Energie

Niedriger Strompreis
Neues Kölner Großkraftwerk wird nicht angefahren

Die Technik ist neu. Nagelneu. Doch Energiekonzern Statkraft denkt gar nicht daran, sein neues Gaskraftwerk in Betrieb zu nehmen. Der Börsenstrompreis ist zu niedrig, Gas teuer – das Anfahren lohnt sich nicht.
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HürthVerrückte Energiewelt: Der norwegische Statkraft-Konzern hat am Donnerstag in Hürth bei Köln ein nagelneues, 350 Millionen Euro teures Gaskraftwerk in Besitz genommen, fährt die Anlage aber nicht an. Grund seien die niedrigen Börsenstrompreise bei gleichzeitig teurem Gas, sagte Statkraft-Manager Jürgen Tzschoppe.

Branchenweit leiden vor allem die flexiblen Gaskraftwerke unter den Marktverschiebungen durch den Einspeisevorrang und das schnelle Wachstum der erneuerbaren Energien und den Absturz der Börsenstrompreise. Die Politik nehme „gestrandete Investitionen“ in Milliardenhöhe in Kauf, sagte Tzschoppe.

Das Kraftwerk zählt mit einem Wirkungsgrad von fast 60 Prozent zu den modernsten der Welt und könnte mit rund 430 Megawatt bis zu 500.000 Menschen mit Strom versorgen. Derzeit hoffe das Unternehmen auf ein Anfahren der Anlage im Herbst, wenn die Stromnachfrage steige, hieß es.

Doch der hohe Gasanteil bei der Stromgewinnung macht den Betreibern zu schaffen. Der Grund: Durch den gesetzlich vorgeschriebenen Vorrang von regenerativen Energien am Strommarkt und dem daher teilweise sehr hohen Überangebot an klassisch produziertem Strom sinken die Preise für Elektrizität.

Sofern konventionelle Energie spontan benötigt wird, weil Wind- und Solarstrom schwächeln, ist den Energieversorgern also daran gelegen, die billigsten Kraftwerke anzuschalten – und das sind Kohlekraftwerke. Die sind zwar längst nicht so flexibel wie Gaskraftwerke, aber der Kostenfaktor spielt gerade für die ohnehin angeschlagenen Energiekonzerne eine wichtige Rolle.

Gaskraftwerke werden daher immer seltener angeschaltet und schaffen es so nicht, rentabel zu werden. Dabei sind sie sowohl für die Anforderungen der Energiewende als auch aus Klimaschutzgründen wesentlich vernünftiger. Doch wirtschaftlich ist ihr Betrieb nicht. „Die Margen selbst hochmoderner und sauberer Gaskraftwerke liegen in vielen Märkten Europas nahezu bei null und manchmal unter null“, sagte Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen im Mai auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zur Stadt Hürth gehört ein gutes Fernwärmenetz. Schade ist, dass sich der Artikel dazu ausschweigt ob die ca. 40% die das Kraftwerk nicht nutzen kann überwiegend als Abwärme verloren gehen oder eingespeist und verkauft werden.

    In Köln dagegen wird gerade auch ein Gaskraftwerk gebaut. Dies mit Fernwärmeanschluss, weil man dort Geld verdienen möchte. Dann gibts auch kein Wehklagen.

  • Kann ich dann meinen alten Dieselgenerator auch als Reservekraftwerk anmelden, und dei Bereithaltung verkaufen? Wo bekomme ich noch ein paar Dieselgeneratoren her?? Oder vielleicht doch ein BHKW? Das war ja ein bischen doof, weil ich die Wärme im Sommer gar nicht gebrauchen konnte, aber wenn ich jetzt statt Strom auch KEINEN STROM verkaufen kjann, dann rechnet sich das doch total...

  • Den Kleinkraftwerken gehört in der Tat die Zukunft. Anstatt ständige Strompreiserhöhungen durch Öko-Strom hinzunehmen werden immer mehr Leute einfach einen Dieselgenerator betreiben, genau wie in der dritten Welt.

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