Energie

Öl- und Gaskonzerne
Magere Zeiten für „Big Oil“

Schwache Nachfrage, Überkapazitäten, immer kostspieligere Erschließungen: Für die großen Ölkonzerne wie Exxon, BP oder Shell sind die Zeiten üppiger Gewinne vorbei. Das vergangene Quartal war für sie eines zum Vergessen.
  • 0

New YorkKnapp 1,50 Euro – Autofahrer in Deutschland haben es derzeit so billig wie lange nicht mehr. Der Preis für einen Liter Super E10 liegt laut ADAC bundesweit in dieser Woche so niedrig wie zuletzt Anfang Januar 2012. Grund dafür sei die jahreszeitlich bedingt niedrigere Nachfrage, aber auch der starke Euro bei gleichzeitig konstantem Preis für Öl, das in Dollar gehandelt wird. Doch auch die Amerikaner können derzeit sparen: Im Schnitt nähert sich in den USA der Preis für eine Gallone der magischen 3-Dollar-Marke, umgerechnet rund 58 Eurocent pro Liter.

Für die Verbraucher sind das gute Nachrichten, für die großen Ölkonzerne dagegen nicht so sehr. Sie haben mit wegbrechenden Gewinnen zu kämpfen, vor allem im Raffineriegeschäft. Ob BP, Shell, Total, Chevron oder Exxon Mobil – wie die Zahlen aus dem abgelaufenen Quartal zeigen, sind die Zeiten unaufhörlich sprudelnder Gewinne erst einmal vorbei. Ein gesunkener Ölpreis, schwache Nachfrage, der Aufstieg von billigerem Erdgas und die zunehmende Konkurrenz durch Staatskonzerne machen den erfolgsverwöhnten Schwergewichten zu schaffen. „Wir haben Gegenwind“, sagte Shell-Chef Peter Voser bei der Vorlage der Zahlen.

So verkündete Exxon Mobil aus Texas, der größte der „Big Oil“ genannten Konzerne, am Donnerstag einen Gewinneinbruch im dritten Quartal um fast ein Fünftel auf 7,9 Milliarden Dollar. Das ist zwar immer noch eine gewaltige Summe, aber sie schrumpft. Selbst der leichte Zuwachs im Geschäft mit der Ölförderung konnte diesen Rückschlag nicht ausgleichen. Noch härter traf es Shell, den größten europäischen Ölkonzern. Auch wenn das Chemiegeschäft besser lief, brach der Gewinn bereinigt um Sonderposten um rund ein Drittel auf 4,5 Milliarden Dollar ein. Beim französischen Konkurrenten Total ging er um ein Fünftel auf 2,7 Milliarden Dollar zurück, BP büßte rund ein Viertel ein. Der Gewinn für den britischen Multi lag bei 3,7 Milliarden Dollar. An diesem Freitag legte mit dem US-Riesen Chevron der letzte der Großen seine Zahlen vor. Auch hier ging der Nettogewinn, immerhin nur leicht, von 5,3 auf knapp unter 5 Milliarden Dollar zurück.

Das ist ungewohnt für „Big Oil“. Noch vor ein paar Jahren schien der Ölpreis unaufhaltsam zu steigen, der gewaltige Durst in den Schwellenländern ließ Befürchtungen entstehen, dass bald die maximale Fördermenge erreicht werden könnte. Doch die Erschließung in unwirtlichen Gegenden und neue Fördermethoden wie „Fracking“, bei dem in einem komplizierten Verfahren Öl und Gas aus Schieferstein gewonnen wird, haben das Angebot erweitert. Dazu kommt, dass in den Industrienationen die Nachfrage nach Öl zurückgeht. Einerseits, weil die Bevölkerung schrumpft, andererseits, weil Autos und Flugzeuge immer weniger Treibstoff verbrauchen. Alle großen Autokonzerne arbeiten an Elektromodellen, Fahrzeuge mit Erdgas-Antrieb gehören vielerorts längst zum Stadtbild. 

Das lässt die Gewinne der Ölkonzerne im so genannten „Downstream“-Geschäft schrumpfen – der Weiterverarbeitung von Öl zu Benzin, Diesel und anderen Produkte in Raffinerien. Weil sie in der Vergangenheit ihre Kapazitäten deutlich ausgebaut hatten, leiden sie nun unter „extremen Überkapazitäten“, wie Total-Finanzchef Patrick de la Chevardiere in dieser Woche erklärte. „Das Raffinerie-Umfeld bleibt sehr schwierig“.

Seite 1:

Magere Zeiten für „Big Oil“

Seite 2:

Härtere Zeiten auch bei der Erschließung

Kommentare zu " Öl- und Gaskonzerne : Magere Zeiten für „Big Oil“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%