Energie

Ölpest-Fonds
BP geht Geld für Entschädigungen aus

Der 20 Milliarden Dollar schwere Entschädigungsfonds für die Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko ist nahezu aufgebraucht. Wenn dieser ganz leer ist, schlagen die Zahlungen direkt auf die Bilanz von BP durch.
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LondonDem britischen Ölkonzern BP geht das Geld in seinem 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds für die Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko aus. Allein im zweiten Quartal seien 1,4 Milliarden Dollar daraus abgerufen worden, teilte der Konzern am Dienstag mit. Damit bleiben nur noch 300 Millionen Dollar übrig, obwohl die Frist für Entschädigungsanträge von Unternehmen erst im April nächsten Jahres ausläuft.

In diese Ausgleichszahlungen fließt das meiste Geld aus dem Fonds. Ist dieser leer, schlagen weitere Entschädigungen direkt auf die Bilanzen durch. Mit Blick auf den noch laufenden Zivilprozess erhöhte BP die Gesamtrückstellungen für die Ölpest auf 42,4 Milliarden Dollar.

Bei dem Unglück vor gut drei Jahren waren elf Menschen getötet worden und mehr als vier Millionen Barrel Öl ausgelaufen – die größte Ölpest in den Gewässern vor der US-Küste. Indirekt bekam BP die Folgen dieser Katastrophe im zweiten Quartal zu spüren. Der bereinigte Nettogewinn sank um knapp ein Viertel auf 2,7 Milliarden Dollar und verfehlte die Gewinnerwartungen von 3,4 Milliarden. Dazu führte auch eine niedrigere Produktion, nachdem BP Geschäftsteile verkauft hatte, um mit dem Erlös für Ölpest-Schäden aufzukommen.

Der britische Ölriese war Anfang Juli mit einem Einspruch gegen die Auszahlungspraxis des Entschädigungsfonds gescheitert. Den Anwälten des Konzerns zufolge interpretierten der verantwortliche Richter Carl Barbier und der eingesetzte Verwalter Patrick Juneau die Einigung falsch, so dass zahlreiche Unternehmen ungerechtfertigte und übertriebene Ansprüche gelten machen könnten.

Demnach erhalten Unternehmen Geld, obwohl sie 2010, im Jahr der Ölpest, gar keinen Verlust gemacht hätten. „Die Ansprüche interpretieren den Vergleich falsch, den wir im guten Glauben unterzeichnet hatten“ sagt Konzernchef Bob Dudley in einem Fernsehinterview. „Wir werden dagegen kämpfen.“

Im Streit mit den US-Behörden über noch offene Entschädigungsforderungen räumt Dudley vorerst keine Chancen auf eine Einigung ein. „Es ist unwahrscheinlich, dass wir in nächster Zeit ausführliche Verhandlungen aufnehmen werden“, sagt Dudley. Die Fronten seien verhärtet.

Auch ein schwieriges Russland-Geschäft drückte die Quartalsbilanz. Steuernachteile sowie Währungsverluste infolge der Rubelschwäche setzten den Briten zu, die auf den Ergebnissen ihrer knapp 20-prozentigen Beteiligung am russischen Staatskonzern Rosneft lasteten. Analysten hatten mit einem größeren Beitrag zum BP-Ergebnis gerechnet.

BP-Aktien notierten 2,9 Prozent im Minus. Die BP-Rivalen Exxon und Shell präsentieren am Donnerstag ihre Zahlen, Chevron folgt am Freitag.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Ölpest-Fonds: BP geht Geld für Entschädigungen aus"

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  • Dieser eine verschmutzte Pelikan, welcher 10´000x im TV portraitiert wurde, hat tatsächlich soviel gekostet?
    Da kommt FACTA ja noch billiger.
    Uncle Sam, Du hast´s im Griff!

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