Energie

PNE Wind AG
Selbstbedienungsmentalität am Pranger

Machtkampf beendet: Der börsennotierte Windparkbauer wählte neue Aufsichtsräte. Den zeitgleich ausscheidenden Managern droht nachträglich Ungemach. Ein Sonderprüfer untersucht nun deren üppige Gagen und Luxusreisen.

CuxhavenDieses Mal sollte alles friedlich ablaufen. Das erklärte Ziel: Eine erneute Blamage unter allen Umständen verhindern. Doch bei dem börsennotierten Projektentwickler PNE Wind läuft es selten wie geplant. Die außerordentliche Hauptversammlung des Unternehmens am Freitag in Cuxhaven startete gleich mit einem Eklat. In einem Nebensatz wurde den anwesenden Aktionären mitgeteilt, dass Markus Lesser, bisher verantwortlich für das operative Geschäft bei PNE, seit 1. Oktober das Amt des Vorstandsvorsitzenden innehat.

Mehr als 22 Tage lang hielt es offenbar niemand für nötig, die Anteilseigner über die Personalentscheidung zu informieren. Es gab weder eine Ad-hoc-, noch eine Pressemitteilung, wie es in solchen Fällen eigentlich üblich ist. Immerhin: Hastig wurde noch während der Versammlung das Profil von Markus Lesser auf der Homepage des Unternehmens abgeändert. Statt „Vorstand operatives Geschäft“ stand plötzlich „Interim CEO“ unter dem Foto des Managers zu lesen.

Es ist nicht zuletzt dieses intransparente Kommunikationsgebaren, das die Aktionäre in der Kugelbake-Halle einmal mehr schwer erzürnte. Unter einigem Murren blendeten die Anteilseigner aber ihre Wut weitgehend aus und ermöglichten so einen Neuanfang. Der bisherige Aufsichtsrat trat geschlossen zurück. Sechs neue Kontrolleure wurden mit breiter Mehrheit bestellt. Damit ist der Machtkampf, der das Unternehmen monatelang lähmte, fürs Erste beendet.

Der Ursprung des Streits liegt zwei Jahre zurück. 2013 übernahm PNE Wind die Mehrheit am damaligen Wettbewerber WKN. Verkäufer war der heutige PNE-Großaktionär Volker Friedrichsen. Ihm warf der am 30. September ausgeschiedene PNE-Chef Martin Billhardt vor, beim Verkauf getrickst zu haben, und forderte 6,2 Millionen Euro Schadensersatz.

Im Aufsichtsrat entbrannte daraufhin ein heftiger Streit. Das Gremium war gespalten: Großaktionär Friedrichsen und seine zwei Gefolgsleute warfen dem Vorstand sowie dem Aufsichtsratschef vor, sich an dem Unternehmen zu bereichern. CEO Martin Billhardt und Oberaufseher Dieter Kuprian wiesen die Anschuldigungen zurück und wollten den unliebsamen Großaktionär kaltstellen, weil der dem Unternehmen schade.

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Selbstbedienungsmentalität am Pranger

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