Energie

Neue Verhandlungen möglich
Streik bei Eon wird ausgesetzt

Die Beschäftigten des Energiekonzerns Eon werden am Montag nicht wie angekündigt in Streik treten. Das Ergebnis der Urabstimmung habe für Bewegung im Tarifkonflikt gesorgt, teilte Verdi am Samstag mit.
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Düsseldorf/FrankfurtDer für Montag angekündigte Streik bei Deutschlands größtem Stromversorger Eon wird vorerst ausgesetzt. Das teilten die Gewerkschaften und Eon am Samstag mit. Der Eon-Vorstand habe signalisiert, dass er an einer Einigung interessiert sei, um einen Arbeitskampf zu vermeiden.

Die zentrale Arbeitskampfleitung der Gewerkschaft habe daher nun beschlossen, den Arbeitskampf bis Sonntag, 10. Februar, auszusetzen. Die gemeinsame Tarifkommission von Verdi und IG BCE werde am kommenden Mittwoch beraten und über eine Wiederaufnahme der Verhandlungen auf Basis der besprochenen Positionen entscheiden.

Die Verhandlungen waren Mitte Januar abgebrochen worden, nachdem es auch in der dritten Verhandlungsrunde keine Annäherung gegeben hatte. In einer Urabstimmung hatten sich jeweils mehr als 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder unter den Eon-Beschäftigten für einen Streik ausgesprochen.

„Erfreulicherweise ist es gelungen, die Gespräche mit den Gewerkschaften fortzusetzen“, erklärte Stachelhaus. Sie begrüße es ausdrücklich, dass ein Streik zumindest vorerst verhindert worden sei, erklärte die Eon-Managerin.

Der Stromriese versorgt in Deutschland etwa sechs Millionen Kunden. Bei einem Streik wären vermutlich Eon-Kraftwerke von den Beschäftigten lahmgelegt worden. Ein bundesweit abgestufter Aktionsplan stand bereits. Für Eon hätte das Kosten in Millionenhöhe und Imageverlust am scharf umkämpften Strommarkt gebracht.

Das Unternehmen, das bundesweit 23 Kraftwerke betreibt, leidet unter den Lasten der Energiewende. 2011 hatte Eon erstmals Milliardenverluste erwirtschaftet, für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung des Nettoüberschusses auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro (2012: 4,3 Milliarden), wie Konzernchef Johannes Teyssen kürzlich angekündigt hatte.

Die Gewerkschaftsseite verweist andererseits auf das Restrukturierungsprogramm Eon 2.0 mit dem Abbau von 6000 Jobs bis 2015, das von den Arbeitnehmervertretern mit Sozialplänen mitgetragen wurde. Nun müsse wenigstens ein anständiger Tarifabschluss her, hieß es.Wegen des Tarifstreits hatte Verdi-Verhandlungsführer Volker Stüber am Freitag angekündigt, am Montag mit dem Ausstand beginnen zu wollen. Die Gewerkschaften fordern für die rund 30.000 Beschäftigten von E.ON in Deutschland 6,5 Prozent mehr Lohn. Die vom Energieriesen zuletzt gebotenen 1,7 Prozent nannte er eine Zumutung. Als Voraussetzungen für neue Gespräche hatte Stüber ein konkretes Angebot gefordert. "Die Zahl muss stehen." Zudem müsse sich E.ON bei den geforderten besseren Regelungen zur Übernahme der Auszubildenden bewegen. Der Gewerkschafter deutete zugleich Kompromissbereitschaft an. „6,5 Prozent ist nicht das letzte Wort.“ Eine Mindesthöhe wollte er aber nicht nennen. „Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug.“

Zuvor hatten sich bei der Urabstimmung über 90 Prozent der Verdi- und IG BCE-Mitglieder für den Arbeitskampf ausgesprochen. Auch Kraftwerke sollten bestreikt werden. Verdi zufolge wäre der Streik der erste in der privaten Energiewirtschaft der Bundesrepublik überhaupt. Wegen des sicheren Geschäfts mit Strom und Gas verdienten die Beschäftigten bei den Versorgern jahrelang gutes Geld und profitierten von vergleichsweise hohen Sozialleistungen. Inzwischen herrscht bei den Konzernen wegen des größeren Wettbewerbs, des Atomausstiegs und sinkender Großhandelspreise Krisenstimmung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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