Energie

Mit niedrigeren Preisen
Gazprom will EU-Gasmarkt zurückgewinnen

Starke Gewinneinbußen bewegen Gazprom zur Kurskorrektur. Mit Kampfpreisen will das russische Unternehmen den Gasmarkt in Europa wieder unter die eigene Kontrolle bringen.
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MoskauNach Kritik an zu hohen Tarifen will der russische Monopolist Gazprom Kunden auf dem europäischen Gasmarkt mit niedrigeren Preisen zurückgewinnen. „2013 geht der Gaspreis für Länder außerhalb der Ex-Sowjetunion im Vergleich zu 2012 um etwa 5 Prozent auf rund 380 US-Dollar (292,3 Euro) pro 1000 Kubikmeter zurück“, kündigte Gazprom-Vizevorstand Alexander Medwedew in Moskau an. Gazprom plane, 2013 in Europa rund 152 Milliarden Kubikmeter Gas abzusetzen, nach 139 Milliarden Kubikmeter 2012, sagte der Topmanager nach Angaben der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ (Mittwoch).

Der Konzern musste zuletzt starke Gewinneinbußen hinnehmen, nachdem Abnehmer in der EU andere Lieferanten gefunden hatten. „Aber einen einheitlichen Gaspreis für Europa kann es nicht geben: Im Norden, wo der Spotmarkt eine größere Rolle spielt, ist der Preis niedriger als im Süden. Selbst Apfelsinen kosten in verschiedenen Ländern unterschiedlich“, sagte Medwedew Medien zufolge.

Der Konzern sendet damit verwirrende Signale. Einen Tag zuvor hatte Medwedew nach angekündigt, seinen Kunden in Europa geringere Preisnachlässe als zuletzt gewähren. „Die Preiskorrektur wird kleiner ausfallen als in der letzten Runde, als es sieben bis zehn Prozent waren“, hatte Medwedew am Dienstag gesagt. Die Verträge könnten in der ersten Jahreshälfte unterzeichnet werden. Gazprom verhandle derzeit mit E.ON Ruhrgas sowie mit der italienischen ENI und dem französischen Versorger GDF Suez.

Die gedämpften Energiegeschäfte Russlands verärgern auch Russlands Regierung. Vor allem stößt sich der Kreml an dem von der EU-Kommission eingeleiteten Kartellverfahren gegen Gazprom. Medwedew wirft den Eurokraten vor, das Verfahren politisch zu inszenieren, um die Preise zu drücken. Und er beklagt, dass die EU mit „Eiseskälte“ russischen Vorhaben wie der Pipeline South Stream durch das Schwarze Meer begegne.

Nicht zuletzt sehen die Russen ihre Pläne im internationalen Gaspoker von den USA durchkreuzt. Die Förderung von unterirdischem Schiefergas in den Vereinigten Staaten hat den Konzern kalt erwischt. Dabei macht den Russen weniger die Methode Angst als die Rolle der Amerikaner als Energieexporteure. Eine erste Folge ist, dass Gazprom nun sein Schtokman-Feld in der Arktis vorerst doch nicht ausbeuten will und dies lieber künftigen Generationen überlässt.

„Unser Geschäft bedroht das aber nicht, wie manche meinen“, betont Alexander Medwedew in einer Broschüre zum 40. Jubiläum von Gazprom Export. Es sei für den weltgrößten Gasexporteur weiter günstiger, den „blauen Treibstoff“ auf herkömmliche Weise zu fördern. Rund 70 Prozent des russischen Gasexports gehen in die EU mit Deutschland als größtem Einzelabnehmer. Die Russen erwarten auch weiter einen wachsenden Bedarf.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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