Energie

Milliardengräber
Die leidvollen Übersee-Abenteuer von Thyssen-Krupp

Es sollte eine Investition in die Zukunft sein. Doch mit dem Bau von Stahlwerken in Brasilien und USA bürdete sich Thyssen-Krupp am Ende eine milliardenschwere Last auf. Hinzu kommt noch Ärger mit den lokalen Behörden.
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DüsseldorfDeutschlands größter Stahlkonzern ringt weiter mit dem Verkauf der defizitären Stahlwerke in Brasilien und den USA. Einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ zufolge hinkt der Verkauf sogar dem Zeitplan hinterher. „Die Verhandlungen werden noch Monate in Anspruch nehmen“, will das Blatt aus Aufsichtsratskreisen erfahren haben.

Ein Sprecher des Essener Unternehmens dementiert den Bericht aber: „Der Prozess verläuft planmäßig“. Informationen des Handelsblatts zufolge soll der Verkauf planmäßig Mitte nächsten Jahres abgeschlossen werden.

Beim Bau der beiden Stahlwerke in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickeln sich die Neubauten zu Milliardengräbern. So schlidderte das ganze Unternehmen in eine schwere Krise. Die beiden Hütten belasten die Bilanz mit sieben Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger will mit dem Verkauf von Unternehmensteilen gegensteuern. So geht die Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Die EU-Kommission billigte vor wenigen Tagen die 2,7 Milliarden Euro schwere Transaktion. Damit kann Outokumpu den größten Edelstahlkonzern der Welt schmieden und Thyssen-Krupp seine Kasse aufbessern.

Beim Verkauf der Übersee-Stahlwerke hat Thyssen-Krupp jüngst die nächste Runde eingeläutet. „In der jetzt gestarteten zweiten Phase wird einer Auswahl von Interessenten die Möglichkeit gegeben, die Werke im Rahmen einer sogenannten Due Diligence zu analysieren und verbindliche Kaufangebote abzugeben“, teilte der Konzern mit.

Wer zu den Bietern zählt, wurde nicht bekannt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zählen die amerikanischen Konkurrenten US Steel und Nucor, die japanischen Stahlkocher Nippon Steel und JFE Steel sowie CSN aus Brasilien noch zu den Interessenten. Unklar sei, ob der indisch-belgische Weltmarkführer Arcelor-Mittal weiter im Rennen ist.

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Knackpunkt ist der Preis

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  • Ja, dabei muß eigentlich niemand nachdenken warum. Geld wird hin- und hergeschoben, bis weis der Kuckuck was, die Zahlen stimmen. Für wen, dumme Fragen aber auch. Korruption gibt es nur im tiefsten Afrika. Gut, es hat bei uns nur Bananen aus fernen Republiken. Macht es eigentlich einen großen Unterschied ob Banane aus Übersee oder Banane vom Supermarkt, der mit den hohen Subventionen zur Versorgung der Bevölkerung.

    Was schon längst nicht mehr für die Bevölkerung auf dem Lande galt, gilt heute umso mehr in städtischen Gefilden. Die Reduzierung der Preise nach unten, sie währt nicht allzulange und man hat die Verpackungsgrößen geschrumpft. Inhalte, nur wer es lesen kann, merkt unwillkürlich die Preise werden immer angezogen.

    Überall wohin man sieht, es macht doch riesig Spaß, daß wir die fördern, welche mit dem Geld anderer sorglos umgehen, damit sie die Aushilfskräfte, Leiharbeiter und andere, die sich nicht zu wehren wissen, im Billigsektor ihr Einkommen finden, das beileibe weniger zum Auskommen reicht.

    Die Freiwilligkeit alles den "Machern" unterzuordnen, vertraglich abgesichert und manchesmal bis oft gegen geltende Gesetze, da kommt doch wirklich Freude auf bei den Lloyds, die sich gerne selbst dort noch bedienen, wo die Not am Größten bleibt. Bei den unteren Einkommensstrukturen. Ausgelutscht bis zum geht nicht mehr.

    Die Korruption war schon immer ein schlechter Ratgeber, leider merken die Menschen all das immer erst, wenn sie selbst davon betroffen sind. Dann waren es halt die anderen, ohne Gesichte, aber mit Geschichte. Die Steigerung seit 1990: kohl, kohle, kohlen. Das Gleiche, weismann, nicht immer dasselbe.

  • Die Firmen brauchen doch etwas das sie abschreiben können und dafür eignen sich schief gelaufene Auslandsambitionen doch hervorragend.

    Ich kann einfach nicht glauben, dass deutsche Firmen so blind und blöd sind um immer wieder den gleichen Fehler zu machen. Nee, nee - das ist Absicht!

  • Zuviel Kokain und willige Mädels haben den Chinesen den Kopf verdreht, das hat natürlich irgendwo seine Folgen - Thyssen Management hätte besser vorher eingiebige "Feldstudien" unterehmen sollen...lol...wenns nicht so traurig wäre...

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