Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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Indonesischer Kahn-Kapitän mit Kippe im Mund

Einige Inseln Indonesiens haben sich bereits buchstäblich in Luft aufgelöst. 25 Inseln sind von der Weltkarte gestrichen. „Wenn wir diesen Sand verlieren, verlieren wir unser Leben“, folgert Damanik. Die Folgen sind vielfältig. „Wenn eine Insel verschwindet, ändern sich die maritimen Grenzen. Dabei geht es also nicht nur um ökologische oder geschäftliche Probleme, sondern auch geopolitische Fragen“, erläutert Welland.

Der Grund dafür, dass Indonesien schrumpft: Es hat gewaltige Mengen Sand an den Nachbarn Singapur geliefert. Die asiatische Schweiz hat sich zu einem der reichsten Länder der Region entwickelt. Singapurs Bevölkerung hat sich innerhalb von 30 Jahren verdoppelt. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Wie viele asiatische Metropolen muss sie wachsen, um dem Kollaps zu entgehen.

„Singapurs Existenz hängt vom Sandimport ab. Seine Fläche hat sich in den vergangenen 40 Jahren um 20 Prozent vergrößert. Das wurde vor allem durch Aufschüttungen im Meer erreicht“, erläutert Aktivist George Boden. Singapur will seine Fläche bis 2030 um weitere 100 Quadratkilometer vergrößern. Nachdem die eigenen Sandreserven aufgebraucht waren, bediente sich der Stadtstaat bei den Nachbarn. Doch der Appetit ist so groß, dass Indonesien, Kambodscha, Vietnam und Malaysia nach und nach beschlossen haben, den Sandhandel mit Singapur zu verbieten.

Die Bauwut lässt sich aber kaum zügeln. Singapur wird nun beschuldigt, illegal Sand zu importieren. Riesige Frachtkäne, die tief im Wasser liegen, schmuggeln Sand auf die Insel. Die Filmemacher zeigen, wie ein indonesischer Kahn-Kapitän mit Kippe im Mund Sand aus Kambodscha anschleppt – für Singapurer Briefkastenfirmen. Die Händler schleusen unter der Deckung von Scheintöchtern dem Verbot zum Trotz den begehrte Baustoff nach Singapur.

Das alles geschieht unter den Augen des Staates, dem treuesten Kunden der Bauwirtschaft. „Der Sandimport nach Singapur ist eine einzige Heuchelei und wir alle sind davon betroffen“, schimpft Boden. „Der Staat hat sich zum größten Umweltschützer ernannt.“ Während er Umweltkonferenzen abhalte, schmuggelten Händler weiter Sand und zerstörten die Umwelt und die Existenz zahlreicher Menschen.

Wie Öl, Gas oder Gold, Kupfer und Eisenerz ist auch Sand Gegenstand eines harten Wettkampfes geworden, der betroffene Menschen schädigt und Konflikte zwischen den Staaten schürt, so die Folgerung der Filmemacher. Je stärker die Nachfrage, desto fataler sei der Teufelskreis.

Einmal mehr gehen die Reporter auf Spurensuche, diesmal in Mumbai, Indien. Wie China liegt Indien wirtschaftlich auf Erfolgskurs. In der Hoffnung auf ein besseres Leben drängt die Landbevölkerung in die Metropolen. Je stärker die Stadtbevölkerung steigt, desto schneller wird gebaut. Der Sandverbrauch ist schwindelerregend. Die Aussicht auf hohe Gewinne weckt aber auch kriminelle Energie.

So gilt die Sandmafia als die mächtigste kriminelle Vereinigung Indiens. Sie arbeitet mit Erpressung und Gewalt, schreckt auch nicht davor zurück, Kritiker zu beseitigen. „Die Sandmafia beherrscht einen Großteil des Bausektors in Mumbai. Außerdem kontrolliert sie dank ihrer Kontakte auch die Stadtverwaltung“, berichtet Sumaira Abdulali, Präsidentin der Awaaz Stiftung, einer international aktiven Bürgerbewegung. Damit profitiere die Mafia von jedem Glied der Produktionskette. Gedeckt von korrupten Polizisten und Beamten baue die kriminelle Vereinigung an rund 8.000 illegalen Stellen entlang der Küste des Subkontinents Sand ab.

„Sandschmuggel ist ein sehr einträgliches Geschäft“, erklärt Welland. „So unglaublich das klingen mag: Die Nachfrage ist so groß, dass illegaler Sandhandel und Abbau ein weltweites Problem darstellen.“ Täglich verschwinden Tausende Tonnen Sand von den Stränden der Karibik, Asiens und Afrikas.

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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