Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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„Diese Plünderer haben unsere Strände zerstört“

Ein weiteres Beispiel ist Tanger in Marokko. Das milde Klima und konkurrenzlos günstige Hotels haben die Küste Marokkos zum beliebten Urlaubsziel aufsteigen lassen. Auch an Interessenten für einen Zweitwohnsitz in der Wärme mit Meerblick herrscht kein Mangel. Die Bauwirtschaft reibt sich die Hände.

Doch manche Strände sehen gar nicht mehr so idyllisch aus. Schlecht bezahlte Arbeiter schaufeln Sand in Körbe, die sie dann auf Esel schnallen. Die ausgemergelten Lasttiere schleppen die Fracht dann enge Küstenpfade hinauf. Oben, auf der felsigen Ebene, wird die Beute dann auf Lastwagen verladen und an skrupellose Bauunternehmen verkauft. Die Aufgabe der Arbeiter: alles abbauen, bis zum letzten Sandkorn. Aber der Abbau ist illegal.

„Bis heute wurden 40 bis 45 Prozent des Sandes gestohlen. Das ist eine riesige Menge und ein echtes ökologisches Fiasko, denn der Sand stammt vor allem von den Stränden“, sagt Othmane Mernissi, Präsident der marokkanischen Vereinigung der Granulathersteller. „Dieser Diebstahl dauert nun schon seit vielen Jahren an.“

Hinzu kommt: Ungewaschener Sand von den Stränden ist von schlechter Qualität. Wird der Sand nicht vor dem Betonguss gründlich mit Süßwasser gespült, ist der von Salzwasser getränkte Sand stark korrosiv. „Mit natriumhaltigem Sand sind unsere Gebäude gefährdet und können über kurz oder lang einstürzen“, sagt Mernissi. „Diese Plünderer haben unsere Strände zerstört“, fügt er hinzu. Der wilde Sandabbau hat Strände in Mondlandschaften verwandelt. Die tragische Ironie: Der Raubbau zerstört die Strände Marokkos, wegen derer die Urlauber anreisen.

Wilder Sandabbau, ob in Flüssen, an Stränden oder auf hoher See, wird unweigerlich zum Verschwinden der Strände führen, so die Dokumentation. Die Strände verschwinden auch schon in Gegenden, in denen die Sandmafia überhaupt nicht aktiv ist. „Weltweit befinden sich 75 bis 90 Prozent der Strände auf dem Rückzug“, berichtet Gary Griggs von der Universität Santa Cruz in Kalifornien. „Und die Lage wird sich weiter verschlechtern.“

Ein Beispiel für den Strandschwund findet Regisseur Delestrac an der Küste des US-Bundesstaats North Carolina. Holzhäuser im typisch amerikanischen Stil ziehen sich dort in einer Reihe direkt auf dem Strand entlang, sie ruhen erhöht auf Stelzen. Doch hier ist nur noch die zweite Hausreihe zu sehen, die erste ist bereits verschwunden – vom Atlantik verschluckt.

In fünf Jahren dürfte auch diese zweite Reihe abgerissen werden. Das Meer spült den Sand um die Fundamente weg, in denen die Holzstelzen stecken. Früher war der Strand so breit wie ein Fußballfeld, berichten die Anwohner. Doch in den vergangenen Jahren ist er viel schmaler geworden. Die Erosion schreitet schneller voran, als erwartet wurde.

Der Sandabbau ist zwar nur ein Faktor, der die Erosion vorantreibt, räumen die Filmemacher ein. Die Natur selbst betreibt ebenfalls die Erosion der Küsten. Doch der Mensch verstärkt die Wirkung um ein Vielfaches. Die Bauwut sorgt nicht nur für einen Raubbau an der Ressource Sand, sondern verschärft selbst das Verschwinden der Strände. Denn die immer dichter bebauten Ufer rauben den Stränden den Platz, den sie brauchen.

Hintergrund: Die Strände passen sich in einem natürlichen Zyklus dem Wechsel der Jahreszeiten an. Im Sommer sind sie steiler, im Winter verflachen sie sich und dehnen sich ins Hinterland aus, um der Kraft der Wellen besser standhalten zu können. Doch dieses Spiel stört die Bauwut der Anwohner. „Wo der Mensch eingreift und Ufermauern aus Beton sowie Straßen, Parkplätze oder Hotels baut, können sich die Strände nicht mehr zurückziehen“, sagt Meeresexperte Griggs. „Langfristig führt das dazu, dass die Strände verschwinden.“

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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