Nach Anschlägen in Algerien: Das blutige Geschäft mit dem Öl

Energie

Nach Anschlägen in Algerien
Das blutige Geschäft mit dem Öl

Terroristen bedrohen weltweit Pipelines, Bohrtürme und Förderanlagen. Mit dem Attentat in Algerien flammt eine Diskussion über die Sicherheit auf. Ölkonzerne überdenken die Energieförderung in riskanten Regionen.
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London/Düsseldorf/Stockholm20 Stunden musste Lou F. durch die Sahara marschieren. Einen glühend heißen Tag und eine eiskalte Nacht brachte der 56-Jährige mit minimalen Vorräten an Wasser und Lebensmitteln hinter sich, bevor er auf eine algerische Militärpatrouille stieß und endgültig in Sicherheit war. Der Teamleiter des britischen Ölkonzerns BP gehört zu den Überlebenden des blutigen Geiseldramas in der Gasförderanlage In Amenas mitten in der Sahara.

790 Arbeiter waren zum Zeitpunkt des Überfalls islamistischer Rebellen in der weitläufigen Anlage, darunter 134 Ausländer, die meisten konnten wie Lou F. entkommen. Doch für 37 kam nach der gewaltsamen Befreiung durch die algerische Armee jede Hilfe zu spät.

Nun stellen sich die Briten und andere westlichen Konzerne die Frage, wie gut sie auf Terroranschläge vorbereitet sind. Eine weitere Frage ist, ob Algerien und Nordafrika insgesamt nach den Ereignissen von In Amenas noch vertretbarere Standorte sind.

BP betreibt die Anlage in der algerischen Sahara gemeinsam mit der norwegischen Statoil und dem staatlichen algerischen Konzern Sonatrach. „Wir haben noch nie einen derart folgenschweren Anschlag erlebt und überprüfen unsere Sicherheitsvorkehrungen in der Region und dem Rest der Welt“, betont BP-Chef Bob Dudley.

Bislang galt Algerien als vergleichsweise sicherer Standort, auch wegen der massiven Militärpräsenz im Land. Neben BP und Statoil sind dort auch Konzerne wie die spanische Repsol, die französische Total, die italienische Eni sowie Anadarko und ConocoPhilips aus den USA aktiv. Doch nun bedroht das Geiseldrama die Produktion des größten Öl- und Gasförderers in Nordafrika. „Die blutigen Ereignisse in In Amenas werden ausländische Energiekonzerne ihr Engagement in Algerien überdenken lassen“, sagt Ahmed Amdini von der Universität Algier der Nachrichtenagentur Bloomberg.

So denkt auch der britisch-niederländische Ölkonzern Shell denkt über Konsequenzen für die Sicherheit seiner Anlagen nach. Vorstandschef Peter Voser diskutierte mit hochrangigen Managern anderer Ölkonzernen beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Lage. „Einige Initiativen sind bereits eingeleitet“, sagt Voser dem „Wall Street Journal“. „Wir haben die genau benötigten Maßnahmen zwar noch nicht ausgearbeitet, aber das werden wir tun.“

Doch auch in anderen Regionen sind Attacken nicht ausgeschlossen. „Algerien war kein Präzedenzfall. Anschläge auf Energieinfrastrukturen gab es auch davor schon, und sie werden auch künftig erfolgen“, sagt Heiko Borchert von der Schweizer Sicherheitsberatung Sandfire, im Interview mit Handelsblatt Online.

Besonders die Förderung in instabilen Regionen rückt dabei in den Fokus. So stellt der Ölkonzern BP offenbar auch seine Expansionspläne in Libyen auf den Prüfstand. Die Sicherheitslage in dem Land ist nach dem Umbruch immer noch angespannt. Kriminelle Gruppen haben zudem leichten Zugang zu Waffen. „Die Sicherung solch exponierter Anlagen wird künftig noch wichtiger, als sie es heute ohnehin schon ist“, meint Sicherheitsberater Borchert.

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  • a porpos MUSRIS - in Ägypten skandieren sie schonmal - soweit Phoenix - wohl was eine mögliche UN-Emabragopolitik iranische Ölexporte betreffend angeht so hier ähnlich wie unter Sadam Hussein Waffenkontrolloeren die inspektionen verwehrt werden - "Mursi deine Politik interessiert uns nicht und den SUEZ KANAL kontrollieren wir."

    http://www.focus.de/politik/videos/demonstrationen-und-am-suezkanal-tausende-aegypter-ignorieren-ausgangssperre_vid_35450.html

    Alle Kidnek*cke was die da machen von der Bundesamrine im Mittelmeer.

  • Einsätze der Budneswehr - wirtschaftliche Interessen:

    Es geht darum die Lieferkette zu überwachen damit Staaten die von UN-Embargos betroffen sind kein Erdöl exportieren können.

  • Es ist ja grundsätzlich richtig, das Geschäft mit dem Öl als „blutig“ zu bezeichnen. Dabei aber auf „Terroristen“ zu zeigen, die ausländische Ölförderanlagen bedrohen, ist nur die halbe Wahrheit. Der Algerier, der unter erbärmlichen Verhältnissen, sich Sorgen macht, wie er den nächsten Tag übersteht, hat nichts davon, dass die Regierenden in Algier die Rohstoffe des Landes verschachern und sich damit privat bereichern. Er erkennt, dass die Vorräte zur Neige gehen und niemand nur einen Petrodollar investiert, um damit seine Existenz zu sichern. Für ihn sind viel mehr diejenigen Terroristen, die sein Land ausplündern und ihm die Chance auf ein menschenwürdiges Leben rauben. Gegen die Regierung in Algier kann er sich nicht wehren, die hat sich von dem Öl mit Hilfe der Regierungen der Ölförderer schwer genug bewaffnet, um die eigene Bevölkerung in Schach zu halten. Also greift er die Schwachstellen an, um sich des Raubrittertums zu erwehren. Warum sollte ihm das Leben anderer mehr bedeuten, als das eigene. Kann man es ihm also verdenken, wenn er sich gegen Ausplünderung wehrt?
    Wenn schon von Terroristen die Rede ist, dann sollte vor allem auch der Terror des Westens in Kooperation mit den Regierungen gegen die Bevölkerung oben an stehen. Die Tatsache, dass wir selbst keine Waffen zur Ölförderung einsetzen, macht uns nicht friedlich, sondern hinterhältig und verlogen. Aber wer in der westlichen Welt will das schon wissen, schließlich sind die EU und Obama stellvertretend für die USA ja Friedensnobelpreisträger.
    Wir sind doch so friedlich! Für uns stehen die Menschenrechte, vor allem die der anderen, an erster Stelle. Dafür verzichten wir sogar auf Wohlstand und Waffengeschäfte mit Despoten. Kann man uns denn für Terroristen halten?

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