Energie

London will BP helfen
Downing Street nimmt Ölgiganten in Schutz

In Großbritannien wächst die Sorge, dass der Ölriese BP Ziel einer Übernahme werden könnte. Die britische Regierung bringt sich bereits in Stellung: Premier Cameron will offenbar potenzielle Interessenten abschrecken.
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LondonEs ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, der wie ein unfreiwilliger Notruf wirkt. Die Regierung in London wolle den zweitgrößten britischen Ölgiganten BP als britischen Industriechampion behalten, ließ die in der heißen Phase des Wahlkampfs steckende Regierung unter Premierminister David Cameron durchblicken. Die Regierung werde sich jedem unfreundlichen Übernahmeversuch des angeschlagenen Konzerns widersetzen. Dies habe die Politik gegenüber dem BP-Management deutlich gemacht, wie die britische „Financial Times“ unter Berufung auf einen ungenannten Regierungsbeamten schreibt.

Im Verteidigungsmodus: Rein rechtlich sind die Möglichkeiten der Politik, eine Übernahme zu vereiteln, zwar gering. Doch das deutliche Signal, dass Downing Street 10 einen solchem Vorhaben ablehnend gegenüber steht, könnte potenzielle Interessenten bereits abschrecken. Der in die Öffentlichkeit lancierte Hinweis ist nicht nur ein Fingerzeig, dass der britische Wahlkampf angesichts der Unterhauswahlen am 7. Mai in seine Schlussrunde geht, sondern er ist auch ein deutliches Zeichen dafür, dass in Großbritannien die Sorge wächst, dass BP nach der vom britischen Rivalen Shell losgetretenen Konsolidierung nun selbst ins Fadenkreuz größere Wettbewerber geraten könnte.

Ein BP-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Regierungssprecher betonte lediglich, es sei im britischen Interesse, dass das Land Konzerne habe, die wettbewerbsfähig daheim und im Ausland seien.

Doch wie groß ist die Gefahr wirklich? In der Branche wird schon länger darüber spekuliert, dass der US-Gigant Exxon Mobil ein Auge auf die Briten werfen könnte. BP wäre mit einer Börsenbewertung von knapp 120 Milliarden Euro zwar weiter ein ziemlich großer Happen – aber nicht gänzlich außerhalb der Vorstellungskraft vieler Investmentbanker.

Da die Briten rund 20 Prozent am russischen Energiekonzern Rosneft halten, bekäme Exxon durch einen Kauf Zugang zu russischem Öl. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass das Gerücht seit rund fünf Jahren immer mal wieder kursiert – konkret passiert ist bisher indes nichts.

Denn BP verfügt über einen besonderen Schutz, der zugleich seine größte Schwäche ist: Seine langwierigen Rechtsstreitigkeiten nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Jeder Käufer muss bei einem Deal die milliardenschweren Kosten aus der Katastrophe im Golf von Mexiko übernehmen – und die sind auch fünf Jahre nach dem Desaster noch nicht komplett absehbar. Sven Diermeier, Analyst bei Independent Research, schätzt, dass der Energieriese noch im Laufe dieses Jahres zu einer weiteren Strafzahlung in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar verurteilt wird.

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  • was kümmert mich mein geschwätz von gestern wenn es meinen profit schmälert

    globalisierung ist nur dann gut wenn wir im mittelpunkt stehen

    danach wird die poltik dieser länder ausgerichrtet

    auch wenn ich mich in einem satz zweimal wiederspreche

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