunkohle ist nötig und RWE steht in der Pflicht, ein Ausstiegsszenario zu definieren.“ Die Meldung über das mögliche frühzeitige Aus des Braunkohletagebaus könnte ein Zeichen sein, dass RWE eine Drohkulisse aufbaue, um politische Zugeständnisse auf anderem Gebiet zu erreichen.

Im Dementi spricht der Essener Stromkonzern davon, dass „sich der regulatorische Rahmen auf den Energiemärkten schon aus Gründen der Versorgungssicherheit so verändern wird, dass auch die konventionelle Stromerzeugung eine Perspektive hat“. Der zuletzt deutlich verschlechterten Lage der Braunkohle-Kraftwerke werde durch ein Sparprogramm begegnet. Der Tagebau bleibe ein „fester Bestandteil der Zukunftsplanung des Unternehmens“.

Einen Tagebau vorzeitig außer Dienst zu stellen, wäre eine gewaltige Entscheidung. Denn in die Vorbereitung fließen Jahrzehnte an immenser Arbeit. Ein Autobahnteilstück der A44 westlich von Köln ist den Baggern des Garzweiler II genannten Tagebaus bereits vor Jahren zum Opfer gefallen. Ein Neubau auf bereits genutztem Gebiet läuft an.

Ein zweiter Autobahnabschnitt der A61 wäre 2017 oder 2018 fällig und würde 2035 wieder aufgebaut werden, wenn die Bagger vorbeigezogen sind. Deutlich mehr als 10.000 Menschen müssen umziehen, schon vor vielen Jahren sind neue Orte geschaffen worden, in die die Betroffenen umsiedeln können.

Kommentare zu " Kraftwerksbranche in Aufruhr: In der Strombranche ist nichts mehr unmöglich"

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  • Was mich immer wieder wundert, hier im Handelsblatt das bei Energiefragen meist sogenannte Experten der NGO-Fraktion zu wort kommen.Das heißt für mich, HB ist ein Sprachrohr der Grünen.Daher lese ich die Frankfurter Allgemenie Zeitung wo halt auch echte Experten wie z.B Bundernetz Agentur gefragt wird.

  • @Fredi Die angestrebte "Dezentralisierung" der Stromerzeugung wird von ganz alleine stattfinden. Indem der Strom immer teurer gemacht wird, und vielleicht bald noch Stromausfälle dazukommen, werden viele Leute einfach einen Dieselgenerator betreiben um sich vom staatlich verkorksten Netz unabhängig zu machen. Ab c.a. 30 Cent/kWh kann ein Dieselgenerator sogar billiger sein, wenn man ihn mit Heizöl(=staatlich eingefärbter Diesel mit niedrigeren Steuern) betreibt.

  • Erst mal lesen, was ich geschrieben habe:
    7 - 8 Cent/kWh - das sind die Kosten für den PV-Strom, in Süddeutschland vom Hausbesitzer produziert. Er braucht also gar keine Subvention mehr. Natürlich muss er teuer eon-Strom für 26 Cent/kWh zukaufen, weil es auch mal Nacht wird und Winter.
    Gleiches gilt für Gewerbebetriebe, die zwar günstigere Anlagenpreise bekommen, aber auch niedrigere Strompreise bei eon bezahlen müssen.
    Ohne PV liegt die Effizienz bei Null - mit PV bei 10 - 15&, was erheblich mehr ist. Na, klingelts?

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