Energie

Photovoltaikkonzern in der Krise Kahlschlag bei Solarworld

Personalabbau und schlankere Produktpalette: Solarworld baut 400 Stellen ab und fokussiert seine Fertigungen auf monokristalline Solarmodule. Der schwer angeschlagene Photovoltaikkonzern meldet für 2016 herbe Verluste.
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Krise in Bonn: Der Gründer des Solarmodulherstellers Solarworld kämpft um den Fortbestand seins ökonomischen Lebenswerks. Quelle: dpa
Solarworld-Chef Frank Asbeck

Krise in Bonn: Der Gründer des Solarmodulherstellers Solarworld kämpft um den Fortbestand seins ökonomischen Lebenswerks.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Krise bei Solarworld spitzt sich weiter zu. Der ums Überleben kämpfende Bonner Photovoltaikkonzern hat 2016 das sechste Jahr in Folge Verluste geschrieben. Auf Basis von vorläufigen Geschäftszahlen meldet Solarworld für das vergangene Jahr ein Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) in der Höhe von 99 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2015 betrug der Ebit-Verlust vergleichsweise mickrige 4,2 Millionen Euro.

Zwar konnte Solarworld seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent steigern – auf 803 Millionen Euro. Aber die Bonner haben im gleichen Zeitraum mehr als 100 Millionen Euro verbrannt. Betrugen die liquiden Mittel Ende 2015 noch 189 Millionen Euro, waren es zum Ende des vergangenen Jahres nur mehr 88 Millionen Euro.

So groß sind die Solar-Marktführer
Platz 15: Solarworld (Deutschland)
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Solarworld-Chef Frank Asbeck ist der letzte Überlebende aus der Glanzzeit der deutschen Solarindustrie. Während beinahe alle anderen heimischen Photovoltaikkonzerne in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die asiatische Billigkonkurrenz pleitegingen, existiert die Firma des Bonner Ökopioniers immer noch. Dennoch ist die Zukunft von Solarworld ungewiss. Ein 770-Millionen-Dollar schwerer Rechtsstreit mit dem Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor bedroht den Fortbestand des Unternehmens. Die drei Fabriken von Solarworld liefen 2015 ungeachtet der Klage aber auf Hochtouren. Nach Berechnungen des Analysehauses IHS produzierte Solarworld Paneele mit einer Kapazität von mehr als tausend Megawatt.

Jahresproduktion: 1.117 Megawatt

Platz 14: REC Group (Norwegen)
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Neben Solarworld ist REC die größte verbliebene Photovoltaik-Marke in Europa. Richtig europäisch ist REC freilich nicht. Das Unternehmen hat zwar seinen Hauptsitz in Norwegen, aber produziert wird vorrangig in Singapur. Anfang 2015 wurde REC zudem von der Elkem Group übernommen. Elkem ist eine Tochter des chinesischen Konzerns Bluestar und stellt Silizium her – das Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Photovoltaikzellen. REC beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von rund 755 Millionen Dollar.

Jahresproduktion: 1.188 Megawatt

Platz 13: Sunpower (USA)
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Amerikas zweitgrößter Photovoltaikkonzern ist 2015 wieder in die roten Zahlen gerutscht. Bei einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Dollar meldet Sunpower Verluste in der Höhe von fast 300 Millionen Dollar. 2016 soll es aber wieder aufwärts gehen. Das kalifornische Unternehmen rechnet mit Erlösen von bis zu drei Milliarden Dollar. Sunpower fertigt nicht nur Module, sondern errichtet und betreibt auch eigene Solarparks. In Deutschland erlangte der Konzern als Haupt- und Trikotsponsor des Fußballvereins Bayer 04 Leverkusen Bekanntheit. Die Partnerschaft endete 2013 aber bereits nach zwei Jahren, weil Sunpower wirtschaftlich in Probleme geriet.
Jahresproduktion: 1.253 Megawatt

Platz 12: Shanghai Aerospace Automobile (China)
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In keinem anderen Land der Welt werden so viele Solarmodule hergestellt und Photovoltaikanlagen ans Stromnetz angeschlossen wie in China. Das Reich der Mitte hat Deutschland 2015 als größte Solarnation abgelöst. Und kein Land schickt sich derzeit an, China wieder vom Thron zu stoßen. Im Gegenteil. Bis 2020 will die Staatsregierung in Peking die Solarkapazitäten sogar auf 143 Gigawatt ausbauen. Das wäre eine Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten. Einer der größten Profiteure der fernöstlichen Ökorevolution ist schon jetzt die chinesische Firma Shanghai Aerospace Automobile.

Jahresproduktion: 1.282 Megawatt

Platz 11: Risen Energy (China)
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In der ostchinesischen Provinz Zheijang ist Risen Energy beheimatet. Das Unternehmen wurde 1986 gegründet und beschäftigt aktuell etwa 3000 Mitarbeiter. Seine Solarmodule verkauft Risen überwiegend direkt im Reich der Mitte. Einen Grund daran etwas zu ändern, gibt es ohnehin nicht. Schließlich wächst der chinesische Solarmarkt aktuell um gut 48 Prozent pro Jahr.

Jahresproduktion: 1.292 Megawatt

Platz 10: EGing PV (China)
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Allein 2015 war der chinesische Markt für 32 Prozent der weltweit neu installierten Photovoltaikkapazität verantwortlich. Von diesem gigantischen Wachstum profitiert auch die Firma EGing PV überproportional. Das Unternehmen existiert seit 2003 und ist in Schanghai an der Börse notiert. Das Geschäftsmodell der chinesischen Firma umfasst nach eigenen Angaben die Produktion sämtlicher Solarprodukte – von Ingots, Wafern und Zellen bis hin zu Photovoltaikmodulen und der kompletten Errichtung von Solaranlagen.

Jahresproduktion: 1.324 Megawatt

Platz 9: GCL (China)
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Von den 15 weltgrößten Solarkonzernen kommen gleich zehn Unternehmen aus China. Die Staatsregierung rief vor mehr als einem Jahrzehnt zum Aufbau einer eigenen Photovoltaikindustrie auf. GCL zählt zu den führenden Modulproduzenten in China und könnte künftig noch größer werden. Der Konzern ist zuletzt bei dem angeschlagenen Konkurrenten Chaori Solar eingestiegen.

Jahresproduktion: 1.722 Megawatt

In Folge der miserablen Bilanz verordnet Konzernchef Frank Asbeck seiner Firma nun ein Sparpaket. Bis 2019 sollen 400 Vollzeitstellen gestrichen werden. Aktuell beschäftigt Solarworld rund 3.300 Mitarbeiter. Solarworld fokussiert sich zudem künftig ausschließlich auf die Fertigung monokristalliner Solarmodule. Das heißt: Die Bonner wollen keine multikristallinen Solarprodukte mehr herstellen, da diese über geringere Wirkungsgrade verfügen, sprich einen geringen Stromertrag einbringen.

„Im Wettbewerb bestehen wir, wenn wir uns ausschließlich auf innovative Solartechnologie höchster Qualität, Langlebigkeit und Leistung konzentrieren“, erklärte Asbeck. Im Zuge des Konzernumbaus bündelt Solarworld seine Wertschöpfungsstufen an einzelnen Produktionsstandorten. Konkret heißt das: Statt wie bisher an den beiden deutschen Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt sowohl Solarmodule als auch Solarzellen herzustellen, fokussieren sich die Werke auf die Herstellung jeweils nur eines dieser Produkte.

In Arnstadt wird die Modulproduktion stillgelegt und die Zellfertigung ausgebaut, und in Freiberg wird die Zellfertigung aufgelassen und dafür die Modulproduktion ausgeweitet. Am dritten Produktionsstandort von Solarworld, im amerikanischen Hillsboro, produzierte Solarworld schon bisher vornehmlich monokristalline Photovoltaikprodukte. Hier ändert sich also vorerst nichts Gravierendes.

„Die geplanten Maßnahmen führen zu einer deutlichen Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Unser Ziel ist es, gestärkt aus der schwierigen Marktphase hervorzugehen und bis 2019 unsere Modulabsatzmenge auf rund 2 Gigawatt zu steigern“, sagte Asbeck. Der Gründer und Chef von Solarworld sieht die Ursache für die Misere seiner Firma in den Verwerfungen auf den internationalen Solarmärkten. Konkret hätten chinesische Produzenten aufgrund gekappter Förderungen im Reich der Mitte den Weltmarkt mit ihren Billigmodulen zu Dumpingpreisen geflutet. In der Folge sind dann die Preise für Solarmodule alleine im vergangenen Jahr um 20 bis 30 Prozent eingebrochen und Solarworld rutschte tief in die roten Zahlen.

Asbeck will sich mit qualitativ hochwertigen Produkten vom Wettbewerb absetzen und jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Verbesserung der eigenen Technologie investieren. Aus Sicht von Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Reserach, ergibt die Fokussierung von Solarworld auf nur noch eine Technologie durchaus Sinn. Aber zunächst kostet die Restrukturierung erst einmal Geld. „Allein für die Rückstellungen für den Umbau müssten in diesem Jahr 12 Millionen Euro anfallen“, erklärt Roshan Zamir. Dabei wäre der Cashbestand mit 88 Millionen Euro schon jetzt „besorgniserregend niedrig“, so Roshan Zamir. Und die liquiden Mittel dürften weiter schrumpfen.

„Bis 2019 muss Solarworld wohl mindestens 40 Millionen seiner liquiden Mittel aufwenden“, erklärt Roshan Zamir. Die entscheidende Frage ist aus Sicht des Analysten, ob Solarworld bis 2019 tatsächlich den Turnaround einleiten kann. „Wenn alles gut geht, könnte das klappen. Der Spielraum wird aber zweifelsohne sehr gering sein“, sagt Roshan Zamir. Und selbst wenn Solarworld bis 2019 überlebt, muss der Konzern dann 350 Millionen Euro an Anleihen und Darlehen zurückzahlen. Ob Solarworld irgendeine Bank findet, die dem Unternehmen dafür neue Kredite gewährt, ist äußerst zweifelhaft.

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