Energie

Offshore-Windparks
Windräder kommen auf Touren

Offshore-Windkraft ist in Deutschland nur zäh gestartet. Doch nun gehen die großen Windparks vor den Küsten endlich ans Netz. Auch am Mittwoch wurde wieder eine wichtige Inbetriebnahme gefeiert.

Es hat lange gedauert, bis aus der Vision von der Offshore-Windenergie in Deutschland Wirklichkeit wurde. Betreiber und Lieferanten mussten viel Lehrgeld bezahlen. Starttermine wurden teilweise über Jahre verschoben. Unrühmliche Schlagzeilen machte etwa der Windpark „Riffgat“ vor zwei Jahren. Weil die 30 Windräder zwar 15 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum installiert waren, vom Seekabel aber noch mehrere Kilometer fehlten, produzierte der Park statt grünem Strom schmutzige Abgase. Mit Dieselgeneratoren musste verhindert werden, dass die aufwändige Elektronik in der salzigen Seeluft Schaden nahm.

In diesem Jahr aber geht es Schlag auf Schlag. Gleich mehrere große Windparks gehen ans Netz. Insgesamt sollen sich Ende des Jahres Windräder mit einer Leistung von drei Gigawatt drehen – das ist dreimal mehr als Ende vergangenen Jahres und entspricht der Leistung von zwei bis drei großen Kernkraftwerken.

Am Mittwoch wurde in Hamburg der Windpark Global Tech 1 offiziell in Betrieb genommen. Mit 80 Windrädern und einer Leistung von 400 Megawatt ist er das größte Projekt, das in diesem Jahr ans Netz gehen wird. Die Anlage liegt etwa 140 Kilometer vom Logistik-Stützpunkt Emden entfernt und ist damit der Windpark, der am weitesten von der Küste entfernt arbeiten muss. „Wir sind heute sehr stolz, dass wir das Nordsee-Kraftwerk offiziell in Betrieb nehmen können", sagte Detlef Schmeer, Technischer Geschäftsführer der Betreibergesellschaft: „Mit unseren 80 Windkraftanlagen und der Umspannstation inmitten des Windparks, die rund um die Uhr besetzt ist, wollen wir eine zuverlässige Stromversorgung von 445.000 Haushalten gewährleisten.“

Rund 1,8 Milliarden Euro hat das Großprojekt gekostet. Beteiligt sind die Stadtwerke München, der Darmstädter Kommunalversorger Entega, das Schweizer Energieunternehmen Axpo und sieben weitere Gesellschafter. „Mit Global Tech I weihen wir dieses Jahr bereits den dritten Offshore-Windpark ein, an dem wir beteiligt sind", betonte Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München.

Am Tag zuvor war bereits ein Offshore-Windpark eingeweiht worden, der komplett in kommunaler Hand ist. Die Stadtwerke-Kooperation Trianel nahm vor der  Nordseeinsel Borkum ihr erstes Projekt offiziell in Betrieb. In der ersten Ausbaustufe verfügt der Park über 40 Windräder mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt – der weitere Ausbau um noch einmal 40 Windanlagen ist aber schon geplant. Das Projekt sei ein „Meilenstein in der kommunalen Energieversorgung“, erklärte der Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, Sven Becker. Trianel ist ein Zusammenschluss von über 50 kommunalen Versorgungsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ende April hatte der schwedische Vattenfall-Konzern gemeinsam mit den Stadtwerken München den offiziellen Start des Meerwindparks Dan Tysk gefeiert. Er liegt westlich von Sylt und soll mit einer Leistung von  288 Megawatt bis zu 400.000 Haushalte jährlich mit Strom versorgen. Anwesend waren auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und sein schwedischer Amtskollege.

Die Bundesregierung lässt sich gerne für die Erfolge feiern, die sich mittlerweile einstellen. Wenige Tage später nahm Gabriel auch teil, als RWE „Nordsee Ost“ in Betrieb nahm. Der Park liegt 35 Kilometer von Helgoland entfernt, und soll mit einer installierten Leistung von 295 Megawatt rechnerisch rund 320.000 Haushalte mit Strom versorgen. Im Herbst will Konkurrent Eon sein Vorzeigeprojekt „Amrumbank West“ mit ebenfalls knapp 300 Megawatt Leistung ans Netz bringen.

Besonders die Geschichte von Nordsee Ost dokumentiert die Anlaufschwierigkeiten, die die Technologie in Deutschland hatte. Eigentlich sollten die Windräder schon seit zwei Jahren Strom produzieren. RWE musste den Termin aber mehrfach verschieben. Während die Installation der gewaltigen Windräder im Meer fast wie geplant verlief, hatten Lieferant Siemens und Netzbetreiber Tennet Probleme mit der Erstellung des gewaltigen Umspannwerks auf hoher See und der Anbindung an das Stromnetz am Festland. Die Verzögerung war für alle Seiten peinlich, Siemens musste sogar eine üppige Entschädigung an RWE bezahlen.

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