Energie

Politische Risiken

Rosneft-Chef warnt vor Sanktionen

Russland bleibt trotz politischer Spannungen ein zuverlässiger Energielieferant, betont der Igor Setchin, Chef des russischen Energiekonzerns Rosneft. Sanktionen hätten dagegen für beide Seiten negative Folgen.
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Rosneft-Chef Igor Setchin kann sich eine Energiebrücke nach Deutschland durchaus vorstellen. Quelle: Reuters

Rosneft-Chef Igor Setchin kann sich eine Energiebrücke nach Deutschland durchaus vorstellen.

(Foto: Reuters)

BerlinIn Russland wächst die Sorge über Wirtschaftssanktionen der EU. „Sanktionen helfen niemandem. Es entstehen nur zusätzliche Risiken, und der Kreis der Betroffenen wird größer. Es werden Menschen in die politische Auseinandersetzung hineingezogen, die nichts mit dem Thema zu tun haben“, sagte der Chef des russischen Öl- und Gaskonzerns Rosneft, Igor Setschin, dem Handelsblatt. Sollten sich europäische Sanktionen auf russisches Erdöl erstrecken, hätte das „immense Auswirkungen, etwa auf das Raffineriegeschäft“, warnte der Chef des größten Energiekonzerns der Welt. Rosneft betreibt gut ein Fünftel der Raffineriekapazitäten in Deutschland. Rund 40 Prozent des von Europa importierten Erdöls stammen aus Russland.

Bereits die bisherige Debatte über Sanktionen hat nach Darstellung des Rosneft-Chefs Spuren hinterlassen. So habe die deutsche Ausrüstungsindustrie im vergangenen Monat deutlich weniger nach Russland geliefert als im Mai 2013. Man habe die Gründe dafür zwar noch nicht genau analysieren können, die Tendenz sei jedoch besorgniserregend. Unternehmen aus anderen Ländern haben nach Darstellung Setschins weniger Bedenken, in Russland aktiv zu bleiben. Insbesondere Lieferanten aus den USA und aus dem asiatisch-pazifischen Raum seien schnell zur Stelle, um Lücken zu füllen, die deutsche Unternehmen hinterließen, sagte der Rosneft-Chef.

Trotz der Spannungen in der Ukraine sei Russland ein zuverlässiger Energielieferant: Eine „Energiebrücke von Kaliningrad nach Deutschland“ könne interessant sein, sagte der Chef des weltgrößten Energiekonzerns Rosneft, Igor Setschin, dem Handelsblatt. Damit bekomme das im russischen Kaliningrad geplante Kernkraftwerk auch für Deutschland Bedeutung. Es sei durchaus möglich, Strom von Kaliningrad über Land oder auch per Seekabel nach Deutschland zu liefern, sagte der Manager.

Welche Multis den Ölmarkt dominieren
Waves crash over the conical drilling unit Kulluk where it sits aground on the southeast side of Sitkalidak Island, Alaska
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Stürmische Zeiten: Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute fahren die größten Ölkonzerne der Welt satte Gewinne ein. Der Energie-Informationsdienst Oilandgasiq hat die zehn größten Öl- und Gaskonzerne nach dem täglichen Fördervolumen zusammengestellt.

Stand: Mai 2013

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Platz 10: Kuwait Petroleum Corporation (KPC)

Den letzten Rang unter den Top-10 Ölkonzernen der Welt erreicht der staatliche Ölförderer von Kuwait. Die Kuwait Petroleum Corporation ging aus der Anglo-Persian Oil (heute BP) und Gulf Oil (heute Chevron) hervor. Die Kuwaitis beschäftigen 15.800 Menschen und fördern 3,2 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht rund 159 Litern. Im Golfkrieg in den 1990ern setzten irakischen Streitkräfte mehr als 700 kuwaitische Ölquellen in Brand.

Pump jacks are seen in the Midway Sunset oilfield in this file photo
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Platz 9: Chevron

Die Wurzeln des drittgrößten Unternehmens der USA reichen bis 1879 zurück, als die Pacific Coast Oil Company gegründet wurde. Später schluckte Standard Oil das Unternehmen und nannte es SoCal. 1984 schlossen sich dann SoCal und Gulf Oil unter dem Namen Chevron zusammen. Die Kalifornier fördern 3,5 Millionen Barrel am Tag. Rund 62.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern.

The "Lolair" drilling platform from state oil monopoly Petroleos Mexicanos (PEMEX) is seen off the port of Veracruz, Mexico
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Platz 8: Pemex

Mexiko verstaatlichte 1938 die gesamte Ölindustrie. Heute gilt der Energieriese als eines der größten Unternehmen Lateinamerikas und größter Steuerzahler Mexikos. Die 138.000 Mitarbeiter fördern 3,6 Millionen Fass Öl am Tag.

An old Shell logo is seen on a vintage fuel wagon at a railway station in the town of Naumburg
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Platz 7: Royal Dutch Shell

Der siebtgrößte Ölförderer der Welt entstand 1907 aus dem Zusammenschluss einer niederländischen und einer britischen Firma. Der weltweit bekannte Konzern setzte sich 2012 mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar an die Spitze des britischen Leitindex FTSE. Mit 87.000 Angestellten fördert der Multi 3,9 Millionen Barrel Öl am Tag.

Gulf Oil Spill-Settlement
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Platz 6: BP

Auf eine lange Historie blickt auch British Petroleum, kurz BP, zurück. Die Burmah Oil Company ging 1909 in der Anglo-Persian Oil Company auf, die später zur Anglo Iranian Oil und schließlich zu BP wurde. Einen schweren Schlag erhielt der Konzern, als eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 mehrere Arbeiter töte. Das auslaufende Öl verseuchte den Golf von Mexiko und richtete eine der größten Umweltkatastrophen an. Der Konzern wurde zu Milliardenstrafen und Entschädigungen verurteilt. Weitere Prozesse laufen.

BP beschäftigt 85.700 Menschen und fördert 4,1 Millionen Fass Öl am Tag.

A oil field worker works at a well head in PetroChina's Daqing oil field in China's northeastern Heilongjiang province
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Platz 5: Petrochina

Den fünften Rang unter den größten Energiekonzernen der Welt hat Chinas Petrochina erobert. Die Karriere des erst 1999 gegründeten Unternehmens ist steil. Der staatseigene Konzern fördert mit 550.000 Arbeitern 4,4 Millionen Barrel.

Setschin greift damit eine Idee auf, die in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert wurde. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte das Thema bereits 2011 im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskonsultationen besprochen. Allerdings ist das Projekt zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt. Die russische Regierung stoppte im vergangenen Jahr vorerst den Bau des Kraftwerks, an Stromexport ist daher derzeit nicht zu denken.

Setschin, der als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin gilt, ermuntert deutsche Firmen trotz der wachsenden Schwierigkeiten dazu, in Russland Geschäfte zu machen. Sein Land stehe vor gigantischen Investitionen etwa in der Energiewirtschaft, wo neue Kraftwerke und Stromnetze errichtet würden, sagte der Manager. Und allein Rosneft werde in den kommenden Jahren hohe Milliardenbeträge in neue Explorationsprojekte stecken.

  • str
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  • Bislang alles wie gehabt: während der "Westen" und seine Handlunger versuchen den Konflikt anzuheizen (zur Zeit wird der blutige Krieg der Kiewer Junta gegen die Bürger "under cover" geführt, d.h. ohne Meldungen in der "freien" westlichen Presse), versucht die russische Seite zu de-eskalieren. Wie könnte es auch anders sein, wenn man die Interessenlage betrachtet. Für Rußland ist eine ungestörte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa (trotz zunehmender Annäherung an China als Alternative) immer noch essentiell, viel wichtiger als Teile der Ukraine aufzunehmen (die Krim war hingegen wesentlich).

    Die Interessen der Amerikaner bzw. deren Geldbarone im Hintergrund (getarnt als "Westen") hingegen sind:

    a) Spaltung Europas (die alte „Teile und Herrsche“-Strategie, Verhinderung eines Eurasischen Wirtschaftsraums- entsprechend der alten britischen Heartland-Theorie)

    b) Beherrschung Europas (via Kontrolle seiner Energieträger) und Schwächung Rußlands

    c) Finanzkrieg und Dollarrettung: Verhinderung einer neuen, möglicherweise rohstoffgedeckten Leitwährung durch Rußland und China durch Einkreisung und Isolation dieser beiden Länder. Im pazifischen Raum gibt es mit China an der Stelle Rußlands eine ähnliche Situation mit Spannungen um Inseln (Seegebiete) und einem „Transpazifischen Freischwindel Abkommen“.

    d) Destabilisierung von Putins Regierung durch eine Niederlage im Ukraine-Konflikt und späterer Sturz (durch die routinierten Farben-Revolutionsprofis der US-NGOs)

    Die Interessen EUropas in dieser Sache sind klar und decken sich weitgehend mit denen Rußlands. Daß unsere Politdarsteller gegen diese Interessen handeln spricht Bände und entlarvt sie als Handlanger Washingtons - wenn auch wohl zum größten Teil unwillig und gezwungen (erpresst?). Um sich das denken zu können, braucht man kein abgehörtes Gespräch eines polnischen Außenministers.

    Es wird Zeit sich der US-Hegemonie ("full spectrum dominance") zu entledigen und auf eine multipolare Welt zuzusteuern.

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