Energie

Nach der Insolvenz Solarworld produziert vorerst weiter

Nach dem Insolvenzantrag produziert Solarworld weiter. In den meisten Werken des größten deutschen Solarherstellers läuft die Arbeit mit einem Großteil der Kapazität weiter.
Update: 16.05.2017 - 15:08 Uhr Kommentieren
Erst vor Kurzem musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Quelle: dpa
Solarworld in Arnstadt

Erst vor Kurzem musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

(Foto: dpa)

BonnDeutschlands größter Solarhersteller Solarworld produziert nach den Insolvenzanträgen der vergangenen Woche mit einem Großteil seiner Kapazität vorerst weiter. Das gelte für das Werk in Arnstadt (Thüringen) und für den größten Teil des Werkes in Freiberg (Sachsen), sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch in der Bonner Solarworld-Zentrale werde gearbeitet.

Piepenburg sei im Moment dabei, sich ein Bild vom Unternehmen zu machen. Dazu sei er am Montag zu Gesprächen mit Betriebsrat und Management in Arnstadt gewesen, am Dienstag in Freiberg, sagte der Sprecher. Die Stimmung bei den Gesprächen sei „gefasst“.

In Freiberg ruhe die Zellproduktion, weil Lieferanten Rohstoffe künftig nur noch gegen Vorkasse lieferten. Die Konditionen müssten noch abgesprochen werden. Dies sei aber ein normaler Vorgang nach Insolvenzanträgen. Der Rest des Werkes laufe. „Die Fortführung ist zentral für den Erhalt der Substanz“, betonte der Sprecher.

Solarworld hatte vergangene Woche Insolvenz für die Konzernmutter und die deutschen Töchter angemeldet. Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis weltweit in den Keller gedrückt hätten. Solarworld beschäftigt nach den jüngsten Zahlen des vorläufigen Insolvenzverwalters rund 3000 Menschen, davon rund 2300 in Bonn, Freiberg und Arnstadt. Die knapp 300 Leiharbeiter im Unternehmen seien nach den Insolvenzanträgen nicht mehr erschienen. Sie haben keinen Anspruch auf das dreimonatige Insolvenzgeld, das der Stammbelegschaft zusteht.

„Von Asbeck lernen, heißt siegen lernen“
„Von Asbeck lernen, heißt siegen lernen. Oft bin ich anderen um zehn Jahre voraus“
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Ein Mann kleiner Worte war Asbeck noch nie. Das Gründungsmitglied des ersten grünen Landesverbandes baute die Firma eigenhändig Anfang der 90er-Jahre auf und führte Solarworld im Jahr 1999 schließlich an die Börse.

„Die Sonne hat noch nie im Schatten gestanden“
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Der von Leonardo da Vinci stammende Satz zählte zu den Lieblingssprüchen Asbecks. Mit seinem Unternehmen verfolgte Asbeck von Anfang an große Ziele.

„Ich werde auf mein Gehalt, meinen Bonus und meinen Dividendenanteil so lange verzichten, bis Solarworld wieder Gewinne schreibt“
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Bereits 2012 rutschte Solarworld nach Rekordverlusten von mehr als 600 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Als Folge verzichtete Asbeck auf circa 3 Millionen Euro.

Der Kunde ist ein scheues Reh, aber das Reh kommt durchaus auch zurück“
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Nach den großen Verlusten der Vorjahre kündigte Asbeck im März 2014 für die Zukunft wieder sprudelnde Gewinne an.

„Wir überlassen die Sonne nicht den Chinesen“
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Aus dem Versprechen an die Aktionäre wurde nichts. Solarworld konnte mit den weitaus günstigeren Preisen der Konkurrenz nicht mithalten. Trotzdem zeigte sich Asbeck weiterhin kämpferisch.

„Et kütt wie et kütt und hätt noch emmer joot jejange!"
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Unter dem Druck der 2016 noch einmal gefallenen Weltmarktpreise hätten Solarworld-Kunden Bestellungen storniert oder Preise nachverhandeln wollen, hieß es aus der Branche. Mit Zweckoptimismus versuchte Asbeck im Juni 2016 besorgte Aktionäre zu beruhigen.

„Die Alternative zum Sterben ist weitermachen“
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Zwar gibt es EU-Schutzzölle gegen Dumping-Angebote aus China. Diese werden aber vielfach unterlaufen. Noch im März diesen Jahres schien für Frank Asbeck eine Insolvenz keine Option zu sein.

Der 63-Jährige Anwalt Piepenburg gilt als erfahrener Sanierer. So schaffte er es 2002 beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern, die Mehrzahl der rund 21 000 Jobs zu retten.

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