Energie

Lichtblick-Geschäftsführer
„Viele Ökostromanbieter tun nichts für die Energiewende“

Gero Lücking, Geschäftsführer des Ökostrom-Marktführers Lichtblick erläutert im Gespräch mit Handelsblatt Online, welche Unterschiede es im Bereich Grüne Energie gibt und wie das Unternehmen dem Kundenschwund begegnet.
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Seit 1998 bietet Lichtblick Strom aus regenerativer Energie an. Noch im Jahr 2007 glänzte das Unternehmen mit Kundenzuwachszahlen von mehr als 40 Prozent. Doch an diese Zahlen kommt der Stromanbieter schon seit Jahren nicht mehr heran, im vergangenen Jahr musste er sogar einen Kundenrückgang verkraften.

Handelsblatt Online: Wir zahlen mit der EEG-Umlage dafür, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, der Strom, der in unseren Steckdosen fließt, stammt heute schon zu rund einem Fünftel aus regenerativen Quellen. Brauchen wir noch reine Ökostromanbieter wie Lichtblick?

Gero Lücking: Ja. Leider denken viele Stromverbraucher, dass sie mit der EEG-Umlage den weiteren Ausbau der regenerativen Energien unterstützen. Aber das ist nur bedingt richtig. Die EEG-Umlage dient zum großen Teil dazu, das EEG-Konto auszugleichen – also zur Nachfinanzierung des bereits vollzogenen Ausbaus. Ebenso werden Ausnahmeregelungen finanziert. Erst in zweiter Linie werden damit neue Anlagen bezahlt.

 

Auch die großen Energieversorger bieten inzwischen Ökostromtarife an. Für die Energiewende ist es doch egal, wo ich meinen Ökostrom beziehe, oder?

Nein. Im Gegensatz zu den großen Versorgern verpflichten wir uns dazu, mit dem Geld, das die Kunden für ihren Strom bezahlen, innovative Projekte wie Schwarmstrom aus dezentralen Kraftwerken umzusetzen. Damit fördern wir die Energiewende. Viele Anbieter investieren jedoch immer noch in klimaschädlichen Kohlestrom, andere tun überhaupt nichts für die Energiewende.

 

Obwohl die Zahl der Ökostromkunden allgemein steigt, sind ihre Kundenzahlen im vergangenen Jahr gesunken. Woran liegt das?

Neben den „falschen“ Angeboten vieler Energieversorger, die den Wettbewerbsdruck erhöhen, kamen in den vergangen Monaten auch noch die Pleiten der Stromanbieter Teldafax und Flexstrom hinzu. Das hat bei den Verbrauchern zu einer Verunsicherung geführt, die Wechselbereitschaft ist gesunken.

 

Die Pleiten waren ein Ärgernis für die gesamte Branche. Wie wahrscheinlich ist es aus ihrer Sicht, dass sich so etwas wiederholt?

Es gibt weiterhin Angebote im Markt, die nicht kostendeckend sind. Die Bundesnetzagentur müsste stärker auf diese Angebote schauen.

 

Wie macht sich der Wandel in der Strombranche für Sie bemerkbar?

Es gab eine Zeit, in der wir stark gewachsen sind. In den letzten drei Jahren hat sich das Wachstum aber abgeschwächt. Auch durch die Fälle von Teldafax und Flexstrom ist es für uns im Vertrieb schwieriger geworden.

 

Welchen Effekt hatte der Reaktor-Unfall in Fukushima auf ihr Geschäft?

Fukushima hat an dem allgemeinen Trend nicht viel verändert. Wir hatten für einige Zeit enorme Kundenzuwächse, aber der Effekt war nach sechs Wochen bereits verpufft und der Markt ist in seine alte Trägheit verfallen.  

 

Wie begegnen Sie dem Kundenrückgang?

Wir machen das Produkt Ökostrom emotionaler und gehen neue Wege im Vertrieb. Zum einen, indem wir den Kunden erklären, dass wir das Original sind und wie unsere Lösungen für die Energiewende aussehen. Zum anderem, indem wir stärker mit anderen Unternehmen kooperieren. Bereits heute haben wir mit dem Fußballverein Borussia Dortmund einen Partner, mit dem wir gemeinsame Strompakete anbieten. Bei „Strom 09“ steht neben der Grünen Energie auch der Fußball im Vordergrund. Der Strom ist der Strom der BVB-Fans. Außerdem liefern wir die Energie für die Elektroautos von Porsche und VW. So können wir unsere Marktführerschaft im Bereich Ökostrom behaupten.

 

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Lichtblick-Geschäftsführer: „Viele Ökostromanbieter tun nichts für die Energiewende“"

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  • Stimmt.
    Außerdem ist das EEG verfassungswidrig: „Das Interesse an eine Stromversorgung ist heute so allgemein wie das Interesse am täglichen Brot. Die Befriedigung eines solchen Interesses ist eine Gemeinwohlaufgabe des Parlaments, das Finanzierungsinstrument die Gemeinlast der Steuern.“ das Bundesverfassungsgericht 1994 zur Abschaffung des Kohlepfennigs.

  • Diese Ökostromanbieter sind nichts anderes als Quacksalber der Moderne. Diesen Ökostrom gibt es nicht, weil Strom = Energie! Und Energie hat nur eine Wertung. Entweder teuer = Luxusgut oder billig = Allgemeingut!
    Der Ökostrom aus den sog. hochsubventionierten EEG-Zwangsabgabengesetz (Erneuerbare Energie) ist das LUXUSGUT PUR FÜR EINE GESELLSCHAFT! Dagegen ist Strom aus Kraftwerken für die Allgemeinheit da! Bezahlbar und Zuverlässig!

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