Energie

16 Milliarden Euro Verlust Eon legt Horrorbilanz vor

Eon verbucht einen Fehlbetrag von 16 Milliarden Euro – ein Rekordminus. Jetzt will der Energiekonzern 1300 Stellen streichen, die meisten davon in Deutschland. Die Dividende wird mehr als halbiert.
Update: 15.03.2017 - 08:21 Uhr 22 Kommentare

16 Milliarden Euro – Größter Verlust der Firmengeschichte von Eon

16 Milliarden Euro – Größter Verlust der Firmengeschichte von Eon

Essen/DüsseldorfJetzt liegen die Fakten schwarz auf weiß vor. Es war keine Frage mehr, dass Eon das Geschäftsjahr 2016 mit dem größten Verlust der Konzerngeschichte abgeschlossen hat. Es ging nur noch um die genaue Höhe – und die ist noch größer als Analysten im Vorfeld erwartet hatten: Unter dem Strich summiert sich der Nettoverlust auf 16 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank hatte in einer Analyse jüngst noch mit 12,4 Milliarden Euro gerechnet und auch die pessimistischsten Prognosen gingen allenfalls von 14 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr hatte Eon zwar auch schon einen gewaltigen Nettoverlust verbucht – die 6,3 Milliarden Euro von damals wurden aber noch einmal kräftig übertroffen.

Eons Bilanz wurde von der Aufspaltung des Konzerns belastet, die Vorstandschef Johannes Teyssen im vergangenen Jahr durchgezogen hat. Bei der Abspaltung und dem Börsengang der Uniper SE, in der Eon das alte Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken und den Großhandel gebündelt hat, wurden milliardenschwere Abschreibungen fällig. Zudem muss Eon Milliarden für den geplanten öffentlich-rechtlichen Atomfonds mobilisieren, der künftig die Verantwortung für die Entsorgung des Atommülls übernehmen soll.

Eon betonte, die strategische Neuausrichtung sei „nun auch bilanziell abgeschlossen“. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2016 sei „letztmalig von Lasten der Vergangenheit geprägt“ und es sei ein „Schlussstrich“ gezogen. „Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine Zäsur, die den Weg von Eon in die neue Energiewelt frei macht“, versuchte Teyssen der Horrorbilanz etwas Gutes abzugewinnen: „Damit können wir uns nun voll und ganz auf unsere Kunden in den drei Kerngeschäften Energienetze, Kundenlösungen und Erneuerbare Energien konzentrieren.“

Vor Zinsen und Steuern verdiente Eon 3,1 Milliarden Euro – 13 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Aktionäre sollen trotz des Rekordverlustes eine Dividende von 21 Cent erhalten. Im Vorjahr waren es noch 50 Cent. 2017 sollen es immerhin wieder 30 Cent werden. Die Nettoverschuldung – inklusive Rückstellungen – stieg von 21,3 auf 26,3 Milliarden Euro. Mittelfristig will Eon den Wert auf 20 Milliarden Euro drücken.

Dafür will Eon mit dem Sparprogramm „Phoenix“ die jährlichen Kosten um 400 Millionen Euro reduzieren. Dabei werden 1300 Stellen weg fallen, 1000 davon in Deutschland. Das entspricht rund drei Prozent der aktuellen Belegschaft von 43.000.

Die höchsten Verluste der deutschen Geschichte
Platz 13: Infineon (2008)
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Der Verfall der Halbleiterpreise und der Verkauf der angeschlagenen Tochter Qimonda brachten Infineon in der Wirtschaftskrise 2009 an den Rand der Insolvenz. 2008 verbuchte die einstige Siemens-Tochter ein Minus von 3,1 Milliarden Euro. Die Aktie entwickelte sich zum Penny-Stock und fiel bis auf 39 Cents. Wer damals den Mut hatte, an Infineon zu glauben, wurde reichlich belohnt. Halbleiter von Infineon wurden wieder gebraucht, vor allem in der boomenden Autoindustrie.

Platz 12: Eon (2014)
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Abschreibungen auf Kernkraftwerke und die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom führten 2014 bei Eon zu einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt war das der größte Verlust eines börsennotierten Versorgers in der deutschen Geschichte. Doch 2015 und 2016 setzte Eon – im negativen Sinne – noch einen drauf (weiter hinten im Ranking).

Platz 11: Deutsche Telekom (2001)
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Erstmals nach ihrem Börsengang und dem fulminanten Hype zur Jahrtausendwende präsentierte die Telekom ihren Anlegern 2001 rote Zahlen. Grund für den Verlust in Höhe von 3,45 Milliarden Euro waren Abschreibungen auf die teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen und auf die teuer erworbene amerikanische Mobilfunktochter Voicestream. Einige Analysten bezeichneten damals den Verlust als „nicht dramatisch“. Gemessen an späteren Verlusten bei der Telekom war das sogar eine weise Prognose.

Platz 10: Deutsche Bank (2008)
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Nicht nur 2015 (später im Ranking) präsentierte die Deutsche Bank ihren Aktionären einen Milliarden-Fehlbetrag, sondern auch zu Beginn der Finanzkrise im Geschäftsjahr 2008. Grund für den Verlust von 3,9 Milliarden Euro waren Wertberichtigungen auf Anlagegeschäfte vor allem im Immobiliensektor, dem Auslöser der damaligen Krise. Die Aktie stürzte nach ihrem Kurshoch von 102,27 im Jahr 2007 in nur zwei Jahren bis auf 14,63 Euro ab – ein Verlust von 86 Prozent.

Platz 9: Commerzbank (2009)
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Die Finanzkrise riss die zweitgrößte deutsche Bank tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Wertpapiere und immense Kosten für die Integration der Dresdner Bank führten 2009 zu einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro. Der Dax-Konzern musste vom Staat gestützt werden. Bis heute leidet die Commerzbank unter ihren Fehlentscheidungen und der daraus resultierenden Finanzkrise.

Platz 8: Thyssen-Krupp (2012)
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Auf dem Höhepunkt des Stahlbooms entschloss sich Thyssen-Krupp, künftig noch mehr Stahl zu produzieren. In Brasilien und Alabama baute der Konzern für viel Geld neue Stahlhütten – doch diese waren buchstäblich auf Sand und Matsch gebaut und langfristig auch noch überflüssig, weil nur im Boom viel Stahl gebraucht wird. Die Konsequenz: Nach einem Minus von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr bilanzierte Thyssen-Krupp 2012 ein Minus von 4,7 Milliarden Euro. Darin enthalten war eine Abschreibung auf Steel America. Noch heute ächzt der Konzern unter den Lasten der milliardenschweren Fehlinvestition.

Platz 7: Deutsche Telekom (2012)
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Nach 2001 und 2002 musste die Deutsche Telekom im Jahr 2012 noch einmal ihr amerikanisches Abenteuer teuer bezahlen. Im Oktober gab der Konzern bekannt, dass auf T-Mobile USA (früher Voicestream) 7,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Grund für diese Hiobsbotschaft war, dass der Wert der US-Tochter inzwischen deutlich geringer eingeschätzt wurde als im Jahr 2000, als die Telekom Voicestream für 50,7 Milliarden Dollar gekauft hatte. Daraus resultierte am Ende des Jahres schließlich ein Gesamtnettoverlust von 5,3 Milliarden Euro. Eigentlich hatte Konzernchef René Obermann die lange Zeit kriselnde US-Tochter verkaufen wollen. Doch der Plan platzte.

Eon hatte zum Jahresanfang 2016 das alte Kerngeschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Großhandel an das neue Unternehmen Uniper SE unter der Führung von Klaus Schäfer abgegeben. Eon konzentrierte sich selbst auf das Geschäft mit der Energiewende, also auf Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb. Im September brachte Teyssen dann gut 53 Prozent von Uniper an die Börse.

Dabei musste Eon schonungslos den Werteverfall in der Bilanz verarbeiten, den die notleidende konventionelle Stromerzeugung in den vergangenen Jahren erfahren hatte. Uniper wurde am Tag des Börsengangs mit rund vier Milliarden Euro bewertet. In Eons Büchern waren die Aktivitäten im Frühjahr noch mit 15,5 Milliarden Euro angesetzt worden.

Handelsblatt Energie Briefing
Eine Bilanz der Aufräumarbeiten
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22 Kommentare zu "Rekordminus beim Energiekonzern: Eon macht 16 Milliarden Euro Verlust"

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  • Danke, John Harris für die Quantifizierung des Merkel-Faktors, ich teile die Schätzungen zu 100%.

  • @ Herr F.K.
    "Allein in Kalkar wurde 10 Mrd DM an Steuergeldern verbrannt. Da braucht man keine Bundesdrucksachen."

    Im Fall Kalkar hat der damalige regionale Minister Farthmann die Verantwortung zu tragen, weil er die letzte von 22 Teilbetriebsgenehmigungen (Einlagerung der Brennelemente) nicht erteilt hat.

    Wahrscheinlich sind für Sie die EVUs selber Schuld, wenn sie von der "Kommission der Unwissenden" (aka Ethikkomission) enteignet werden. Aber gut, demnächst sind es dann die Kernphysiker, die über Euthanasie entscheiden.

    Die Kosten lagen im Bereich von 5 Milliarden Mark nicht 10. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40616181.html)

  • @Lothar dM

    Konkret und plakativ gerundet sieht es so aus:
    1500 Mrd. für die Eurorettung (http://bit.ly/2dip5Xa)
    1000 Mrd. für die Energiewende (http://bit.ly/2dir51J)
    1000 Mrd. für die neuen Facharbeiter (http://bit.ly/1WD5oVl)

  • @Herr Marc Hofmann, 15.03.2017, 09:40 Uhr

    „... einen großen weiteren Schritt in der Zukunfts-Hochtechnolgie der Kernenergie gemacht.“

    Hier noch mehr zur „Zukunfts-Hochtechnologie“:

    http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/uebersicht-tihange-100.html

  • Arm werden mit Frau Merkel, ein Schaden nach dem anderen, unerreicht die Frau.

  • Dien meisten Menschen -auch unsere Politikern/-innen- ist der Wandel in die digitale Volkswirtschaft -Industrie 4.0- und den Folgen daraus nicht im geringsten bewusst und dürften dies auch nicht einschätzen können.

    Die führenden Wissenschaftler von Harvard prognostizieren 30 bis 40% ....

    Aber das ist dann die Aufgabe der politischen Klasse die Menschen satt zu kriegen.

    Und Deutschland wird sich da nicht entziehen können.

    Auch die Industrie 4.0 wird ihren Preisen haben. Und zahlen tut es das Individum.

  • Eines von Merkel´s Werken:

    1. Unkontrollierte Energiewende; Folge: RWE, EOn in der Krise, tausende Arbeitsplätze verloren, Gemeinden ohne Ausschüttungen
    2. EUR-Dauerkrise; Maastricht Regeln gebrochen, Schuldenunion etabliert, zulasten deutscher Steuerzahler hunderte Mrd. EUR versenkt
    3 Last but least: Asylkrise/ unkontrollierte Zuwanderung; 90% junge Männer ohne Zukunft im Arbeitsmarkt = Zuwanderung in die Sozialsysteme; kulturelle Konflikte, Zunahme Kriminalität in erschreckendem Ausmass

    Nie hatte eine Kanzler seit 1945 solch einen desaströsen Track Record, vor allem mit solch drastischen Langzeitwirkungen für das Land. In Zukunft wird man von den Merkel-Krisen reden, die uns noch lange lange beschäftigen werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich will die D-Mark zurück, denn seit dem Euro ist mein Geldbeutel immer leer!
    Was hat die Politik in den letzten 25 Jahren nichts alles in den Sand gesetzt´, unfassbar!
    2009 hat man die Finanzdienstleister auf Kosten der Steuerzahler rausgehauen, die sich verzockt hatten. Dass die Finanzdienstleister nicht hafteten, war Merkel & Steinbrück egal, sie unterstützten noch die Umverteilung der Lasten auf die deutschen Steuerzahler.
    Egal was schief läuft, am Ende sind wir es, die für die Fehler der Vergangenheit bezahlen müssen. Egal ob beim desaströsen Euro und der EU, oder bei der Energiewende.
    Bei Zuwanderungskosten und der Gesundheitsversorgung.
    Wir sollten uns einfach mal wehren, Gebührenerhöhungen widersprechen!
    Wenn wir uns nur ein einziges Mal kollektiv als Volk einig wären, dann könnten wir alles verändern, aber dazu sind die Deutschen einfach nicht fähig.
    Ein Volk von Lemmingen und Angsthasen vor dem Herrn.

  • @F. K
    Kalkar war ein erfolgreiches Forschungsprojekt, das aus poltiischen Gründen eingestampft worden ist. Mit diesen Kraftwerkstyp hätte Deutschland Weltmarktführer werden und sich an die Spitze der Energiezukunft = Kernenergie = Hochtechnologie-Naturwissenschaften setzen können. Schon hier hat die Poltiik den Abstieg der freien Deutschen Wissenschaften (Hochtechnologie Gesellschaft) beschlossen.
    Kalkar war ein Forschungsprojekt und hat mit Subventionen nichts zu tun. Man hätten diesen Kernkraftwerks Typ jederzeit vermarkten können...war aber, wie gesagt, von der damaligen Poltiik nicht gewollt. Somit haben heute die Russen mit den BN800 einen großen weiteren Schritt in der Zukunfts-Hochtechnolgie der Kernenergie gemacht.

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