Energie

Nach Teldafax und Flexstrom
Neuer Alarm auf dem Strommarkt

Nach Teldafax und Flexstrom zeichnet sich am Strommarkt der nächste Krisenfall ab. Die Netzagentur überprüft den rasant wachsenden Billigstromanbieter Care Energy. Im Insolvenzfall könnten die Kunden ohne Strom enden.
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DüsseldorfNach den Pleiten von Teldafax und Flexstrom zeichnet sich auf dem deutschen Energiemarkt nach Informationen des Handelsblatts der nächste Krisenfall ab: Die Bundesnetzagentur hat nach Informationen des Handelsblattes ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Hamburger Billigstromanbieter Care Energy eingeleitet. „Es besteht der Verdacht, dass Care-Energy durch eine eigenwillige Rechtsauslegung versucht, die Anzeigepflicht nach §5 EnWG zu umgehen und sich damit auch der Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage zu entziehen“, sagt Renate Hichert, Sprecherin der Bundesnetzagentur. Die Behörde habe daher „von Amts wegen gegen Care-Energy ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach § 95 EnWG eingeleitet.“

Care Energy ist erst seit Ende 2011 am Markt, hat nach Unternehmensangaben aber bereits 250.000 Kunden. Damit wäre es der am schnellsten wachsende Anbieter – schneller noch als seinerzeit Teldafax und Flexstrom. Care Energy gehört zu der von dem österreichischen Unternehmer Martin Kristek gegründeten und geführten MK Group. Kristek war auch Gesellschafter und Vorstand der Euroenergie AG, die 2008 Insolvenz anmeldete. Ein Care Energy Sprecher betonte, Kristek sei seinerzeit krank gewesen und habe sein Amt monatelang nicht wahrnehmen können.

Aktuell hat die Unternehmensgruppe nicht nur Ärger mit der Aufsichtsbehörde, sondern auch mit Geschäftspartnern. Nach Informationen des Handelsblattes haben drei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Klage gegen die Hamburger eingereicht. Dies bestätigten die Unternehmern Amprion, Tennet und 50Hertz auf Anfrage. Die Klage soll noch im Mai vor dem Landgericht verhandelt werden.

Grund der Streitigkeiten ist das Geschäftsmodell von Care Energy. Das Unternehmen bezeichnet sich nicht als Stromversorger, sondern als „Energiedienstleister“ bzw. „Contractor“. Nach eigener Auffassung ist Care Energy deshalb etwa bei der EEG-Abgabe für die Energiewende privilegiert und muss weniger zahlen als die Konkurrenz. Das Unternehmen betont, es zahle „alle nötigen Steuern und Abgaben.“

Doch die Aufsicht zweifelt. Der Bundesnetzagentur liegt ein Rechtsgutachten vor, das beim Fall Care Energy eine ganz neue Krisenqualität sieht. Wegen der ungewöhnlichen Rechtskonstruktion der Gruppe würde im Insolvenzfall die „Grund- oder Ersatzversorgung vermutlich nicht greifen“, heißt es dort. Und weiter: „Anschlusssperrungen der Endverbraucher könnten die Folge sein. Anders als bei Teldafax könnten dieses Mal die Kunden also tatsächlich (zeitweise) ohne Stromversorgung enden.“

Care Energy widerspricht auch hier. Unternehmenssprecher Marc März: „Wenn wir insolvent gehen, fallen die Kunden in die Grundversorgung. Das ist eindeutige Rechtslage.“

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Nach Teldafax und Flexstrom: Neuer Alarm auf dem Strommarkt"

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  • Bei Interesse sollte man WIKIPEDIA zu care energy nachlesen und auch die Diskussionen im Forum des Bundes der Energieverbraucher sind aufschlussreich.

  • Such dir einen Job bei einer seriösen Firma, bei der die Mitarbeiter nicht systematisch die Kunden belügen und betrügen, dann
    a) kannst du morgens auch wieder in den Spiegel schauen und
    b) hast du eine höhere Arbeitsplatzsicherheit. Denn seriöse Firmen leben länger.

    Mein Mitleid mit dir hält sich in engen Grenzen.

  • Ist es wieder soweit? Lange Zeit war die FlexStrom Gruppe mit Falschmeldungen unter Beschuss (s. Gerichtsurteile/Unterlassungsklagen usw.)!Na die Damen und Herren in der Politik - was ist los? Wurde euch ein familiär geführter Konzern zu unbequem? Über 600 Arbeitsplätze sind doch ein Klacks, nicht wahr? Wenn es denn so einfach wäre, hätte ich gerne ein konkretes neues Stellenangebot bitte. Denn ich bin einer von den über 600 Mitarbeitern, die ab dem 01.07. wahrscheinlich bei der Arbeitsagentur ne Nummer ziehen dürfen. Oder liegt es daran, dass die Damen und Herren aus der Politik sich in den Vorständen der Netzbetreibergesellschaften eingenistet haben? Vattenfall hat nur bis 2014 die Netznutzung - danach wird neu verhandelt? Natürlich zu euren Gunsten - was sonst... Ihr solltet lieber eure Ärsche dem Volk widmen und es endlich so vertreten, wie es sich gehört und euch nicht in Unternehmen einschmarotzen und die Taschen füllen. Wer füllt demnächst meine Tasche?

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