Energie

Nach Kapitalerhöhung
Thyssen verliert schützende Hand der Krupp-Stiftung

Die Kapitalerhöhung bei Thyssen-Krupp hat weitreichende Folgen. Die mächtige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung verliert die Sperrminorität bei dem Stahlkonzern und die Villa Hügel büßt Einfluss ein.
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Frankfurt/DüsseldorfDie mächtige Krupp-Stiftung hat nach Informationen des Handelsblatts bei der Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp nicht mitgezogen und verliert deshalb ihre Sperrminorität an dem Dax-Konzern. Die Beteiligung der Stiftung sei auf 22,99 Prozent gesunken, teilte eine Sprecherin in Essen mit. Damit kann die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kein Veto mehr gegen eine eventuelle feindliche Übernahme Thyssen-Krupps einlegen.

Die Stiftung bestätigte am Mittag, die frische Aktien nicht gezeichnet zu haben. Sie bleibt aber „verlässliche Ankeraktionärin des Konzerns“, so Stiftungschefin Ursula Gather. Im Vorfeld der Transaktion hatte Gather hingegen eine Beteiligung nicht ausgeschlossen. Eine solche könnte auch über Kredite finanziert werden, hatte sie gesagt. Allerdings machte sie damals zugleich deutlich, dass für die Stiftung eine Beteiligung unter der Schwelle von 25 Prozent kein Beinbruch wäre. „Ich bin Mathematikerin und weiß, nie sind Zahlen in Stein gemeißelt.“

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ darf die Stiftung mit der geringeren Beteiligung künftig nur noch zwei Aufsichtsratsmitglieder entsenden statt wie bisher. Dies sehe die Satzung von Thyssen-Krupp so vor. Bis zum Ende ihrer Amtszeit, also zur Hauptversammlung im Jahr 2015, sollen aber alle drei Vertreter Mitglied des Kontrollgremiums bleiben.

Thyssen-Krupp hat 51,5 Millionen neue Aktien ausgegeben und darüber knapp 900 Millionen Euro eingenommen. Andere größere Anteilseigner haben sich an der Kapitalerhöhung beteiligt, etwa der schwedische Finanzinvestor Cevian. Er halte künftig wohl über zehn Prozent nach zuvor 6,1 Prozent, hieß es. Auch der Fonds Blackrock habe Aktien gekauft. Die Krupp-Stiftung und Cevian lehnten zunächst eine Stellungnahme ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Kapitalerhöhung: Thyssen verliert schützende Hand der Krupp-Stiftung"

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  • Die Geschichte der Werke in Brasilien und USA ist ein Lehrstück der gängigen Management-Praxis:

    -Zuerst wird in schon schwierigen Zeiten ein vollkommen überdimensioniertes Projekt angezettelt, weil das Management eine "Vision" hatte.

    - In Brasilien wird ein "billiger" aber mit dem Projekt vollkommen überforderter chinesischer Anlagenbauer angeheuert, obwohl man einen kompetenten Anlagenbauer (Uhde) im eigenen Konzern hat.

    - irgenwann merkt man: es klappt nicht und die Konjunktur für Stahl ist nicht so wie erhofft.

    -es wird versucht, kurzfristig die Bilanz zu retten, indem die "Verlustbringer" für einen Bruchteil des Wertes verscherbelt werden.

    - Und wenn die Stahl-Konjunktur wieder anzieht, werden die Herren merken, das auch das ein Fehler war und die Konkurenten reiben sich die Hände....

  • Das wird auch Zeit, dass die Krupp-Stiftung an Einfluss verliert.
    Wer solchen Rechenkünstlern wie Cromme den Einfluss gibt, ein Unternehmen fast zu ruinieren, sollte sich still in eine hintere Ecke zurückziehen. Die Thyssen-Krupp-Stifftung hat nicht verhindert, dass TK sich in Nord-und Südamerika mit fehlgeplanten und völlig überteuerten Stahlwerken fast selbst das eigene Grab geschaufelt hätte.
    Hätte ich die Werke als Laie personlich geplant, wären sie wohl auch nicht teuerer geworden. Das muss man sich mal vorstellen, da plant Deutschland wichtigster Stahlkonzern neue Werke und zeigt dabei einen Diletantismus, wie man sich ihn in den schlimmsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Ich habe immer geglaubt, niemand könne Stahlwerke besser planen und bauen, als Stahlwerke, die extrem lange Erfahrung mit Stahl-Kocherei, Kokereien und Stahlverarbeitung haben.
    Weit gefehlt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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