Energie

K+S unter Druck
Preisrutsch auf dem Kali-Markt

Heftige Preisschwankungen auf dem Markt für Kali kommen immer wieder vor. Etwa, wenn Bauern sich wie in der Finanzkrise entscheiden, ein Jahr auf den Dünger zu verzichten. Doch diesmal hat der Preisverfall andere Gründe.
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LondonK+S muss sich wohl auf raue Zeiten einstellen. Nach dem Bruch des weltgrößten Exportkonsortiums gehen Händler von einem Preisrückgang am Kali-Düngemittelmarkt von etwa 20 Prozent aus. „In einem Kartell können die Produzenten das Angebot kürzen, um den Preis zu kontrollieren. Als Wettbewerber werden die Hersteller die Preise schnell senken, um Geschäft zu machen“, sagte ein Brancheninsider. Der Preisverfall könnte damit jedoch geringer ausfallen, als zunächst befürchtet. Als der russische Düngemittelriese Uralkali Ende Juli das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufkündigte, sagte er voraus, dass der Preis um ein Viertel auf unter 300 Dollar pro Tonne sinken werde.

Zusammen mit dem nordamerikanischen Pendant Canpotex beherrscht BPC rund 70 Prozent des weltweiten Kali-Düngemittelmarktes. Gemeinsam haben sie den Kali-Preis über Jahre auf einem hohen Niveau halten können. Doch nun steht das System vor dem Aus. Als Anbieter mit vergleichsweise hohen Kosten würde der Kasseler Düngemittelhersteller K+S unter einem Preisrückgang besonders leiden. Wegen der zu erwartenden Turbulenzen hat K+S-Chef Norbert Steiner deshalb bereits angekündigt, weitere Einsparungen vornehmen zu müssen.

Nach Einschätzung von Händlern und Branchenkennern sucht Belaruskali derzeit nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, denn international ist der Konzern ohne seinen früheren Partner Uralkali nicht besonders gut aufgestellt. Branchenkreisen zufolge hat Belaruskali Indien einen neuen Vertrag für die zweite Jahreshälfte angeboten, der einen Tonnenpreis von 360 Dollar vorsehe, 67 Dollar weniger als noch im ersten Halbjahr. Ein solches Abkommen würde die Konkurrenz nicht nur zwingen, die Preise in Indien zu senken, sondern auch in anderen Märkten, eingeschlossen China, das traditionell am günstigen ist.

Erstes spürbares Resultat des aufgekündigten Konsortiums: in Brasilien stürzte der Spot-Preis für das teurere gekörnte Kali auf 370 Dollar je Tonne von 450 Dollar je Tonne noch Anfang Juli ab. Branchenkreisen zufolge verkauften Belaruskali und K+S Ladungen zu 370 Dollar die Tonne. Hersteller und Käufer erwarten, dass die Preise in Brasilien in den kommenden Wochen weiter sinken werden auf 350 bis 360 Dollar je Tonne. Brasilien importierte 2012 rund sieben Millionen Tonnen Kali, etwa 14 Prozent des weltweiten Verbrauchs. In China könnte der Preis den Kreisen zufolge auf 320 Dollar je Tonne fallen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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