Energie

Neue Energiezentrale in Texas
Siemens' Zukunft hängt in der Weihnachtsbaum-Halle

Mitten im Chaos der Energiemärkte zeigt Lisa Davis zum ersten Mal den neuen Energie-Hauptsitz von Siemens in Houston. Die Chefin des Energiegeschäfts setzt auf 2017 – und auf Rotoren von Konkurrent General Electric.

HoustonWie Weihnachtsbäume hängen die Rotoren von der Decke. Fast schwerelos scheinen sie in der Luft zu schweben, tausende Kilo schwer, aus massivem Stahl und Metalllegierungen. Die Rotoren treiben Gasturbinen oder Kompressoren an, oft über Jahrzehnte, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Gehen sie kaputt, ist das für Raffinerien oder petrochemische Werke eine Katastrophe: Produktionsausfall.

Aber es gibt ja die „Christmas Tree“-Hall von Dresser-Rand in Houston. Der Öl- und Erdgasausrüster lagert in der Halle für Kunden derzeit 250 Ersatzrotoren. Egal, ob sie von Dresser-Rand, Emerson oder General Electric sind. Hier hängen sie bei einer Lufttemperatur von 24 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dresser-Rand verdient kaum Geld an den Lagergebühren, die sich im Jahr auf 5000 bis 7000 Dollar je nach Rotor belaufen.

Das wahre Geld wird mit der Nähe zum Kunden verdient, sagt Luis Martinez, der bei Dresser-Rand das Service Center im texanischen Houston leitet: „Was meinen Sie, wer den Auftrag bekommt, wenn der Rotor ganz aus dem Dienst genommen wird?“

Seit wenigen Wochen gehört Dresser-Rand ganz zu Siemens. Es gibt viel Kritik an dem hohen Übernahmepreis von 7,8 Milliarden Dollar, einschließlich der Bonuszahlung von 113 Millionen Dollar an den früheren Vorstandschef Vincent Volpe Jr. Seit der Offerte im vergangenen Jahr stürzte der Ölpreis ins Bodenlose, heute würde Siemens einige Milliarden Dollar weniger zahlen. „Der Markt hat sich sehr verändert“, sagt Lisa Davis, Energiechefin von Siemens. „Aber wir sehen Dresser-Rand als eine langfristige Investition und immer noch als einen guten Deal an“.

Davis meint: 2016 mag zwar das Geschäft einknicken, um aber ab 2017 wieder zu brummen. Um durchschnittlich 20 Prozent sollen die Investitionen im Öl und Gasgeschäft jährlich bis 2020 wachsen. Davis zeigt eine Grafik mit drei Balken. Rechts ist der Höchste: Mehr als eine Billion Dollar sollen 2020 für Leitungen, Raffinerien oder Bohrinseln ausgegeben werden. Eine ordentliche Steigerung von dem linken Balken, der die Ausgaben 2014 von knapp 900 Milliarden Dollar repräsentiert.

Wenn da nicht Balken in der Mitte wäre, der für die Ausgaben 2016 steht. Der ist sehr klein. Eine Zahlenangabe fehlt, Davis will auch keine geben. Die Nachfrage sei zu schwer vorherzusagen.

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