Energie

OMV-Chef im Interview
„Ein durchschnittlicher Ölpreis von 55 Dollar pro Barrel“

Rainer Seele ist Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV. Das nächste Treffen der Opec-Mitglieder und Russland beobachtet er genau. Im Interview erklärt er, warum er weitere Förderkürzungen erwartet.
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WienVon seinem Büro hat der Vorstandschef des Öl- und Gaskonzerns OMV, Rainer Seele, einen spektakulären Blick über Wien. In der österreichischen Hauptstadt ist das Ölkartell Opec seit Jahrzehnten zuhause. Am Donnerstag treffen sich die Ölminister aus 13 Mitgliedsländern mit Russland, um über eine neunmonatige Verlängerung der Förderbegrenzung zu diskutieren. Österreichs größter Konzern beobachtet die Entwicklung genau. Die OMV erzielte zuletzt einen Konzernumsatz von 19 Milliarden Euro mit knapp 23.000 Mitarbeitern.

Herr Seele, welchen Ölpreis erwarten Sie im Jahresdurchschnitt?
Bei der OMV gehen wir von einem Durchschnittspreis von 55 Dollar pro Barrel aus. Bereits im ersten Quartal haben wir 54 Dollar gesehen. Es gibt eine gewisse Volatilität im Ölpreis.

Was erwarten Sie sich von der Opec-Konferenz am Donnerstag?
Die Signale, die von den Beteiligten ausgesandt werden, deuten auf eine Verlängerung der Ende vergangenen Jahres beschlossenen Förderkürzung bis mindestens Ende des Jahres hin. Von diesem Szenario gehen wir auch im Konzern aus. Wir haben bislang eine hohe Disziplin der Opec-Mitglieder bei der Umsetzung der Produktionskürzungen gesehen. Das ist für eine heterogene Organisation wie der Opec schon überraschend.

Wird der Preis nicht längst in den USA gemacht?
Tatsächlich beobachten die Händler mit Argusaugen, ob und in weit die Schieferölproduktion ausgeweitet wird, und welche Vorräte auf Lager liegen. Die Frage ist, ob die Kürzung der Produktion durch die Opec auch wirklich zu einem Rückgang des Überangebots führt. Zuletzt hat die Internationale Energieagentur erwartet, dass die Verbrauchsmengen angesichts des niedrigen Ölpreises nach oben gehen. Wir gehen davon aus, dass 1 bis 1,3 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich in diesem Jahr verbraucht werden. Das ist ein gesundes Marktwachstum.

Welche Rolle spielt den Russland derzeit für den Ölmarkt? Russland ist an einer Fortsetzung der Kooperation mit der Opec interessiert. Das kann man am Verhalten der russischen Ölkonzerne sehen. Die OMV ist stark in Libyen engagiert. Wie wird es im dortigen Opec-Land angesichts des Bürgerkrieges weitergehen?
Wir haben in diesem Jahr schon eine Reihe von Lieferunterbrechungen gesehen. Die Schwierigkeit in Libyen beschränkt sich auf die Sicherheit des Transports durch Ölpipelines und die Verladehäfen. Derzeit produzieren wir auf einem guten Niveau in Libyen. Im ersten Quartal haben wir 16.000 Barrel pro Tag in der Sahara gefördert. Das sind bereits 40 Prozent unserer Kapazitäten. Ich gehe davon, dass wir zwischen 10.000 bis 15.000 Barrel bis Jahresende produzieren werden. Wir haben ein Potenzial von bis zu 50.000 Barrel pro Tag.

Wie nervös sind die Ölkonzerne in Libyen?
Ich sehe nicht nur von uns, sondern auch von den OMV-Partnern Total oder Repsol ein starkes Bekenntnis zur dortigen Ölförderung. Alle Beteiligten sind der Meinung, dass es mit Libyen bergauf geht. Schließlich beträgt die tägliche Produktion rund 800.000 Barrel. Die libysche staatliche Ölgesellschaft und wir als Ölkonzern haben ein gemeinsames Interesse, möglichst viel Öl zu fördern. Für Libyen ist das existenziell. Denn der Staat dort kann praktisch auf keine anderen Einnahmen zurückgreifen.

In Jemen produzieren sie angesichts des Krieges kein Öl. Wird sich das ändern?
Es gibt derzeit keine Hoffnung, dass wir die Produktion dort wieder aufnehmen werden. Das lässt die Sicherheitslage nicht zu.

Wie steht es um die Förderkosten überhaupt?
Unsere Förderkosten haben wir von Quartal zu Quartal gesenkt. Wir kommen von 16 Dollar pro Barrel und sind nun bei neun Dollar gelandet. Nun geht uns aber ein wenig die Luft aus. Wenn wir noch weiter herunterkommen wollen, müssen wir kostengünstige Felder erschließen. Wenn wir in diesem Jahr die Ölfelder von Uniper in Westsibirien übernehmen, werden wir unter die Schwelle von neun Dollar kommen.

Richtung acht Dollar?
Wahrscheinlich sogar unter acht Dollar.

Herr Seele, vielen Dank für das Interview.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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