Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff
Sand wird zur Schmuggelware

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„Unsere Gesellschaft ist auf Sand gebaut“

Doch der Widerstand gegen den ungehemmten Raubbau wächst. An der bretonischen Küste etwa wehren sich Fischer und Anwohner gegen Sand-Abbaupläne eines internationalen Multis in einem Schutzgebiet vor dem Ufer. "Angesichts der Tatsache, dass unsere Gesellschaft auf Sand gebaut ist, verdient er ein bisschen mehr Respekt“, sagt der Geologe Welland.

Der Regisseur lässt eine Reihe von Kritikern und Experten zu Wort kommen, die fordern, die Menschheit müsse ihr Streben nach Gigantismus ablegen und zu einer einfacheren Lebensweise zurückkehren. Die Welt sollte die menschliche Entwicklung stärker an natürliche Prozesse anpassen. Tenor: Wir können Mutter Natur nicht besiegen.

Man kann kritisieren, dass die von Delestrac präsentierten Ideen für eine Lösung zu knapp ausfallen – und die Konzepte zumindest derzeit eher noch den Beiklang von Utopien haben als dass sie gangbare Auswege eröffnen. So greift etwa die Idee, Sand aus Glas herzustellen, zu kurz. Dafür müsste zuerst die Recyclingquote deutlich erhöht werden – und wiederum ein Ersatz für Flaschen gefunden werden, die ja selbst aus Glas und damit Sand bestehen.

Auch die vorgeschlagenen Auswege wie Strohhäuser mögen für manche Zuschauer wie ein Aufruf zum Rückschritt in der Manier des Öko-Fundamentalismus wirken. Des Weiteren mischt der Franzose unter die berechtigte Kritik an überhitzen Immobilienmärkten und unüberlegter Bauwut einen Schuss Wirtschaftsskepsis. Er vereinfacht über die Maßen den Immobilienbau als reine Spekulation, ja verteufelt ihn geradezu. Das mag für manche Ohren sehr nach kategorischer System- und Kapitalismuskritik klingen.

Tatsächlich aber will der Film vor allem aufrütteln und auf ein Problem aufmerksam machen, das bislang weitgehend unbekannt ist oder ignoriert wird. Und darin ist die Dokumentation auch sehr gelungen. Schade nur, dass die Reportage auf dem Kulturkanal Arte nur einen kleinen Zuschauerkreis gefunden haben dürfte. Den Hauptkanälen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und ihrem Informationsauftrag hätte sie sehr gut gestanden.

So zitiert Delestrac den Meeresforscher Griggs von der Universität Santa Cruz in Kalifornien zum Ende mit den Worten: „Wenn die Leute verstehen, was auf dem Spiel steht, wie wichtig jedes einzelne Sandkorn an unseren Stränden ist und welche Bedeutung der Strand für unser Leben und das Allgemeinwesen hat, dann besteht Hoffnung.“

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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