Energie

Prognose der Energieagentur
Dem Klima drohen harte Zeiten

Kohle gilt als zu schmutzig, zu teuer, zu ineffizient. Doch nun kehrt der Rohstoff zurück. Die Bedeutung von Kohle als Energieträger wird bald die von Erdöl einholen – mit dramatischen Folgen für das Klima.
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Düsseldorf/ParisKohle wird Öl nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) binnen zehn Jahren als wichtigster Energielieferant überholen. Vor allem der wachsende Energiehunger von Schwellenländern treibt die Nachfrage nach dem Rohstoff. „Die Welt wird 2017 rund 1,2 Milliarden Tonnen mehr Kohle verbrauchen als heute“, sagt IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Dieser Zuwachs entspricht dem aktuellen Kohleverbrauch von Russland und den USA pro Jahr.

„Dank der üppigen Vorräte und der unersättlichen Nachfrage nach Energie von den Schwellenmärkten hat Kohle im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts fast die Hälfte des Anstiegs der weltweiten Nachfrage gestillt“, sagt von der Hoeven. Der Anteil der Kohle am globalen Energiemix werde stetig wachsen.

Der Agentur zufolge werden im Jahr 2017 4,32 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten an Kohle verbrannt. Der Erdölverbrauch beziffert sich dann auf 4,40 Milliarden Tonnen Öleinheiten. Rohöläquivalente sind eine Maßeinheit bei Energiereserven.

Kohle schien als Energieträger längst abgeschrieben. Nun gewinnt das Gut wieder an Bedeutung. Doch die Rückkehr der Kohle birgt erhebliche Gefahren für die Umwelt. Denn je mehr des Rohstoffs die Menschheit verfeuert, desto mehr Kohlendioxid bläst sie damit in die Atmosphäre. Dies kann gravierende Folgen für die Atmosphäre haben. Die anvisierten Ziele, mit denen weltweit der Ausstoß des Treibhausgases CO2 reduziert werden soll, erscheinen ohnehin nicht mehr erreichbar.

Sogar die Experten der Energieagentur schlagen Alarm. Denn Verfahren zur Abscheidung und Speicherung des Kohlendioxid (Carbon Dioxide Capture and Storage, CCS), die etwa Abgase aus Kohlekraftwerken reinigen könnten, halten mit dem Aufstieg der Kohle nicht mit. „Die CCS-Technologie schreitet nicht so voran wie erwartet“, sagt van der Hoeven. „Das bedeutet, dass die CO2-Emissionen stark zunehmen werden.“

Bei den CCS-Verfahren filtern Anlagen das klimaschädliche CO2 aus Abgasen heraus. Dann wird das Gas etwa in unterirdischen Lagern gespeichert. Im Rotterdamer Hafen startete ein Pilotprojekt, bei dem das CO2 zu Treibhäusern geleitet wird und dort den Pflanzen als Nährstoff zugeführt wird.

Kommentare zu " Prognose der Energieagentur: Dem Klima drohen harte Zeiten"

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  • Endlich ein guter Beitrag. Auch empfehlen kann ich da noch die Website.

    http://www.klimafakten.de/

    sicher wird niemand der es nicht will sich dort durchquälen, was auch ich noch nicht habe. Genauso sollte man ja auch die Gegenwebsiten betrachten.

    Was aber klar ist:

    -80% der Nutzfische der Weltmeere sind vernichtet..
    -Der Peak Oil Cruide Oil ist durch und alternative Verfahren werden unser Niveau nicht mehr lange tragen können insbesondere bei wachsendem Verbrauch.
    -Im Gegensatz zu den immer wieder fälschlilch geäußerten Zahlen reicht Kohle keineswegs noch für 200 Jahre. Diese zahl stammt aus älteren Studien gegen 1998 und ist inzwischen dramatisch nach unten korrigiert worden. China zb. 45 Jahre, Indien noch 38 Jahre und das bei gleichbleibendem Verbrauch.
    -China konsumiert 50% der weltweit verfügbaren Kohle.. bei 7% Wachstum wären das dann in 20 Jahren 200% oder was?
    -die Aussterberate der Tierarten liegt im Faktor 100 über der natürlichen Geschwindigkeit
    -Komplexe Systeme lassen sich bis an die Grenze ihrer Resilienz gut belasten, bis sie einen Tippingpoint überschreiten, nach dem dann sich selbst verstärkende Rückckopplungseffekte das System unaufhaltbar in einen neuen weitern metastabilen Zustand stoßen. Beim Herzinfarkt wäre dann der neue Zustand der Tod. Im Wirtschaftssystem ein Deflatonärer Kollaps gefolgt von Leid und Armut, und in der Ökologie das Ender der lebenserhaltenden Fuktionen für große Teile der Menschheit..

    Wahrhaftig.. Wirtschaftswissenschaften täten gut darann sich mit solchen Theman umfassend , endlich zu beschäftigen.

  • Noch erschreckender wie sehr die menschen glauben die Erde sei eine Scheibe...

    ähm.. meine Ewiges Wachstum auf einer beschränkten Erde sei möglich..

    Optimismus ist ausschließlich dann hilfreich, wenn er darauf angewandt werd ein klar deutliches Problem wie Ressorucenverknappung intelligent anzugehen.

    Optimismus , zwei augen zudrückend, mit voller fahrt auf die Klippe zusteuernd, noch beschleunigen zu müssen ist halt gelinde gesagt ein wenig unintelligent.

  • Und jetzt dürfen Sie mir mal erklären wie Sie in 20 Jahren ihren Urlaub mit Flugzeugen realisieren wollen.

    Schauen Sie sich mal den aktuellen "World Energie Outlook" der Internationalen Energieagenturan...

    Der Bedarf an Öl wird gegen 2030 auf 105 Mio Barrel/Tag geschätzt.. (wir wollen ja schließlich exponentiell weiterwachsen..)..

    Das erreichen wir dann vorrangig durch die "Unidentified Projects" im Volumen von 5 Saudiarabien,die bis 2030 nicht nur gefunden sondern auch online gebracht werden müssen.

    Aber ja.. das machen wir dann mit unkonventionellem Öl, durch Tarsande oder tight-oil mit hilfe von Fracking ? Gelobt sei die Technik (die übrigens schon gegen 1945 entwickelt wurde..jetzt erst wegen hoher Preise rentabel ist).

    Und Gelobt sei auch die naivität des unbefangenen Lesers, der Glaubt ein Barrel unkonventionellen Öls (das schon von der Menge die 5 Saudiarabien nicht wird ersetzen können) sei gleichzusetzen mit einem Barrel konventionellen Öls, das 150 Jahre lang unsere Wirtschaft (und Flugzeuge) hat befeuern können.

    Der Energetische Gewinn liegt nämlich bereits statt bei 1:100 vor 150 Jahren bei 1:17. Mit Tendenz, stark Fallend.

    Aber macht ja nichts.. bis Die Energiequellen zu einer Energiesenke werden dauert es ja noch.. bis wir also 1:1 Erreich haben.

    Noch ein Trugschluß. Denn die Energiebranche muß um zu funktionieren auch den Rest der Gesellschaft mittragen wie zb. Strassen oder Unis. und dafür brauchen wir mindestens einen EROEI (Enegie Return on Energie Invested) von 5:1. Danach ist schluß mit einer Technischen Zivilisation..

    Aber wiegen sie sich weiter in sicherheit.. und schimpfen auf die besorgten Ökosozialisten, bis ein Zusammenbruch nachgewiesen ist..

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