Energie

Pipeline-Projekt
OMV verkauft Anteile an Nabucco

Erst im März kaufte der österreichische Erdöl- und Gaskonzern OMV die Nabucco-Anteile vom Energieversorger RWE. Jetzt veräußert OMV einen Teil seiner Anteile an der geplanten Gaspipeline wieder.
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BerlinDer österreichische Energiekonzern OMV hat kurz nach dem Ausstieg der deutschen RWE einen neuen Partner für das Gaspipeline-Projekt Nabucco West gefunden. Der französische Wettbewerber GDF Suez kaufe einen Anteil von neun Prozent an der Nabucco-Gesellschaft, teilte die OMV am Dienstag mit. Der Abschluss der Transaktion werde im Laufe des zweiten Halbjahres erwartet.

Die Österreicher hatten Mitte April den 17-prozentigen Nabucco-Anteil von RWE übernommen und gleichzeitig angekündigt, die Anteile wieder abgeben zu wollen. Ein Kaufpreis wurde weder damals noch jetzt genannt. RWE war ausgestiegen, da trotz jahrelanger Planungen die Gaslieferanten bislang nur begrenzte Mengen für die Pipeline in Aussicht gestellt hätten. Zudem will sich der unter der Atomwende leidende Konzern die Kosten für den Bau der Pipeline sparen. Mit der Nabucco-Pipeline will die Europäische Union den Zugang zu neuen Gasreserven in Zentralasien erschließen, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.

Die vor einiger Zeit verkürzte Nabucco-West-Röhre soll beginnend an der türkisch-bulgarischen Grenze über Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis zum österreichischen Knotenpunkt Baumgarten reichen. Nabucco West ist damit nur noch halb so lang wie das ursprünglich geplante Projekt. Von den anfänglich veranschlagten 7,9 Milliarden Euro für die längere Pipeline stiegen die Kosten zuletzt auf rund 15 Milliarden Euro.

Mit dem Einstieg der Franzosen in das Firmenkonsortium Nabucco ist die Gesellschaft wieder in Händen von sechs Partnern. Dazu zählen neben OMV und GDF Suez, die bulgarische BEH, die türkische Botas, die rumänische Transgaz sowie die ungarische FGSZ. OMV-Chef Gerhard Roiss wertet den Einstieg der Franzosen als Aufwertung für das Projekt. „Mit GDF Suez als Partner hat das Projekt Nabucco West einen weiteren Meilenstein erreicht. Damit zeigt sich, dass Nabucco der richtige Weg ist, um Europa künftig sicher mit mehr Gas aus neuen Quellen zu versorgen“, sagte Roiss. Auch Nabucco-Chef Reinhard Mitschek zeigte sich erfreut. „Mit dem Einstieg von GDF Suez wird die Aktionärsstruktur von Nabucco signifikant gestärkt und der Weg zum französischen Markt geebnet.“

Der Schritt der Franzosen folgt kurz vor der erwarteten Entscheidung, welche Pipeline - Nabucco oder das Konkurrenz-Projekt Trans-Adriatic-Pipeline (TAP) - den Zuschlag für den Gastransport nach Europa erhält. Die Entscheidung wird von einem Firmenkonsortium rund um die Energiekonzernen BP und Statoil sowie dem aserbaidschanischen Staatskonzern Socar getroffen, das die riesigen Gasreserven des Shah-Deniz-Gasfeldes unter dem Kaspischen Meer fördert.

Die OMV zeigt sich zuversichtlich, dass Nabucco das Rennen machen wird. „Vor dem Hintergrund der nun gestärkten pan-europäischen Partnerschaft freuen wir uns auf die anstehende Entscheidung des Shah Deniz II Konsortiums über die bevorzugte Lieferroute nach Europa“, sagte Roiss.

An dem Konkurrenz-Projekt TAP sind neben dem deutschen Energiekonzern E.ON die Schweizer Axpo und die norwegische Statoil beteiligt. Die Röhre soll Griechenland über Albanien durch die Adria mit Süditalien verbinden. Nabucco wurde lange Zeit von der EU favorisiert. Doch gut zehn Jahre nach dem Start des Vorhabens hat der politische Rückenwind nachgelassen. Die EU hat mittlerweile eine neutrale Haltung gegenüber den beiden Pipeline-Projekten. Welche der beiden Pipelines zum Zug kommt, ist völlig offen. Eine Entscheidung wird bis Ende Juni erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Eigentlich wollte ich zum Artikel über die Wiederaufnahme der Waffenlieferungen an syrische "Rebellen" kommentieren, aber da ist wieder mal die Kommentarfunktion ausgesetzt. Man sieht genau, bei welche Themen Leserkommentare unerwünscht sind. Euer Feigenblatt, den Lesern Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt vorzutäuschen, wird langsam immer DÜNNER, liebes Handelsblatt.
    Vermutlich hängt diese immer zunehmende Zensur sowohl mit der Bundestagswahl als auch mit dem AUFWACHEN von immer mehr Lesern aus den Träumen und Schäumen der Medienberieselung zusammen.
    Dürfen wir künftig nur noch in der Weinkolumne und anderen Lifestyle-Artikeln kommentieren?

    Warum der Kommentatur hier zum Artikel mit Nabuco trotzdem passt: das ist es nämlich, warum es bei dem ganzen Menschenrechtsgetue wieder mal geht. Um das Menschenrecht an Gas und vor allem um das Elitenrecht, daran kräftig zu verdienen und die Gasversorgung Europas zu kontrollieren. Deshalb ballen sich dort auch Kriegsschiffe von Nato und Gasprom aka Rußland. Hier informative Links, damit sich auch HB-Leser über das tatsächliche Geschehen informieren können:

    http://lupocattivoblog.com/2013/05/21/der-gaskrieg-die-gas-falle-als-das-praludium-zum-dritten-weltkrieg/

    http://www.zerohedge.com/news/2013-05-27/europe-ends-arms-embargo-syrian-rebels-desperate-break-russian-natgas-export-monopol

    Und hier noch, warum es so akut ist, den syrischen "Rebellen" (Söldner von EUdSSR, USA und Katar) Waffen zu liefern, von Engdahl einem Experten und FREIEN Journalisten in geostrategischen Energiefragen:

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/wird-syrien-fuer-die-usa-zum-neuen-vietnam-.html

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