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Lasten-Zeppeline Ein Cargolifter für Sibirien?

Erinnerungen an den Cargolifter werden wach: Der Bergbaukonzern Amur will in Sibirien Zeppeline einsetzen, um eine weit entfernte Mine zu erreichen. Doch das Projekt steht auf wackeligen Beinen.
2 Kommentare
Futuristischer Lasten-Flieger
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Fracht per Luftschiff an entlegene Orte transportieren, wo es keine Straßen, Bahnschienen oder Landebahnen gibt – das ist die Vision von Aeros-Chef Igor Pasternak.

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Bislang existiert nur ein Prototyp, dessen Kohlefaser-Gerüst mit einer Aluminium-Haut überzogen ist.

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Bei ersten Flugversuchen hob der Prototyp allerdings nur wenige Meter vom Boden ab. An höhere Flüge oder den Transport von tonnenschwerer Fracht ist derzeit noch nicht zu denken.

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Das größte Problem von Frachtluftschiffen, der plötzliche Auftrieb beim Entladen, will Aeros mit einem neuartigen Helium-Pumpsystem gelöst haben.

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Das Projekt wurde ursprünglich vom US-Verteidigungsministerium mit finanziert, doch nach vier Jahren lief die Millionenschwere Förderung aus.

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Momentan sucht Aeros nach Investoren, um 24 Exemplare des Aeroscraft zu bauen. Das Ziel sind rund drei Milliarden Dollar.

DüsseldorfDer Bergbaukonzern Amur will Zeppeline dazu einsetzen, um Erz von einer geplanten, weit entlegenen Mine in Sibirien auszufliegen. Das in London ansässige Unternehmen unterzeichnete mit der Aeros Corporation eine Absichtserklärung über den Kauf zweier Starrluftschiffe, wie Amur mitteilte.

Die beiden Zeppeline vom Typ „Aeroscraft“ sollen jeweils rund 250 Tonnen Nutzlast tragen können. Somit sollen neben dem Kupfer- und Nickelerz auch Baumaschinen transportiert werden. Die Luftschiffe sollen den Bau einer 320 Kilometer langen Straße zur nächsten Eisenbahnstation überflüssig machen, da sie auch in rauem Gelände senkrecht starten und landen können sollen. Zudem sollen die Treibstoffkosten für Luftschiffe nur etwa ein Drittel der Kosten für ein Frachtflugzeug betragen, wie Aeros-Chef Igor Pasternak vergangenes Jahr in einem Interview sagte. Dass das Wort „soll“ so oft auftaucht, kommt nicht von ungefähr: Bisher gibt es nur wenig Konkretes über das Lasten-Luftschiff.

Momentan ist es nur eine Absichtserklärung, doch die Pläne für das Projekt erinnern stark an die Geschichte von Cargolifter. Das 1996 in Deutschland gegründete Unternehmen plante, ein Luftschiff mit 160 Tonnen Nutzlast zu entwickeln. Zu diesem Zweck errichtete Cargolifter in Brandenburg eine riesige Luftschiffhalle, die bis heute größte freitragende Halle der Welt.

Cargolifter ging im Mai 2000 nach mehreren erfolgreichen Privatplatzierungen an die Börse und wurde zwischenzeitlich im MDax gelistet. Wegen technischer Probleme bei der Entwicklung und mangelnder Investitionsbereitschaft privater Investoren musste das Unternehmen im Jahr 2002 bereits Insolvenz anmelden, ohne jemals ein Luftschiff ausgeliefert zu haben. In der Luftschiffhalle befindet sich inzwischen ein Freizeitpark.

Eine Parallele zu dem Aeroscraft-Projekt: Noch gibt es keinen auch nur halbwegs einsatzfähigen Prototypen. Wie in Internet-Videos zu sehen ist, haben die ersten Exemplare bislang nur wenige Meter vom Boden abgehoben. Eines der großen Probleme ist der plötzliche Auftrieb beim Entladen, wenn das Luftschiff schlagartig leichter wurde. Aeros will hierzu ein neuartiges System entwickelt haben, von dem es allerdings noch keine Aufnahmen von erfolgreichen Testeinsätzen gibt.

Auch Amur steht bei dem Projekt noch vor einer großen Hürde: Um sein Kun-Manie-Projekt zu beginnen, fehlt noch die Bergbaulizenz der russischen Behörden. Sollte sie erteilt werden, will Amur bis zu 650.000 Tonnen Nickel und 180.000 Tonnen Kupfer abbauen.

  • ses
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2 Kommentare zu "Lasten-Zeppeline: Ein Cargolifter für Sibirien?"

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  • Vielen Dank für die Korrektur! :-)

  • Sehr geehrter Herr Schaal,

    Ihre Bemerkung

    "Eines der großen Probleme, das auch Cargolifter nicht in den Griff bekommen hatte, war der plötzliche Auftrieb beim Entladen, wenn das Luftschiff schlagartig leichter wurde."

    ist schlicht und einfach falsch.

    Das von CargoLifter dafür favorisierte Lastaustauschverfahren ist nicht nur theoretisch funktionstüchtig, sondern hat auch im praktischen Test überzeugt. Einer der Tests - mit einem der größten Ballone, dem CL75 und einem 55 Tonnen schweren Minenräumpanzer der Bundeswehr - fand im Rahmen einer ILA-Vorführung in Brand am 7. Mai 2002 statt. Ein Video davon ist im Netz leicht zu finden.

    Frdl. Grüße
    Albert Weber

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