Energie

Milliarden-Rückstellungen
Wo die Altlasten der Energieversorger schlummern

Eon und RWE kämpfen derzeit mit Gegenwart und Zukunft der Stromversorgung in Deutschland. Dabei haben sie auch mit ihrer Vergangenheit noch alle Hände voll zu tun. Nicht nur die Atomkraftwerke drücken auf die Gewinne.
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DüsseldorfMai 2010: Mehr als 300 Ballons steigen im Ruhrgebiet in den Himmel, bis zu 80 Meter über der Erde verweilen sie. Kilometerweit sind die Kugeln mit einem Durchmesser von 3,70 Meter zu sehen, als kleine gelbe Punkte inmitten von Wohngebieten und Wäldern, neben Industrieanlagen und Radwegen.

Jeder der Ballons symbolisierte während der Aktion „Schachtzeichen“ einen ehemaligen Bergbauschacht oder eine Zeche. Die Ballons standen aber auch für die Altlasten in der Industrieregion. Jahr für Jahr verschlingt die Sanierung von alten Schächten oder Stollen Millionensummen. Die Ewigkeitskosten gehen in die Milliarden.

Geld, das auch die Energieriesen Eon und RWE bezahlen müssen. Wenige Unternehmen verfolgt ihre Vergangenheit so sehr wie die Energieversorger. Nicht nur die Entsorgungskosten für die Atomkraftwerke drücken auf ihre Gewinne, auch den längst in Vergessenheit geratenen Bergbau müssen RWE und Eon in ihren Bilanzen berücksichtigen. Denn die beiden Konzerne haben eine Bergbauvergangenheit. Zahlreiche Unternehmen wie zum Beispiel die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, die schon im 19. Jahrhundert die Kohle aus dem Boden holte, gingen in Teilen in den Energiekonzernen auf. Eon und RWE sind als Nachfolgegesellschaften für das Erbe des Altbergbaus verantwortlich.

Die Atom- und Bergbaualtlasten waren bisher kein Problem, nun haben die Energieversorger jedoch arg mit den Veränderungen durch den Umbau der Stromerzeugung in Deutschland zu kämpfen. EnBW, RWE, Eon – alle haben sie umfangreiche Sparprogramme aufgelegt. Sie versuchen ihre Bilanzen zu sanieren, indem sie Stellen streichen und Geschäftsbereiche und Beteiligungen abstoßen.

Doch die Unternehmen rutschen trotzdem immer weiter ab, wie die jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen von Eon und RWE zeigen: Der operative Gewinn (Ebitda) sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gefallen, teilte Eon am Dienstag mit.

Bei RWE ist die Situation noch dramatischer: Zwar stieg das Betriebsergebnis leicht um neun Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch berichtete, Sondereffekte herausgerechnet sank der Gewinn unterm Strich jedoch um 38 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. „Wir befinden uns in der größten Branchenkrise aller Zeiten“, sagt RWE-Chef Peter Terium.

Kommentare zu " Milliarden-Rückstellungen: Wo die Altlasten der Energieversorger schlummern"

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  • Liebes HB
    "Die Atom- und Bergbaualtlasten waren bisher kein Problem....." schreiben Sie. Wieso das jetzt ein Problem ist?? Doch nicht wegen Veränderungen gleich welcher Art auf dem Energiemarkt! Steuerrechtlich und betriebswirtschaftlich ist er zwingend notwendig, Rückstellungen für zukünftige Maßnahmen in die Bilanz einzustellen, wie sie bekannt geworden sind. Und das ist offensichtlich NICHT geschehen. Es handelt sich hier um grobe Managementfehler. Bei den Altlasten Atomkraftwerke beziehe ich mich auf eine Quelle der SZ vor ca. 6 Monaten. Danach ist aufgrund von Kompetenzgerangel im Bund zwischen Finanzaufsicht und Atomaufsicht es überhaupt nicht möglich, die Rückstellungen für den Rückbau von AKW zu überprüfen. Demnach gibt es KEINE verlässlichen Angaben darüber. Bekannt ist aus Hamm: jährliche Kosten für das "Abklingen" der Strahlung 18 Mio. €, und das mal 10 Jahren sind 180 Mio., ohne dass ein Stein abgetragen wurde. Und von der Kohle wissen wir, dass die Bürger und gewerblichen Unternehmen 21 Milliarden € über erhöhte Abwasserkosten für die Renaturierung des Emschergebietes bezahlen müssen.
    Das Problem ist doch: Energie ist weltweit bezogen auf die Gewinnungskosten und Entsorgungskosten - und Klimaauswirkungen - viel zu billig. Für 3 Std. Arbeitslohn nach Mallorca fliegen?-geht doch nicht! Und jeder subventioniert leider anders. Da ist das EEG mir direkter Belastung gar nicht so schlecht. Habe meinen Stromverbrauch um 1500 kwh gesenkt.

  • Gott wie blöde muss man sein, um nicht zu erkennen, dass man das, was man an Material aus der Erde rausholt auch wieder reinfüllen muss danach? Frage mich warum nicht längst ein paar umliegende Berge nach unten verfrachtet wurden? So werden sich nur immer neue Löcher im Boden auftun. Mit Beton verfüllen... wie dämlich und teuer ist das denn?

    Hey Entscheider, holt die Kumples zurück und lasst sie die Stollen von unten nach oben mit Abraum verfüllen! Das schafft Arbeitsplätze und erhöht die Sicherheit für die Gegenden!


  • ...und das fällt den Jungs von RWE und Co heute morgen beim Frühstücksei ein, dass Instandhaltung, Rückbau und Müllbeseitigung Geld kostet, nachdem dem sie jahrelang x Mrd.€ verdient haben und, ja für was eigentlich verballert haben??? ...und interessanterweise wird nach der sog. Energiewende ja nicht weniger Strom verbraucht oder verkauft und der Strom ist ja nicht billiger geworden...das einzige was weht tut ist der erfolgsverwöhnte Blick auf die Ergebnisse, die nach den "plötzlichen" Rückstellungen nicht mehr ganz so gigantisch aussehen und es nicht mehr ganz so viel zu verteilen gibt...alles heiße Luft!

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