Energie

„Nichts zu beschönigen“

RWE-Chef fordert radikalen Kurswechsel

Es ist eine schonungslose Bestandsaufnahme: RWE-Chef Terium sieht den Stromkonzern in einer „äußerst schwierigen Lage“. Er fordert eine radikal neue Strategie: RWE soll weniger Stromerzeuger und mehr Dienstleister sein.
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RWE-Kohlekraftwerk in Weisweiler: Dem bisherigen Geschäftsmodell werde die „Existenzberechtigung“ entzogen, warnt Konzernchef Terium. Quelle: dpa

RWE-Kohlekraftwerk in Weisweiler: Dem bisherigen Geschäftsmodell werde die „Existenzberechtigung“ entzogen, warnt Konzernchef Terium.

(Foto: dpa)

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium sieht den Energiekonzern in einer existenziellen Krise und fordert einen radikalen Wandel. „Es ist sehr ernst, und wenn wir nur Lippenbekenntnisse ablegen, bringt uns das nicht weiter, aber zerstört die Zukunft unseres Unternehmens“, heißt es in einem Schreiben, das Terium seinen Führungskräften zu einem zweitägigen Strategietreffen verteilen ließ. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vor.

Teriums Bestandsaufnahme ist schonungslos. Es gebe „nichts zu beschönigen“. RWE befinde sich „in einer äußerst schwierigen Lage“. Es gebe „zahlreiche Herausforderungen aus unterschiedlichen Richtungen“. Dem bisherigen Geschäftsmodell, der Stromproduktion mit großen Kraftwerken, werde die „Existenzberechtigung“ entzogen. Aber nicht nur das: „Keiner unserer Unternehmensbereiche ist mehr sicher.“ Das alles sei kein „Kinderspiel“ und „keine neue hochgespielte Krise, die schon vorübergeht“.

Die schmutzigsten Kohlekraftwerke Deutschlands
Kraftwerk Schkopau - Luftverschmutzung reduziert
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Platz 10: Kohlekraftwerk Schkopau von Eon

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat den Schadstoffausstoß der Kohlekraftwerke in Deutschland ausgewertet und die schlimmsten Luftverschmutzer ermittelt. Auf dem zehnten Platz findet sich das Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt. Das Werk, das laut Greenpeace jedes Jahr 4770 Tonnen Schwefeldioxid und 3320 Tonnen Stickoxide ausstößt, gehört dem Energieversorger Eon. Der Kraftwerkspark des Unternehmens ist im Vergleich zu seinen Konkurrenten jedoch insgesamt umweltfreundlicher. Acht der neun gesundheitsschädlichsten Kraftwerke gehören Vattenfall und RWE.

Kraftwerk Schwarze Pumpe
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Das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall steht zum Verkauf.

Eon - Bilanz
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Platz 8: Kohlekraftwerk Schloven von Eon

Das Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen ist sowohl das einzige Steinkohlekraftwerk unter den Top-10 der größten Luftverschmutzer, als auch nur eines von zwei Kohlekraftwerken unter den größten zehn Dreckschleudern des Eon-Konzerns überhaupt. Konzernchef Johannes Teyssen (Foto) hat in den vergangenen Jahren vielmehr in Gas investiert und verfügt somit nur über einen verhältnismäßig kleinen Kohlekraftwerkspark.

Sonne hinter Kraftwerk
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Platz 7: Kraftwerk Neurath von RWE

Auf dem siebten Platz findet sich wieder ein Kraftwerk von RWE. Es stößt jedes Jahr laut Greenpeace 3190 Tonnen Schwefeldioxid und 11.700 Tonnen Stickoxide aus.

Greenpeace demonstriert gegen Kraftwerksbau Boxberg
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Platz 6: Kraftwerk Boxberg von Vattenfall

Auch das Kraftwerk Boxberg gehört zu den größten Umweltverschmutzern Deutschlands. Es ist das zweitgrößte Braunkohlenkraftwerk Vattenfalls in Deutschland. Es produziert 15.600 Gigawatt Strom im Jahr und versorgt damit 3,1 Millionen Haushalte.

Braunkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen
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Platz 5: Kraftwerk Frimmersdorf von RWE

Das RWE-Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf steht hinter der Gemeinde Gustorf bei Grevenbroich im Kreis Neuss. Jedes Jahr stößt das Kraftwerk 5620 Tonnen Schwefeldioxid, 9070 Tonnen Stickoxide und 257 Tonnen Feinstaub aus.

Linkspartei fordert Strompreis-Begrenzung per Gesetz
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Platz 4: Kraftwerk Weisweiler von RWE

Den vierten Platz belegt das Kraftwerk Weisweiler von RWE. Der erste Strom wurde dort bereits 1955 produziert. Bis 1975 wurden acht Blockanlagen in Betrieb genommen. Jedes Jahr verschmutzt das Werk die Luft mit 3060 Tonnen Schwefeldioxid und 12.700 Tonnen Stickoxiden.

„Dies ist eine Revolution, die von uns revolutionäre Maßnahmen verlangt!“, beschwört Terium seine Führungskräfte. „Klar ist, RWE – also wir – müssen uns als Unternehmen neu erfinden.“ Der Konzern solle künftig weniger als Stromerzeuger arbeiten, sondern als Dienstleister. „Wir müssen von einem integrierten Versorger zu einem dezentralisierten, flexiblen und modernen Energiemanager werden.“

Teriums Strategie ruht auf fünf Säulen. Die konventionelle Stromerzeugung soll erhalten bleiben, wenn auch kleiner. Bei den erneuerbaren Energien will Terium „weniger Masse, mehr Klasse“. Das Handelsgeschäft soll das wirtschaftliche Drehkreuz bleiben, aber globaler werden. Der Vertrieb soll näher an die Kunden rücken und innovativer werden. Und das regionale Verteilnetz soll gleichzeitig stabile Erträge liefern.

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8 Kommentare zu "„Nichts zu beschönigen“: RWE-Chef fordert radikalen Kurswechsel"

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  • Die obere Kostengrenze für Strom ist dann logiescherweise der Betrag, den ein mobiler Energieerzeuger verursachen wird.

    Das Problem ist: Wer will für die Speicher zahlen? Können Speicher wirtschaftlich rentabel betrieben werden? Ich glaube nicht! Ansonsten würden doch alle sich Batterien kaufen. Selbst bei einem Elektroauto betragen die Batteriekosten 15 ct je gef. km., weil meist nach 100000km ein 15000 Euro teurer neuer Batterisatz fällig ist.

    Wasserspeicher = Große, hässliche Becken, die die Natur verschandeln und auf Widerstand bei der Bevölkerung treffen.

    Wie sieht eine Welt mit Mikronetzstruktur aus?
    Große Verbraucher klinken sich aus, der Rest muss den Strom teuer kaufen und wenn vor Ort gepfuscht wird, braucht man noch eine Backuplösung (Batteriespeicher für >3000 Euro oder Generator).

  • Als gut geführte Firma (ohne die Wasser- und Müllabenteuer) wäre RWE sicherlich in einer besseren finanziellen Postion. Auch hätte man womöglich bei der Genehmigung von neuen modernen Braunkohlekraftwerken geschickter verhalten können (zB nicht bauen), aber wenn ein Geschäftsmodell von der Politik abgeschafft wird, dann können sich die mit Schulden finanzierten Kraftwerke nicht in Luft auflösen bzw. finden keinen Käufer, der so blöd ist, in die Energieerzeugung per Kohle zu investieren.

    Als uninteressantes Investment müssen Energieerzeuger eine überdurchschnittliche Dividende bieten, ansonsten bleibt ihnen der Kapitalmarkt verschlossen.

    Was war interessiert auch nicht mehr, es ist Vergangenheit. Fehlentscheidungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dass die ganze Energieerzeugungsbranche betroffen ist siéht man an ENBW, EON und anderen. Wenn die Gesellschaft auf eine sichere Stromversorgung verzichten will, dann muss die Politik nur auf dem jetzigen Pfad voranschreiten. Keine Bank/kein Investor wird einem Energiekonzern einen Ct leihen, auf Basis von Sicherheiten (unrentable Kraftwerke), die nichts wert sind. In einer Marktwirtschaft werden Firmen nach dem Ertrags- und nicht nach dem Substanzwert bewertet.

    Wir, die Verbraucher, werden zahlen MÜSSEN und das ganze Geschwurbel von Speicher.. kostet Unsummen. Die Realität wird sein, dass wir entweder eine staatl. Bewirtschaftung bekommen oder totale Marktpreise, dann kostet ein KW/h in der Hochverbraucherzeit 0,80 Euro und in der Nebenzeit 0,19 Euro (1 Ct + Steuern, EEG und Durchleitekosten). Dann muss der kOnsument entscheiden, wann er Wäsche waschen will oder FS schauen will. Dann kann jeder für sich einen Stromspeicher (Batterie) anschafffen.

  • Über ein Jahrzehnt hatte RWE Zeit, angemessen auf die Entwicklung hin zu den Erneuerbaren Energien zu reagieren. Sie hat es versäumt und sich krampfhaft an ihren Auslaufmodellen Kernkraft und Braunkohle festgehalten.

    Man ist nicht offensiv mit dem wechselnden Umfeld umgegangen und jetzt rennt man dem abgefahrenen Zug hinterher.

    Man muss kein Prophet sein, um die Randbedingungen zu sehen, mit denen die RWE weiter zu kämpfen haben wird:

    - die Kernkraft in wenigen Jahren Geschichte sein

    - die Bevölkerung wird die Luftverschmutzung durch Braunkohlekraftwerke zunehmend kritisch sehen und dieser dreckigsten Art der Strom- und Wärmeerzeugung keinen Spielraum lassen.

    - die Stromerzeugung wird sich dezentralisieren

    - die Vergütungen für Strom werden nicht steigen sondern durch die sinkenden Kosten bei den Erneuerbaren Energien niedrig bleiben oder sogar sinken

    - der Umbau unserer Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien wird in 35 Jahren weitestgehend abgeschlossen sein; ob mit oder ohne RWE ist schnuppe

    RWE kann seinen Platz in unserem zukünftigen Energieversorgungsnetz finden, wenn es zum Beispiel mitarbeitet, das Problem der Netzstabilität zu lösen (Speicherkraftwerke, zuverlässige Erneuerbare Energieträger (Wind-Offshore)).

  • Über ein Jahrzehnt hatte RWE Zeit, angemessen auf die Entwicklung hin zu den Erneuerbaren Energien zu reagieren. Sie hat es versäumt und sich krampfhaft an ihren Auslaufmodellen Kernkraft und Braunkohle festgehalten.

    Man ist nicht offensiv mit dem wechselnden Umfeld umgegangen und jetzt rennt man dem abgefahrenen Zug hinterher.

    Man muss kein Prophet sein, um die Randbedingungen zu sehen, mit denen die RWE weiter zu kämpfen haben wird:

    - die Kernkraft in wenigen Jahren Geschichte sein
    - die Bevölkerung wird die Luftverschmutzung durch Braunkohlekraftwerke zunehmend kritisch sehen und dieser dreckigsten Art der Strom- und Wärmeerzeugung keinen Spielraum lassen.
    - die Stromerzeugung wird sich dezentralisieren
    - die Vergütungen für Strom werden nicht steigen sondern durch die sinkenden Kosten bei den Erneuerbaren Energien niedrig bleiben oder sogar sinken
    - der Umbau unserer Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien wird in 35 Jahren weitestgehend abgeschlossen sein; ob mit oder ohne RWE ist schnuppe

    RWE kann seinen Platz in unserem zukünftigen Energieversorgungsnetz finden, wenn es zum Beispiel mitarbeitet, das Problem der Netzstabilität zu lösen (Speicherkraftwerke, zuverlässige Erneuerbare Energieträger (Wind-Offshore)).

  • Aber Herr Behrend, so einfach ist es aber nun auch nicht ...
    RWE hat jahrzehntelang hohe Dividenden gezahlt, gigantische Gewinne eingefahren. Leider wurde das Unternehmen stark gewinnorientiert geführt, was zur Folge hat das der Kraftwerkspark überaltert ist. Was wiederum zur Folge hat das jetzt ein schöner alter unrentabler Kraftwerkspark zur Verfügung steht....
    Und so kommt es dann sehr wohl wieder zu dem - wie Sie sagten Gejammer - Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren - was m.E. nicht ganz unberechtigt (aber sicher übertrieben) ist.

  • Und das alles wegen einer tölpelhaften politischen Entscheidung, die ohne nähere Analysen getroffen wurde, um dem vermeintlichen Volkeswillen zu entsprechen und sich so an der Macht zu halten. Die Mitarbeiter von RWE un den anderen einstigen Energie-Riesen dürfen sich bei unser Physikerin herzlich bedanken, wenn sie bald arbeitslos werden.

  • Im heutigen Umfeld der Energieerzeugung kann man als Energieerzeuger nicht überleben: Wenn im Sommer der Energiemarkt mit Strom aus PV + Wind überschwemmt wird, müssen die Kraftwerke herunterfahren und verursachen hohe Kapazitätsbereitstellungskosten, die mit dem Stromhandel nicht mehr aufgefangen werden, deshalb die Verluste trotz hoher Handelsgewinne.

    Deutschland setzt auf EE, das hat zur Folge, dass niemand mehr konventionell Strom erzeugen will, der womöglich nicht abgenommen werden kann, weil PV und Windstrom bevorzugt eingespeist werden.

    Als Chef von RWE wäre ich knallhart: Alle Kraftwerke, die keinen Deckungsbeitrag liefern, würde ich so schnell, wie es die Verträge erlauben, schließen. Im Endergebnis wird die Netzagentur alle unverzichtbaren Reservekraftwerke verstaatlichen müssen und deren Kosten werden dann auf die Stromnutzer verteilt werden müssen.

    Während dieser Umstrukturierung würde ich Aktien der Stromversorger nur mit der Kneifzange anfassen. Es kann durchaus sein, dass die Finanzkrise noch durch eine hausgemachte Energiekrise in D getoppt wird. Ich höre heute schon das Geammer: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren: Wenn man dieses nicht will, muss man die gesamte Energieerzeugung samt Verteiling wieder verstaatlichen. Ein Zusammenbruch der Versorgung würde gigantische Stillstandskosten in der dt. Industrie verursachen, aber Sozialpädagogen und Geschichtslehrer haben sind leider nicht kompetent genug diese Problematik zu erfassen.

    Will man nicht verstaatlichen und trotzdem RWE zu unrentabler Stromproduktion zwingen, wäre über kurz oder lang eine Insolvenz die Folge. In diesem Fall fällt das Problem dem dt. Steuerzahler trotzdem auf die Füße.

    Zum Glück haben Menschen, die wie o. g. "Friedhelm Franz" argumentieren, keinerlei Verantwortung in der Wirtschaft. Am solchen Kommentaren erkennt man, dass diese Personen gar nicht wissen worum es geht.

  • Krasser kann man seine Hilflosigkeit und Überforderung wohl kaum demonstrieren: der alte, aber ach so falsche Hut von der Dienstleistung. Hat Koch doch gerade prima bei Bilfinger vorgeführt, wie das mit der freischwebenden Dienstleistung klappt. Und RWE kann ja dann die Kunden beraten, wie man ohne elektrischen Strom trotzdem glücklich werden kann.

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