Energie

Mitten in der Stahlkrise
Die wertvolle Ware Schrott

Anfang des Jahres drohte vielen Schrotthändlern noch das Aus, sie litten unter den Folgen der Stahlkrise. Nun schießen die Preise für Altmetalle wieder nach oben. Das hat mit der Rückkehr eines Spielers zu tun.

DüsseldorfSchrotthändler sind ja einiges gewohnt: Auf Zeiten stürmischer Nachfrage mit auskömmlichen Preise folgen in schöner Regelmäßigkeit deftige Flauten, auch in der Kasse. Das Geschäft ist traditionell eben sehr zyklisch. Doch was sich derzeit auf den internationalen Schrottmärkten abspielt, hat es so schon lange nicht mehr gegeben. Die Preise schießen seit wenigen Wochen in großen Sprüngen nach oben, die Nachfrage ist derzeit größer als das Angebot. Schon fürchtet die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) erste Engpässe: „Im Mai wird es ganz schwierig mit der ausreichenden Versorgung“, sagte BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leuning dem Handelsblatt. „Das Material ist gar nicht verfügbar.“

Das sah Anfang des Jahres noch ganz anders aus: Viele Schrotthändler wähnten sich angesichts der Stahlkrise kurz vor dem Aus. Billiger Importstahl aus China und der drastische Verfall der Eisenerzpreise hatten dafür gesorgt, dass sich auch die Herstellung von Stahl aus Recyclingmaterial immer wenig rechnete. Die Preise fielen ins Bodenlose, für eine mittlere Stahlgüte aus Schrott mussten im Januar nur noch gut 140 Euro pro Tonne bezahlt werden. Die mittelständisch geprägte Branche, zu der aber auch bekannte Namen wie Alba, Scholz und TSR gehören, sah sich unmittelbar in ihrer Existenz bedroht.

Unternehmen schrieben Verluste, ein Drittel der Firmen gab an, Mitarbeiter entlassen zu wollen. Weitere Konsequenz der Preisflaute: der Zulauf von handlich gepressten Auswracks und aussortierten Waschmaschinen war nur noch spärlich . „Für ein paar Euro hat kaum einer mehr Interesse, Schrott zu sammeln“, sagte Leuning.

Das rächt sich jetzt. Denn seit wenigen Wochen steht wieder ein Mitspieler auf der Bühne, der sich im Laufe des vergangenen Jahres größtenteils verabschiedet hatte: die Türkei. Das Land am Bosporus ist der größte Abnehmer von europäischem Stahlschrott. Mehr als jede zweite der rund 17 Millionen Tonnen wandert in den Südosten des Kontinents. Die Türkei produziert ein Großteil ihres Stahls aus sogenanntem Elektroschrott, der eingeschmolzen wird.

Die deutschen Stahlkonzerne dagegen liefern ihren Stahl mehrheitlich aus der Verhüttung in Hochöfen. Springt die Nachfrage nach türkischem Stahl an, müssen die dortigen Konzerne den Rohstoff in Form von Schrott weltweit zukaufen.
Das bringt inzwischen manchen deutschen Schrotthändler in die Bredouille. „Einige, die gut spekuliert haben, kommen jetzt groß raus“, sagt Leuning. „Andere nicht“. Viele sind von dem plötzlichen Aufschwung auf dem falschen Fuß erwischt worden. Sie haben Lieferverpflichtungen noch zu niedrigen Preisen abgeschlossen, ohne die Mengen aber auf Lager zu haben. Diese Firmen müssten jetzt teuer zukaufen, sagte Leuning.

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