Energie

Ölkonzerne
Raffinerien werden zum Rettungsanker

Der niedrige Ölpreis rückt für die großen Konzerne das Raffineriegeschäft wieder in den Blickpunkt. Nicht nur BP Europa freut sich über starke Margen dort. Trotzdem hat die Entwicklung für die Multis eine Schattenseite.
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Düsseldorf/WienÜber viele Jahre galt der Ausbau der Öl- und Gasförderung als die allein glücklich machende Strategie für die Ölkonzerne. Das hat sich durch den Preisverfall der Rohölpreise seit Sommer vergangenen Jahres grundlegend geändert. Das Raffinerie- und Tankstellengeschäft – in der Branche Downstream genannt – ist für viele Konzerne zum Rettungsanker geworden.

„Im Gegensatz zum Upstream-Bereich, also der Öl- und Gasförderung, sind die Auswirkungen des Ölpreissturzes für den Downstreambereich im operativen Geschäft eher positiv", unterstreicht Michael Schmidt, Vorstandsvorsitzender von BP Europa, mit Blick auf die Halbierung der Rohölpreise im zweiten Halbjahr 2014. Der Preisrückgang schlage sich in niedrigeren Einkaufspreisen für das Öl nieder, das auch die europäische Tochter des britischen Ölkonzerns BP am Weltmarkt für ihre Anlagen kaufen muss. Die Raffinerien hätten im Vergleich zum Vorjahr daher einen höheren Ergebnisbeitrag geliefert; die Margen erreichten dank einer gestiegenen Nachfrage im vierten Quartal sogar ein Fünfjahreshoch.

Gleichwohl gebe es eine Schattenseite des Preisrückgangs: Den Wert der hohen Lagerbestände von Rohöl und Mineralölprodukten in den Raffinerien musste BP Europa zum Jahresende auf Basis der tiefen Preise bewerten, also deutlich nach unten anpassen. Das habe sich negativ auf das Gesamtergebnis ausgewirkt. Ein weiterer negativer Sondereffekt seien höhere Rückstellungen für Pensionen wegen der anhaltend niedrigen Zinsen. Die BP Europa SE weist daher für 2014 einen Fehlbetrag von 864 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hat das Unternehmen noch einen Jahresüberschuss von 67 Millionen Euro erwirtschaftet.

In das laufende Jahr ist BP Europa aber positiv gestartet. Der Absatz liege etwas über dem des Vorjahres. „Mit dem deutlich niedrigeren Kraftstoffpreis wird erst einmal mehr gefahren“, sagte Schmidt. Dazu kommen auch hier Sonderfaktoren wie der aktuelle Bahnstreik. Es sind eben mehr Busse und Lastkraftwagen auf der Straße. Zurzeit kostet der Liter Benzin zwischen 1,40 und 1,50 Euro. Zu Jahresbeginn musste dafür weniger als 1,30 Euro bezahlt werden.

Anderen Ölunternehmen hat das Raffineriegeschäft ebenfalls kräftig geholfen. Beim ungarischen Ölkonzern MOL sorgten die verbesserten Gewinnmargen für das beste Ergebnis in der Konzerngeschichte. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verdreifachte sich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 270 Millionen Dollar. Konzernchef Zsolt Hernádi jubelte: „Das beste Downstream-Ergebnis in einem ersten Quartal überhaupt beleuchtet, dass wir gut positioniert sind, um von günstigeren Markbedingungen zu profitieren.“ Das Ergebnis des größten ungarischen Konzerns ist umso überraschender, als üblicherweise im ersten Quartal die Nachfrage traditionell eher schwach ist.

Auch beim österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV ist das Downstream-Geschäft zum Stabilitätsanker geworden. Österreichs größtes Unternehmen betreibt drei Ölraffinerien und 4.100 Tankstellen in elf Ländern. „Das Geschäft hat sich erholt. Das ist branchentypisch“, sagt ein OMV-Sprecher. „Die hohen Margen verbunden mit dem Niedergang des Ölpreises werden nicht bleiben“, schränkt er ein. Noch 2014 hatte die OMV ihren 45-prozentigen Anteil der Ingolstädter Bayernoil verkauft.

Indirekt hat der scheidende OMV-Chef Gerhard Roiss Fehler bei der Öl- und Gasförderung zugegeben. Gegenüber „Forbes Austria“ kündigte der Vorstandschef an, sich aus kleineren Märkten zurückziehen zu wollen. Roiss wird Ende Juni den Chefsessel an Wintershall-Chef Rainer Seele abgeben. „Parallel zum Ausbau der großen Förderungen wie eben Norwegen oder Rumänien wird es zu einer Konsolidierung kommen, also zum Rückzug aus kleinen Märkten, die weniger als 20.000 Fass produzieren“, sagte Roiss, der bei OMV in Unfrieden ausscheidet. Die Österreicher bereiten sich seit Ende des vergangenen Jahres auf einen Preis von 50 Dollar pro Fass Öl vor. Insider erwarten, dass die OMV ihre Einschätzung in den nächsten Wochen nicht grundlegend ändert.

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